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Ölpest im Golf von Mexiko: BP treibt Geld für Hilfsfonds auf

Bei BP geht's ans Eingemachte. Um die Kosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu decken, hat der Konzern einige Geschäftsfelder verkauft. Die Milliarden sollen in einen Hilfsfonds fließen. BP-Chef Tony Hayward steht angeblich vor dem Rücktritt.

Der BP-Konzern verkauft einige Geschäftsfelder an ein US-Unternehmen, um die hohen Kosten durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko decken zu können. Das US-Ölunternehmen Apache zahle 7 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) für Anlagen und Geschäftsteile in den USA, Kanada und Ägypten, teilte BP mit. Der Erlös solle in einen 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds für die Opfer der Ölpest fließen.

Der Konzern hatte bereits angekündigt, innerhalb von zwölf Monaten Anteile im Wert von bis zu 10 Milliarden Dollar zu verkaufen. Das Geschäft mit Apache umfasst demnach Öl- und Gas-Anlagen in den US-Staaten Texas und New Mexico im Wert von 3,1 Milliarden Dollar, das westkanadische Gasgeschäft im Wert von 3,25 Milliarden Dollar und Geschäftsteile in Ägypten zur Öl-Erkundung und -Förderung für 650 Millionen Dollar.

Hayward angeblich vor Absprung

Auch personell könnte die Ölpest gravierende Folgen für den britischen Ölmulti haben. So bereitet der wegen seines schlechten Krisenmanagements in die Kritik geratene Konzernchef Tony Hayward laut "The Times" seinen Rücktritt vor. Wie die Londoner Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, will Hayward bis zum 1. Oktober von seinem Posten als Generaldirektor zurücktreten.

Als Nachfolger werde Robert Dudley gehandelt, der bereits das Krisenmanagement der Ölkatastrophe übernommen hat. Ein BP-Sprecher sagte hingegen auf Nachfrage, Hayward werde "auf seinem Posten bleiben" und genieße "die Unterstützung des Verwaltungsrates".

Laut "Times" will Hayward mit dem Schritt in jedem Fall warten, bis das Bohrloch definitiv versiegelt sei. Dem Blatt zufolge könnte der Rücktritt mit der Verkündung einer neuen Unternehmensstrategie einhergehen. Die Strategie namens "Future BP" soll dem Konzern demnach bei der Aufbesserung seines Images helfen und ihn vor einer feindlichen Übernahme eines Rivalen schützen.

Kleineres Leck abseits der Unglücksquelle

Seit gut drei Monaten verseucht das Öl aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko nun schon das Meer und die Küsten. Fischer sind arbeitslos geworden, die Touristen bleiben aus, die ganze Wirtschaft in der Region leidet schwer. Erst vor wenigen Tagen hatte BP das Loch mit einer provisorischen Kappe abdichten können. Es fehlt jedoch weiterhin eine dauerhafte Lösung - und immer noch fließen kleinere Öl-Mengen ins Meer.

So gibt es ein kleineres Leck in der Nähe des kürzlich abgedichteten Bohrlochs. Nach Angaben der US-Regierung hat dies nichts mit der Katastrophen-Quelle zu tun. Der Krisenmanager der Regierung, Thad Allen, sagte am Dienstag (Ortszeit), in einem Radius von gut drei Kilometern befänden sich noch zwei weitere Ölquellen am Meeresboden. Die eine ist aufgegeben, die andere derzeit außer Betrieb. Allen zufolge sind fünf weitere Lecks in näherer Umgebung der Verschlusskappe sehr klein und ebenfalls kein Anzeichen dafür, dass die Unglücksquelle undicht ist. Allen ordnete aber an, dass BP die Kappe einen weiteren Tag lang testen muss.

Dass das auslaufende Öl aus einer anderen Quelle stammt, dürfte am Golf für Erleichterung sorgen. Die Nachricht macht aber auf ein anderes Problem aufmerksam: Die rund 27.000 aufgelassenen Quellen im Golf werden bisher nicht auf Lecks überprüft.

100.000 Jobs in Gefahr

Experten haben unterdessen auf die möglichen wirtschaftlichen Folgen der Ölpest hingewiesen. Demnach könnte die Umweltkatastrophe in den kommenden Monaten 100.000 Jobs in den betroffenen US-Bundesstaaten kosten. Die Ratingagentur Moody's sagte voraus, dass nach aktuellem Stand bis zum Jahresende 17.000 Arbeitsplätze an der Golfküste wegfallen dürften. Im schlimmsten Fall - wenn die Ausbreitung der Ölpest anders als erhofft bis zum Jahresende nicht gestoppt würde und die US-Regierung das Moratorium für Ölbohrungen durchsetze - könnten es sogar über 100.000 Arbeitsplätze sein.

Am stärksten sei bislang die Fischindustrie und die Landwirtschaft durch die Ölpest nach der Explosion der BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" getroffen, teilte Moody's mit. Dies gelte insbesondere für Louisiana. Laut US-Arbeitsministerium stieg die Arbeitslosenquote dort im vergangenen Monat um 0,2 Prozentpunkte auf sieben Prozent. Damit ist Louisiana einer von nur fünf US-Bundesstaaten mit wachsenden Arbeitslosenzahlen.

dho/APN/DPA/AFP / DPA