HOME

Bespitzelungsaffäre: Bahn hat offenbar auch Festplatten durchsucht

Die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn AG weitet sich aus. Nach Informationen des "Spiegel" sind auch Computer-Festplatten von Mitarbeitern heimlich nach Daten durchsucht worden. Gefahndet wurde dabei offenbar gezielt nach zuvor festgelegten Schlagworten.

In der Datenaffäre der Deutschen Bahn AG sollen nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" auch Computer-Festplatten von Mitarbeitern heimlich nach Daten durchsucht worden sein. "Das Unternehmen scannte offenbar auch Computer-Laufwerke von Mitarbeitern und die darauf befindlichen Dateien", heißt es in dem Bericht. Nach Aussagen von Bahn-Mitarbeitern soll es sich bei den gescannten Festplatten um sogenannte Gruppenlaufwerke handeln, auf denen Mitarbeiter ihre Computerdateien speichern konnten. Eine Sprecherin der Bahn AG verwies auf auf die laufenden Ermittlungen und Untersuchungen zu diesem Komplex, die noch nicht abgeschlossen seien.

Die Dateien sollen laut "Spiegel" nach vorher definierten Schlagworten durchsucht worden sein. Die Bahn selbst bestreite, dass Vorstände von den sogenannten Massendatenabgleichen Kenntnis gehabt hätten, geschweige denn, dass die Datenabgleiche von ihnen genehmigt oder beauftragt wurden. Nach Angaben des Magazins hat der Konzern den E-Mail-Verkehr seiner Mitarbeiter auch daraufhin überprüft, "ob sie Kontakte zu einem Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Uwe Beckmeyer (SPD-Verkehrsexperte/Bremerhaven) unterhielten".

Obwohl die Vorwürfe dem Bund seinerzeit schon weitgehend bekannt gewesen seien, habe der alleinige Anteilseigener den scheidenden Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bereits am 27. März entlastet. Auf Grund dieses Vertrauensbeweises dürfte es nun sehr viel schwerer sein, die Gehaltsforderungen von Mehdorn nicht zu erfüllen, heißt es in dem Bericht.

Die Bahn war in der Datenaffäre in der vergangenen Woche weiter unter Druck geraten. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hatte dem Konzern nach Medienberichten Rechtsverstöße vorgeworfen. Den Vorwurf, der Vorstand habe Firmen beauftragt, gezielt mit rechtlich zweifelhaften Methoden Beweismaterial zu sammeln, hatte die Bahn gegenüber dpa als Unterstellung bezeichnet.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass eine Bank in der Datenaffäre rechtliche Schritte gegen die Deutsche Bahn erwägt. Hintergrund ist die angebliche Ausspähung von Konten eines Kunden bei der Frankfurter Volksbank und der Sparda-Bank Hessen in den Jahren 1999 bis 2002. Darüber hatte die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Bericht des Datenschutzbeauftragten Dix berichtet.

DPA / DPA