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Fakten, Fakten, Fakten: Das Hauptbahnhofs-Einmaleins

Am Wochenende wird der neue Berliner Hauptbahnhof eingeweiht. Was aber ist das Besondere an dem Bau? Was bringt er den Reisenden? Und was hat der Spaß gekostet? stern.debeantwortet alle wichtigen Fragen rund um den Bahnhof.

Seit wann wird an dem Bahnhof gearbeitet?

Das Projekt wurde bereits 1993 angegangen. Damals gewann das Büro des Architekten Meinhard von Gerkan den Wettbewerb. 1995 wurde mit dem Bau begonnen. Ursprünglich sollte Bahnhof schon im Jahr 2000 in Betrieb genommen werden, die Fertigstellung verzögerte sich jedoch immer wieder. Wegen eines Wassereinbruchs musste sogar die Spree zeitweise umgebettet werden. Am 26. Mai wird er nun offiziell eröffnet, am 28. Mai beginnt der reguläre Betrieb.

Was bietet diese "Kathedrale" architektonisch?

Der Berliner Kreuzungsbahnhof, in den die Züge aus allen Himmelsrichtungen einfahren, hat fünf Ebenen. Die oberste Ebene erhebt sich 10 Meter über der Erde, die unterste liegt 15 Meter darunter. In der gläsernen Bahnhofshalle fahren die Züge damit künftig gut sichtbar über den Köpfen und unter den Füßen der Reisenden ein. Auf den drei Zwischengeschossen hat auf 15 000 Quadratmetern ein Einkaufszentrum Platz gefunden. Darin befinden sich rund 70 Geschäfte, von der Burger-Braterei bis zur Damen-Konfektion. Die fünf Ebenen des Bahnhofs werden neben Treppen mit 54 Rolltreppen und 34 Aufzügen verbunden, 6 davon sind runde, gläserne Panoramaaufzüge. Nach Angaben der Bahn enstehen im Berliner Hauptbahnhof 900 Arbeitsplätze, darunter 300 bei der Bahn selbst.

Was kostet der Bau?

Der neue Berliner Hauptbahnhof gilt als das ehrgeizigste und teuerste Bahnhofsneubau-Projekt seit 1945. Die Bahn rühmt sich damit, den größten Kreuzungsbahnhof Europas gebaut zu haben. Der Prestige-Bau kostete nach Angaben der Bahn rund 700 Millionen Euro und ist Teil einer Gesamtinvestition in Höhe von 10 Milliarden Euro, die seit der Wende in den Bahnknotenpunkt Berlin geflossen ist. Hauptziel dabei war es, eine Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt zu schaffen. Dazu wurden etwa 3,5 Kilometer lange, unterirdische Röhren gelegt.

Wieviel Beton steckt in dem Gebäude?

Seit der Grundsteinlegung im September 1998 wurde am Hauptbahnhof eine halbe Million Kubikmeter Beton verbaut. Diese Menge würde reichen, um 65 Kilometer Autobahn zu planieren. Hunderte Bauarbeiter aus mehr als 30 Nationen verbrauchten 85 000 Tonnen Stahl. Die Glasdächer werden insgesamt von 85 Kilometer Stahlseile gehalten. Das Dach entstand in einer Rekordzeit von vier Monaten. 10.000 Schweißnähte waren notwendig.

Was für eine Länge haben die Glashallen?

Blickfang des Bahnhofs sind seine gläsernen Hallendächer, die sich 321 Meter in Ost-West-Richtung und 160 Meter in Nord-Süd-Richtung erstrecken. Das Tageslicht fällt an markanten Stellen mehr als 40 Meter tief bis in das Untergeschoss. Selbst auf den Gleisanlagen im Untergeschoss kann man mit Tageslicht sehen. Auf dem gläsernen Dach ist eine 1700 Quadratmeter große Voltaikanlage installiert, die zwei Prozent des Energiebedarfs des Bahnhofs abdeckt. Die beiden Bürotürme des Bahnhofs sind 46 Meter hoch und damit höher als das nahe gelegene Bundeskanzleramt mit seinen 36 Metern Höhe. Die so genannten Bügelbauten überragen das Ost-West-Glasdach des Bahnhofs wie Brücken. Die jeweils zwölfgeschossigen Türme umfassen rund 50.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, die für eine Hotel- und Büronutzung konzipiert sind. Allerdings hat die Bahn noch keinen Hotelbetreiber überzeugen können. In ein Gebäude zieht die Bahn selbst ein.

Wie viele Reisende werden den Bahnhof nutzen?

