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BP versucht den personellen Neuanfang: Goldener Händedruck für Tony Hayward

Tony Hayward. In Amerika gilt der BP-Konzernchef als Sinnbild eines Managers, für den Gewinne über alles gehen. Jahrelang waren die Aktionäre des britischen Konzerns damit ganz zufrieden. Doch nun schadet er dem lange gepflegten Saubermann-Image des Konzerns. Darum muss Hayward gehen, doch der Abschied wird ihm versüßt: mit einem millionenschweren Händedruck.

Im BP-Imperium knirschten am Montag die tektonischen Platten. Hinter den Kulissen wurde der Abgang des in Amerika verhassten Konzernchefs Tony Hayward ausgehandelt. Schon am Dienstag soll die Ära des Wiederaufstiegs beginnen - die neue Konzernspitze veröffentlicht dann die Halbjahresbilanz.

Es ist einer der entscheidenden Momente der Firmengeschichte. Die BP-Chefs müssen am Dienstag zeigen, dass das Unternehmen die Ölkatastrophe durchstehen kann. "Wenn ihnen das nicht gelingt, werden Zweifel am Überleben der Gruppe als unabhängigem Unternehmen aufkommen", meint die "Financial Times". ExxonMobil könnte dann womöglich mit einem feindlichen Übernahmeversuch aus der Deckung kommen.

Auf eine Pressekonferenz will der Konzern am Dienstag verzichten und stattdessen nur eine Mitteilung verbreiten. Ein Zeichen der Schwäche? Dem Quartalsgewinn vor Sonderposten - nach Zeitungsberichten um die 5 Milliarden Dollar - stehen Schadensersatzzahlungen und andere Kosten von weit über 20 Milliarden Dollar gegenüber. Analysten-Schätzungen reichen bis hin zu 70 Milliarden Dollar auf lange Sicht.

Und selbst das ist noch nicht das Schlimmste. Die große Frage ist, ob die Marke BP auf dem amerikanischen Markt noch eine Zukunft hat. Das Ölleck im Golf von Mexiko ist zwar gestopft, aber damit ist die Kritik an BP nicht verebbt. So will die US-Regierung herausfinden, ob BP bei der vorzeitigen Freilassung des libyschen Lockerbie-Bombers seine Hände im Spiel hatte. Kurz nachdem die britischen Behörden den Terroristen hatten ziehen lassen, unterzeichnete Hayward unter den wohlwollenden Blicken des damaligen Premierministers Tony Blair einen lukrativen Ölförderungsvertrag mit Libyen.

Der erwartete Rücktritt von Hayward - für die "New York Daily News" der "meistgehasste Mann Amerikas" - ist nach vorherrschender Einschätzung unumgänglich für einen Neuanfang. Dem 53-jährigen Briten wird die "titanische Inkompetenz" ("The Guardian") der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zur Last gelegt. Der ehemalige BP-Manager Richard Pike sagte am Montag im BBC-Fernsehen: "Hier geht es nur um eine Sache - Reputation. Die Geschichte zeigt, dass Aktionäre sehr grundsätzliche Fragen stellen, sobald ein Unternehmen seine Reputation in einer solchen Weise einbüßt."

Allerdings brachten auch die Berichte über den bevorstehenden Rückzug von Hayward am Montag keine positiven Schlagzeilen für BP. Die britischen Zeitungen prangerten vielmehr den goldenen Händedruck von umgerechnet wohl über zehn Millionen Euro an, den er ausgehandelt haben soll.

Hayward steht aber auch für eine Unternehmenskultur, die bis zur Explosion der Bohrinsel im Golf von Mexiko großen Anklang bei den Aktionären gefunden hatte. Es gefiel ihnen sehr, dass Hayward so ganz anders war als sein flamboyanter Vorgänger Lord Browne, der den Konzern ganze zwölf Jahre lang gesteuert hatte (1995-2007). Browne verordnete BP nicht nur das grüne Logo, sondern investierte auch große Summen in die Erforschung und Förderung alternativer Energien. Er wollte weg vom Image des profitgierigen Ölgiganten.

Als Hayward kam, gab er die Parole "jeder Dollar zählt" aus und merkte kritisch an, bei BP seien "zu viele Leute damit beschäftigt, die Welt zu retten". Das kam gut an bei den Anteilseignern. Aber nun glauben Kritiker, dass der Sparkurs mitverantwortlich für die Ölkatastrophe gewesen sein könnte. Ob Haywards voraussichtlicher Nachfolger Bob Dudley von dieser Linie wieder abrücken wird, ist eine der wesentlichen Fragen der kommenden Monate.

Ein großes Problem für BP ist, dass die besten jungen Ingenieure und Wissenschaftler künftig zur Konkurrenz gehen könnten. Viele werden sich vermutlich denken, dass BP angesichts seiner Sparzwänge weniger gut zahlen wird als ExxonMobil oder Shell. Dazu kommt, dass es auf absehbare Zeit sicher nicht so angenehm ist, auf die Frage "Und wo arbeitest du?" mit "äh, BP" antworten zu müssen.

So hängt letztlich alles davon ab, ob der Konzern seine Reputation wieder herstellen kann. Der nächste Chef muss vor allem ein guter Kommunikator sein.

Christoph Driessen, DPA / DPA