Börse VW-Aktie steigt um 146 Prozent


Volkswagen hat an der Börse einen beispiellosen Höhenflug hingelegt und seinen Wert um 146 Prozent gesteigert. Zeitweise schoss die Aktie sogar um mehr als 200 Prozent in die Höhe. Der Kurssprung reichte, um den schwächelnden Dax ins Plus zu ziehen. Der Leitindex wäre ansonsten bei minus neun Prozent gelandet.

Die Volkswagen-Aktie hat angesichts der Machtübernahme durch Porsche ihren Wert am Montag zeitweilig verdreifacht. Die Papiere von Europas größtem Autohersteller schossen in der letzten Handelsstunde in einem für einen Dax-Wert ungekannten Ausmaß zeitweilig mehr als 200 Prozent auf ein Rekordniveau von 635 Euro in die Höhe. Die Papiere schlossen mit einem Aufschlag von 146 Prozent bei 485 Euro. Porsche hatte am Wochenende weitere Details zur geplanten Mehrheitsübernahme bei dem Wolfsburger Konzern bekannt gegeben.

In der Spitze wurde der VW-Konzern an der Börse mit rund 190 Milliarden Euro bewertet. Das ist mehr als die Marktkapitalisierung der fünf schwersten Dax-Werte Eon, Deutsche Telekom, Siemens, SAP und Bayer zusammengerechnet. Die Kursexplosion bei Volkswagen bewahrte den Dax vor einem erneuten Kurssturz. Ohne diese Unterstützung hätte der Leitindex nicht 0,9 Prozent zugelegt, sondern neun Prozent im Minus geschlossen. Er beendete bei 4335 Punkten.

Porsche durchkreuzt Pläne von Spekulanten

Analysten führten die Kursgewinne bei VW auf Investoren zurück, die mit dem Leerverkauf geliehener Aktien auf sinkende Kurse gewettet hatten und sich nun, da Porsche die Karten auf den Tisch gelegt habe, zu jedem Preis mit VW-Aktien eindecken mussten. Wegen der geringen Zahl an verfügbaren Papieren sorgen die Käufe zur Auflösung der sogenannten Short-Positionen für starke Kursgewinne. "Das Zeitfenster für diejenigen, die short sind, engt sich weiter ein. Das kann den Kurs noch weiter hochdrücken", sagte ein Händler. Die Volkswagen-Titel waren bereits in den vergangenen Monaten wegen Spekulationsgeschäften heftigen Kursausschlägen ausgesetzt.

Porsche hatte am Sonntag angekündigt, den Anteil an VW im nächsten Jahr auf eine Dreiviertel-Mehrheit aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu haben. Bereits bis Ende 2008 will der Sportwagenbauer das Steuer in Wolfsburg mit über 50 Prozent der Stimmrechte übernehmen. Porsche hält seit Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der Stimmen an VW. Weitere 31,5 Prozent der Stammaktien kann Porsche mit einem deutlichen Abschlag zum aktuellen Börsenkurs erwerben, da der Kaufpreis für dieses bei institutionellen Investoren vermutete Paket über Optionen schon vor langer Zeit abgesichert wurde.

Das Land Niedersachsen hält als zweitgrößter Aktionär weitere 20,2 Prozent der Stimmrechte. Daher sind rechnerisch nur noch knapp sechs Prozent der Stimmrechte im Streubesitz. Angesichts dieses niedrigen Anteils könnte die VW-Stammaktie aus dem Dax fallen. Branchenexperten erwarten, dass sie dann durch die stimmrechtslose Vorzugsaktie ersetzt wird.

Mit einem Beherrschungsvertrag könnte Porsche auf die Barmittel von VW zugreifen und die große Entwicklungsabteilung der Wolfsburger nach seinem Gutdünken steuern. Die Aufstockung auf 75 Prozent sei an die Bedingung geknüpft, dass die wirtschaftlichen Bedingungen dafür stimmten, schränkten die Stuttgarter ein. Branchenexperten halten es für möglich, dass Porsche wegen der Finanzmarktkrise zunächst bei der einfachen Mehrheit bleiben wird. Auch wegen der im VW-Gesetz und der Unternehmenssatzung festgeschriebenen Sonderrechte Niedersachsens kann Porsche bei Volkswagen bis auf weiteres nicht frei schalten und walten. "75 Prozent an VW würden Porsche in der jetzigen Situation nichts bringen", sagte der Autoanalyst der NordLB, Frank Schwope.

Niedersachen pocht auf Sonderstellung

Niedersachsen Regierungschef Christian Wulff (CDU) bekräftigte am Montag, sein Land wolle die Sonderstellung bei VW behalten: "Wir haben das VW-Gesetz, wir haben die Satzung, die unabhängig vom VW-Gesetz ist, und die kann nur mit 80 Prozent geändert werden."

Die überraschende Bekanntgabe des Zeitplans bei VW hatte der gewöhnlich verschwiegene Sportwagenbauer Porsche am Wochenende mit "Irrationalitäten" in Markt begründet. Man wolle Finanzinstituten Gelegenheit geben, ihre Positionen "in Ruhe und ohne großes Risiko" aufzulösen, erklärte Porsche. Analyst Schwope meldete Zweifel an: "Ich glaube nicht an den Altruismus von Porsche."

"Porsche hat den Kurs durch seine Ankündigung angeheizt, um das Geld aus den Optionen zu kassieren", vermutet er. Bei der Auflösung der Kauf-Optionen erhält Porsche die Differenz zwischen dem aktuellen VW-Kurs und dem niedrigeren Absicherungskurs. Insofern stellt der derzeit hohe VW-Aktienkurs keinen Nachteil für Porsche dar. Auf mittlere Sicht kommt den Stuttgartern jedoch ein hoher Aktienkurs von VW ungelegen, da sie die erworbenen VW-Papiere zu den Kaufkursen in ihre Bücher nehmen müssen. Bei einem späteren Absacken des VW-Kurses könnten sich dadurch Bewertungsverluste einstellen.

Reuters Reuters

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