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Boni in der Krise: Merkel geht die Investmentbanker an

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in der Frage der Millionen-Boni an Bankmanager an die Front der Kritiker gestellt. Aufgeregt diskutiert das Land: Darf man in Krisenzeiten Bonusgelder ausschütten - und gleichzeitig den Staat um Hilfe anbetteln?

Von Axel Hildebrand

Es sind scharfe Töne, die aus dem Kanzleramt dringen. Doch Angela Merkel scheint zu ahnen, dass sie in dieser Frage klar Stellung beziehen muss. Im Namen der Steuerzahler, Arbeitslosen und Schwachen, die unter der Wirtschaftskrise besonders leiden. Und die alle irgendwann mal wählen sollen, im September bei der Bundestagswahl. Also los: "Es ist unverständlich, dass Banken, denen der Staat unter die Arme greift, in vielen Fällen gleichzeitig riesige Bonussummen auszahlen", sagte die Kanzlerin dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Dies werde auch ein Thema beim Weltfinanzgipfel der G20-Staaten Anfang April in London sein.

Ein Land debattiert über Gier und Geld. Merkel hat ein Thema aufgegriffen, über das in den Jobcentern und Werkshallen diskutiert wird. Es geht um die Frage, ob Finanzakrobaten - für viele die Verursacher der Finanzkrise - Bonuszahlungen bekommen dürfen. Besonders in der Kritik sind solche Geldhäuser, die sich ohne Steuergelder gar nicht mehr halten könnten. Dürfen von Steuergeldern Boni gezahlt werden?

"Zynismus mancher Führungskräfte"

Neben Merkel kritisieren auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Innenminister Wolfgang Schäuble das Verhalten der Bankmanager scharf. Steinmeier macht dies vor allem in seiner Funktion als Kanzlerkandidat der SPD. "Der Realitätsverlust und der Zynismus mancher Führungskräfte erschüttern mich immer wieder", sagte Steinmeier. "Führungskräfte sind Vorbilder im Guten wie im Schlechten." Schäuble mahnte, das Gemeinwohl lebe auch von der Mäßigung des Einzelnen. "Solche Exzesse sind Ausdruck einer verlorenen Bodenhaftung und gefährden den Grundkonsens dieser Gesellschaft."

Üblicherweise sind Unternehmen eigenständig und nur ihren Besitzern verpflichtet. Doch in der Krise, in der die Steuerzahler massiv mit Geldern in den Wirtschaftskreislauf eingreifen und unter den Folgen der Finanzspekulationen leiden, liegen die Dinge anders. Arbeitsminister Olaf Scholz meint diese schwierige Gemengelage, wenn er sagt: "Wo Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit verkürzen und auf Lohn verzichten, können nicht freigiebig Boni gezahlt werden."

Streit um Gelder, die vor der Krise versprochen worden waren

Entzündet hatte sich der Streit vor ein paar Tagen an 400 Millionen Euro Boni für die Banker von Dresdner Kleinwort, der Investmentbanking-Sparte der Dresdner Bank. Das Geld war ihnen im vergangenen Sommer von der damaligen Muttergesellschaft Allianz versprochen worden. Die Commerzbank hatte die Zahlungen nach der Übernahme der Bank infragegestellt. Sie hat insgesamt 18,2 Milliarden Euro an Staatshilfe bekommen, der Bund beteiligt sich mit gut 25 Prozent an ihr.

Eine Bonuszahlung ist ein Teil des Gehalts. Sie wird variabel gezahlt und kommt zum Grundgehalt dazu. Der Boni nimmt einen ganz unterschiedlichen Anteil am Gesamtgehalt ein. Bei Investmentbankern ist dieser Anteil besonders hoch.

Boni waren vertraglich zugesichert

Vielfach waren diese Bonuszahlungen jedoch vertraglich zugesichert - und das zu Zeiten, als von einer Finanz- und Wirtschaftskrise nichts zu spüren war. Es besteht somit ein Rechtsanspruch auf Zahlung - trotz einer schwachen Leistung des Geldhauses. "Da kommt man nicht raus", sagt Alexander von Preen, Partner der Unternehmensberatug Kienbaum Management Consultants zu stern.de.

Die Banken und Finanzinstitute denken zurzeit angestrengt darüber nach, wie sie ihre Angestellten in Zukunft bezahlen sollen. Das Risiko werde zukünftig stärker berücksichtig werden, prognostiziert Martin Emmerich, Leiter der Abteilung Financial Services bei der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin, gegenüber stern.de. Eine Möglichkeit: Der Bonus wird über mehrere Jahre verrechnet. Produziert eine Abteilung nach einem Gewinn im Vorjahr einen Verlust im folgenden Jahr, kann der Bonus das Ergebnis beider Jahre abbilden. Das erhoffte Ziel: Die Investmentbanker sind dann nicht auf kurzfristige Erfolge aus, sondern denken mittelfristig.

mit AP und Reuters