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Berlin-Brandenburg: Architekt lastet Chaos Flughafenmanagern an

Der Architekt des Berliner Flughafens hat die Schuldigen für das Chaos gefunden: Ständige Umbauwünsche hätten den Bauplan zerstört. Verkehrsminister Ramsauer glaubt nicht an eine Eröffnung vor 2015.

Der frühere Architekt des Hauptstadtflughafens BER, Meinhard von Gerkan, macht die Berliner Flughafengesellschaft für die mehrfach verschobene Eröffnung verantwortlich. Deren Arbeit habe sich als "großangelegte Täuschung herausgestellt", zitiert das Nachrichtenmagazin "Spiegel" aus einem Schriftsatz von Gerkans Anwälten. Die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen". Auch hätten sie ihrem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit suggeriert, dass der Terminal "pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne".

Mehr als 280 Planänderungen

Demnach gab es bis Mai vergangenen Jahres insgesamt 286 Planänderungsanträge. So hätten Flächen für Check-In-Schalter reduziert werden müssen, um einen Shop nach der Sicherheitskontrolle auszubauen. Spätestens seit 2008 habe die Flughafengesellschaft mit "Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben" gearbeitet, heißt es in der Klageerwiderung des mittlerweile gekündigten Architekten.

Die Flughafengesellschaft hatte Gerkans Architekten in der Planungsgemeinschaft pg bbi im Mai entlassen und wenig später wegen angeblich massiver Fehlplanung verklagt. Die Architekten wehren sich juristisch gegen die Vorwürfe. Die im Oktober 2013 geplante Eröffnung des Flughafens war wegen der anhaltenden Probleme auf der Baustelle zu Jahresanfang bereits zum vierten Mal verschoben worden.

Auch der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) macht Anfangsfehler für das aktuelle Chaos verantwortlich. "Der neue Flughafen ist von vornherein zu klein und zu wenig in den Details geplant worden", sagte er dem Magazin "Focus".

Ramsauer plant erst für 2015

Unterdessen rückt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vom ERöffnungstermin 2014 ab. "Es wäre völlig vermessen und verantwortungslos, jetzt schon einen neuen Termin für eine Inbetriebnahme zu nennen", sagte Ramsauer der "Bild am Sonntag". Es müssten jetzt planerisch viele Veränderungen erfasst und umgesetzt werden. Zum Eröffnungstermin sagte er: "Am Ende kann 2014 rauskommen, genauso aber ein anderes Datum."

Ramsauer sprach sich dafür aus, die durch Bauverzögerungen gewonnene Zeit zu nutzen, um den Flughafen noch vor der Eröffnung zu erweitern. In Tegel und Schönefeld gebe es jetzt schon rund 25 Millionen Passagiere im Jahr, der BER könne 27 Millionen bewältigen. "Man könnte die Zeit jetzt nutzen, um die Terminalerweiterung gleich mit anzupacken - und auch die Nordbahn zu sanieren."

swd/DPA/AFP / DPA