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Bananen-Imperium: Krumme Geschäfte

Drei Abenteurer gründen 1899 die United Fruit Company, heute bekannt unter dem Namen Chiquita. Der Konzern mischt sich jahrezehntelang rücksichtslos in die Politik ein und degradiert souveräne Staaten zu Bananenrepubliken.

Am Morgen des 3. Februar 1975 schließt Eli Black sorgfältig seine Bürotür im 44. Stock des New Yorker Pan Am Building hinter sich. Dann nimmt der Chef der United Fruit Company seinen Aktenkoffer, zertrümmert damit eine Fensterscheibe und springt. Sein Körper schlägt auf dem Asphalt der Park Avenue auf. Mit Black wird ein Bestechungsskandal begraben: Für 2,5 Millionen Dollar, so heißt es, wollte sich United Fruit vom Präsidenten Honduras Zollvorteile bei der Ausfuhr von Bananen erkaufen. Dass Black sich deshalb umbringt, sorgt allgemein für Kopfschütteln, denn in dem Konzern gehört Bestechung seit langem zum Alltag.

Seine Geschichte beginnt 1871. Damals will Minor Copper Keith eine Eisenbahn durch Costa Rica bauen; am Rand der Gleise pflanzt der Unternehmer Bananenstauden, um billige Nahrung für seine Arbeiter zu haben. Die Bahn rentiert sich nicht, aber die Plantagen werden zur Goldgrube. Am 30. März 1899 gründen Keith und zwei weitere Abenteurer, Captain Lorenzo Dow Baker und Andrew Preston, die United Fruit Company. Fortan drängt sich die Firma, die heute Chiquita Brands International Inc. heißt, so aggressiv in die Angelegenheiten Nord- und Mittelamerikas, dass die Lateinamerikaner sie "El Pulpo" nennen - die Krake. Bald kontrolliert United Fruits 75 Prozent des Bananenmarktes in den USA, pflanzt Plantagen in Kolumbien, Costa Rica, Jamaika, Nicaragua, Panama und Honduras, besitzt die größte Privatflotte der Welt und ein gewaltiges Schienennetz. In Guatemala liegt sogar das Postwesen in der Hand des Konzerns. Und Costa Ricas Präsident gibt seine Tochter Minor Copper Keith zur Frau.

"Banana Song" im Baströckchen

Die United Fruit Company verlegt ihren Hauptsitz nach Guatemala. Weder Steuern noch Zölle muss der Bananenriese in dem kleinen Land zahlen, der einzige Handelshafen, Puerto Barrios, der Telegrafendienst und die elektrische Versorgung Guatemalas unterstehen United Fruit. Die gelben Früchte werden mit blauen Aufklebern veredelt, um den Käufern in den USA klar zu machen, dass sie mit einer "Chiquita" etwas ganz Besonderes essen. Als 1944 Miss Chiquita im Baströckchen ihren "Banana Song" trällert, kennt ihn bald jedes Kind.

Doch dann läuft etwas schief. 1950 wird Jacobo Arbenz zum Staatspräsidenten von Guatemala gewählt. Zwei Jahre später enteignet er 53 576 Hektar bestes Plantagenland der United Fruit Company und verteilt es an Kleinbauern. Dem Unternehmen offeriert er eine Entschädigung von 627 572 Dollar - exakt die Summe, die der Konzern für die steuerliche Bewertung seiner Ländereien selbst deklariert hat. Das Bananen-Imperium heuert den Werbefachmann Edward Bernays an. In einer PR-Kampagne wird der guatemaltekischen Regierung unterstellt, sie sei kommunistisch unterwandert.

Als Dwight D. Eisenhower 1953 zum Präsidenten der USA gewählt wird, hat die United Fruit Company die Verbündeten, die sie braucht: den neuen stellvertretenden Außenminister und ehemaligen CIA-Direktor Walter Bedell Smith (er spekuliert schon lange darauf, zur Company zu wechseln und wird dort bald mit einem leitenden Posten belohnt), Eisenhowers persönliche Sekretärin Anne Whitman (Frau des Chiquita-PR-Direktors) und den United-Fruit-Aktionär Henry Cabot Lodge (später Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen).

Deckname: "Operation Success"

Allein im ersten Halbjahr 1954 lässt sich die CIA die Kampagne gegen Arbenz 20 Millionen Dollar kosten. Unter dem Decknamen "Operation Success" werden Waffen in die Hände der oppositionellen Contras gespielt. Im Juni wird Präsident Arbenz gestürzt. An seine Stelle setzt die CIA Contraführer Castillo Armas. Er gibt United Fruit die enteigneten Gebiete zurück und vertreibt die Bauern, die sich gerade auf ihren neuen Feldern eingerichtet haben.

Guatemala ist von einer selbstständigen, selbstbewussten Nation wieder auf den Stand einer Bananenrepublik zurückgesunken. Eli Black kennt all diese Geschichten, als er 1975 Selbstmord begeht. Am Geschäftsgebaren von Chiquita ändert sein Tod nichts. 1998 beispielsweise, als der Streit zwischen den USA und der EU um den internationalen Bananenhandel eskaliert, schiebt der Konzern 1,4 Millionen Dollar Parteispenden nach Washington.

Angelika Franz / print