Die Bahn geht von rund 300 000 Reisenden täglich aus, die den Bahnhof nutzen. Künftig sollen jeden Tag mehr als 1000 Züge dort halten, darunter 164 Fernzüge, 314 Nahverkehrszüge und mehr als 600 S-Bahnen. Die einzige S-Bahn-Verbindung, die es derzeit gibt, ist die alte Ost-West-Verbindung. Der nächste S-Bahnhof in Richtung Osten ist der Bahnhof "Friedrichstraße", in Richtung Westen der Bahnhof "Bellevue". Einen U-Bahn-Anschluss gibt es derzeit noch nicht, er ist aber in Planung. Dafür soll demnächst eine Schiffsanlegestelle eröffnet werden.

Welchen Namen trägt der Bahnhof offiziell?

Der Hauptbahnhof ist der Nachfolgebau des prächtigen Lehrter Kopfbahnhofs, der von 1871 bis 1959 an dieser Stelle stand. Mit der Teilung Deutschlands hatte die Kriegsruine ihre Bedeutung verloren und wurde gesprengt. Den Namen "Lehrter Stadtbahnhof" trug danach nur noch der benachbarte S-Bahnhof. Über den offiziellen Namen des Hauptbahnhofs gab es lange Streit. Einerseits wollte man die Bezeichnung "Lehrter Bahnhof" beibehalten, andererseits jedoch auch durch den Namen verdeutlichen, dass es sich um einen "Haupt"-Bahnhof handelt. Im Sommer 2003 stimmten die Berliner bei einer Befragung mit einer Mehrheit von 70 Prozent für die Beibehaltung des Namens Lehrter Bahnhof. Trotz des eindeutigen Ergebnisses und trotz zahlreicher Proteste entschieden sich Berlin und Bahn jedoch für den Doppelnamen Berlin Hauptbahnhof - Lehrter Bahnhof. Im Frühjahr 2005 verkündete man dann jedoch, dass der Bahnhof zur Eröffnung seinen Doppelnamen ablegen und nur noch "Berlin Hauptbahnhof" genannt werden solle. Die Bezeichnung "Lehrter Bahnhof " verschwindet nun aus der Berliner Netzspinne und den Anzeigetafeln.

Wie wird die Eröffnung gefeiert?

Der Bahnhof wird am Freitag und Samstag eröffnet. Zunächst hält Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Festrede, bevor der Bahnhof in einer spektakulären nächtlichen Lichtshow erstrahlen soll. Danach können Berliner und Touristen den Bahnhof bis 3.00 Uhr nachts erkunden. Am 27. Mai gibt es ein großes Bahnhofsfest mit einem Konzert der Gruppe BAP. Die Bahn rechnet mit rund 100 000 Besuchern. Am 28. Mai geht der neue Bahnhof in Betrieb. Seine erste Bewährungsprobe ist die Fußballweltmeisterschaft.

Was bringt der Bahnhof den Reisenden?

Mit dem neuen Schienenkreuz ändern sich die Berliner Zugrouten und damit auch die Fahrpläne in ganz Deutschland. Vom 28. Mai an halten die Züge aus Ost-West-Richtung im oberirdischen Teil des Hauptbahnhofs. Die Züge aus Norden und Süden fahren durch den 3,6 Kilometer langen Tunnel in eine unterirdische Halle ein. Von Berlin nach Leipzig verkürzt sich damit die Fahrzeit um rund 40 Minuten auf eine gute Stunde. Auch der Regionalverkehr wird auf einigen Strecken um bis zu 20 Minuten schneller. Zusätzlich werden zwei weitere Fernverkehr-Bahnhöfe in Betrieb genommen. Im Norden die Station "Gesundbrunnen", im Süden die Station "Papestraße". Dazu kommen der Bahnhof Spandau im Westen und der "Ostbahnhof". Dieses Konzept soll es Menschen, die außerhalb Berlins wohnen, in vielen Fällen ersparen, erst in die Stadt hineinfahren zu müssen. Für diejenigen, die dennoch mit dem Auto zum Hauptbahnhof fahren wollen, stehen 800 Pkw-Stellplätze zur Verfügung.

Wieviel Zeit erspart er mir?

Ab dem 28. Mai gilt offiziell der neue Fahrplan. Durch die neue Nord-Süd-Verbindung werden die Fernzüge nicht nur am Berliner Hauptbahnhof halten, sondern sie werden zum Teil auch schneller sein als bisher. So brauchen ICEs von Berlin nach Leipzig bislang 1 Stunde 50 Minuten, demnächst schaffen sie die Strecken in 1 Stunde 10 Minuten. Das ist eine Ersparnis von 40 Minuten. In Dresden ist man immerhin zehn Minuten schneller. Auch auf dem Weg nach München sparen sich Reisende etwa 20 Minuten. Mit einem Mal Umsteigen dauert die Fahrt knapp sechs Stunden.

Güss mit Material von DPA

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