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Börse: Dax fängt sich nach Katastrophenstart

Die Kurseinbrüche in Asien und an der Wall Street haben auch den deutschen Aktienmarkt erneut auf Talfahrt geschickt. Händler bezeichneten die Korrektur als absehbar aber "brutal". Nach dem katastrophalen Start erholten sich die Kurse aber wieder.

von Sven Lilienthal

So tendierte der Dax am Vormittag noch mit 1,6 Prozent im Minus bei 6712 Zählern. Auch der französische CAC 40 gab 1,6 Prozent nach, während der Londoner FTSE 100 nur noch mit 1,3 Prozent im Minus lag. Der europäische Stoxx 50 verlor 1,4 Prozent.

Die Vorgaben waren denkbar ungünstig: Der New Yorker Aktienmarkt hatte die stärksten Kursverluste seit mehr als fünf Jahren erlitten. Die US-Aktien verloren innerhalb eines Tages insgesamt fast 600 Mrd. $ an Wert. Ausgelöst wurden die Verluste durch den Absturz der überhitzten Märkte in China.

Immense Kursausschläge

"Im Moment gibt es Panik pur bei den Anlegern", kommentierte ein Händler den Kursrutsch. "Weil wir so lange ohne Pause hochgelaufen sind, fällt die Korrektur jetzt auch so brutal aus", fügte ein anderer Händler hinzu. Der Markt war in der Tat extrem nervös: Die Kursausschläge waren immens. Teilweise starteten Aktien mit zweistelligen Verlusten, die sich aber bereits nach einer Stunde mehr als halbiert hatten. Der VDax, der die Volatilität im Dax misst, schoss um fast 28 Prozent nach oben. Er lag zuvor allerdings auf einem historischen Tiefstand.

Im Deutschen Aktienindex waren am Dienstag 202 Millionen Aktien umgesetzt worden - soviel wie noch nie in diesem Jahr. Auch der Mittwoch war bis zum Vormittag von einem überdurchschnittlich hohen Handelsvolumen geprägt - bereits 78 Millionen Anteilsscheine wechselten den Besitzer.

Eon besonders unter Druck

Zum Handelsauftakt gerieten Eon besonders unter Druck und lagen mit einem Kurssturz von 4,7 Prozent am Dax-Ende. Der italienische Energiekonzern Enel schaltet sich in das Rennen um den von Eon umworbenen Versorger Endesa ein. Enel hat nach eigener Auskunft knapp zehn Prozent an Endesa erworben. Eon muss damit bei der anvisierten Endesa-Übernahme ein weiteres Hindernis überwinden.

Auch die Aktien der TUI und des Nutzfahrzeugherstellers MAN verloren mit minus 3,9 und 2,9 Prozent deutlich. MAN waren bereits am Vortag noch stärker eingebrochen als der Gesamtmarkt.

Die größten Kursverluste seit dem 11. September

Trotz der Vorlage eines Rekordgewinns wurden die Titel der Münchener Rück um 1,8 Prozent leichter gehandelt. Der Rückversicherer kündigte zudem eine Erhöhung der Dividende an. Mit den Geschäftszahlen traf der Konzern die Erwartungen der Analysten. An Abwärtstagen wie diesen schichten Anleger normalerwsie in defensivere Werte um. Doch auch diese Aktien, wie zum Beispiel der Pharmawert Fresenius Medical Care verbuchten Abschläge. Obwohl die Analysten der Credit Suisse ihr Kursziel für die Papiere von 114 Euro auf 127 Euro angehoben und ihre Einschätzung "Outperformer" bestätigt hatten, verbilligte sich die Aktie um 2,4 Prozent.

Die Aktienmärkte in Asien haben am Mittwoch die größten Kursverluste an einem Tag seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verbucht. Die Anleger stießen nach einem Einbruch der Börse von Schanghai am Vortag ihre Papiere zum Teil panikartig ab.

Besonders die Börse von Singapur, an der viele chinesische Unternehmen notiert sind, ging auf Talfahrt. Auch der Tokioter Handel verzeichneten durch die Bank Verluste. In Schanghai selbst stabilisierte sich das Börsengeschehen.

In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,9 Prozent auf 17.604 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 3,2 Prozent im Minus bei 1752 Zählern. Der Hongkonger Hang Seng-Index fiel unter die 20.000-Punkte-Marke. In Schanghai stieg der Index im Verlauf um annähernd vier Prozent.

FTD
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