BAUINDUSTRIE Ab September gibt es mehr Geld


Für die Beschäftigten im Baugewerbe gibt es von September an 3,2 Prozent mehr Lohn. Der Einigung waren langwierige Verhandlungen und bundesweite Streiks vorausgegangen.

Der Tarifkonflikt in der deutschen Bauwirtschaft ist beigelegt. Arbeitgeber und IG BAU einigten sich am Dienstagmorgen nach sechs Streiktagen und einem 22-stündigen Verhandlungsmarathon in Wiesbaden auf eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent zum 1. September 2002. Damit akzeptierte die Gewerkschaft fünf Nullmonate. Ab 1. April 2003 steigen die Löhne nochmals um 2,4 Prozent. Wie Schlichter Heiner Geißler berichtete, erhalten die Bauarbeiter im Westen zudem für die Monate Juni, Juli und August Einmalzahlungen von jeweils 75 Euro.

Mindestlöhne sollen allgemein verbindlich werden

Nach Angaben des CDU-Politikers wird der Mindestlohn pro Stunde für ostdeutsche Bauarbeiter zum 1. September von 8,63 auf 8,76 Euro und ein Jahr später auf 8,97 Euro angehoben. Neu eingeführt wird zum 1. September 2003 ein Mindestlohn für Baufacharbeiter von 12,47 Euro im Westen und 10,01 Euro im Osten. Wie der Schlichter, der die abschließenden Verhandlungen moderiert hatte, erklärte, soll beim Bundesarbeitsministerium beantragt werden, die Mindestlöhne für allgemein verbindlich zu erklären.

Streik führte zu dem Abschluss

Der Streik auf deutschen Baustellen, zu dem am Dienstag nochmals rund 32.000 Beschäftigte aufgerufen waren, wird nach Angaben von IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel ab Mittwoch ausgesetzt: »Wir haben dieses Ergebnis nur erreicht dank unseres Arbeitskampfes.« Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt werde allerdings den Ausstand in denjenigen Unternehmen fortsetzen, die nicht den Arbeitgeberverbänden angehören. Die IG Bau will ihre Mitglieder über das Tarifergebnis in einer Urabstimmung befinden lassen.

Leistungsabschläge bei der Zusatzversorgung

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Bauer, sagte nach dem Abschluss, das Verhandlungsergebnis sei »absolut an der Schmerzgrenze für alle Arbeitgeber der Bauwirtschaft in Deutschland.« Angesichts des ersten Streiks in der deutschen Bauwirtschaft seit 1949 sei es aus Sicht der Unternehmen jedoch »das beste Ergebnis, das möglich war«. Geißler, dessen offizieller Schlichtungsversuch am 1. Juni gescheitert war, sprach von dem »wohl schwierigsten Tarifstreit der letzten Jahre«. Die Verhandlungen hätten in der Nacht zum Dienstag mehrfach auf der Kippe gestanden.

Beiträge der Arbeitgeber steigen

Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich in den Verhandlungen zudem auf eine Modernisierung des Bundesrahmentarifvertrages für die Baubranche sowie auf Sanierungsmaßnahmen für die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Zusatzversorgungskasse (ZVK) des Baugewerbes. Wie Bauer sagte, steigen die Beiträge der Arbeitgeber zur ZVK von 1,5 auf rund zwei Prozent der Bruttolohnsumme des jeweiligen Betriebes. Zugleich müssten jetzige und künftige Leistungsempfänger Abschläge bei der Zusatzversorgung von bis zu sechs Prozent hinnehmen.


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