Empörung über arrogantes Verhalten BP-Chef Hayward geht segeln


Er wollte sein altes Leben zurück, nun hat er es. BP-Chef Tony Hayward genießt eine Regatta mit seiner Yacht – während der Golf von Mexiko weiter voller Öl läuft. Unterdessen könnten die Kosten für den Konzern weit höher ausfallen, als geplant.

Er gilt als Buhmann des Ölpest-Dramas im Golf von Mexiko - und von diesem Image scheint BP-Chef Tony Haywards auch nicht mehr so schnell wegzukommen. Gerade erst ist er von seinen Pflichten als Krisenmanager entbunden worden, denn, so sagte er oft, er wolle sein altes Leben zurück. Nun hat er es zurück - und, statt sich ein wenig aus der Schusslinie zu bringen, sorgt er sofort mit einem erneuten taktlosen Auftritt für die nächste Negativschlagzeile.

Denn: Während das Öl weiter ins Meer sprudelt, nahm Hayward an einer Yacht-Regatta in seiner englischen Heimat teil - und sorgte damit für große Empörung. Er wurde am Samstag, keine 24 Stunden nachdem er den Hut als Krisenmanager hingeworfen hatte, von Fotografen auf seinem luxuriösen Segelschiff "Bob" bei der Regatta vor der Isle of Wight im Ärmelkanal abgelichtet.

Obama entspannt bei einer Runde Golf

Das Weiße Haus in Washington kritisierte Haywards Verhalten scharf. "Das ist Teil einer langen Liste von Ausrutschern und PR-Fehlern", sagte der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Rahm Emanuel. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Denn auch für US-Präsident Barack Obama entwickelt sich die Ölpest immer mehr zum PR-Desaster. Küstenbewohner von Louisiana bis Florida reagierten empört darauf, dass Obama und Vizepräsident Joe Biden sich am Samstag in Washington bei einer Runde Golf entspannten. In Twitter-Diskussionen wurde ihr Verhalten mit dem von Hayward verglichen.

Die sich ausbreitende Empörung über das Verhalten der Oberen spiegelte sich auch in Umfragen wider: Mehr als die Hälfte - 52 Prozent - der in einer Umfrage von AP-GfK befragten US-Bürger bezeichneten Obamas Krisenmanagement als unzureichend. Ein Fischer in Grand Isle in Louisiana, Dwayne Price, reagierte sarkastisch: "Es sieht so aus, als ob sich unsere Regierung und die Chefs von BP später drum kümmerten."

"Es ist der Gipfel der Arroganz"

Die BP-Presseabteilung versuchte unterdessen, für Verständnis für Haywards Ausflug zur Jacht-Regatta zu werben: Sprecher Robert Wine wies darauf hin, dass es Haywards erste Pause seit der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April sei, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen.

Doch das Unverständnis darüber bleibt: Der Senator aus Alabama Richard Shelby, dessen Bundesstaat mit den Folgen der Ölpest zu kämpfen hat, nannte Haywards Teilnahme an der Regatta im TV-Sender Fox News "den Gipfel der Arroganz". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace prangerte das "verletztende" Verhalten des BP-Chefs an. "Das streut Salz in die Wunden", sagte Sprecher Charlie Kronick.

Hayward war in einer Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall im Golf von Mexiko eingestanden. Am folgenden Tag wurde er vom Krisenmanagement der Ölpest abgezogen. Die Aufgabe soll nun BP-Manager Robert Dudley übernehmen.

Kosten könnten auf 100 Milliarden Dollar explodieren

Unterdessen wappnet sich BP gegen die hohen Kosten der Beseitigung der Ölpest. Der Konzern will laut "Sunday Times" 50 Milliarden US-Dollar (40 Mrd Euro) eintreiben. Direktoren des Konzerns hätten dem Plan zugestimmt, um ausreichend Barreserven für mögliche Schadensforderungen zur Verfügung zu haben.

Die Summe setzt sich dem Bericht zufolge aus drei Posten zusammen. Ein Verkauf von Anleihen soll 10 Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Der finanziell angeschlagene Konzern will außerdem Darlehen in Höhe von 20 Milliarden Dollar aufnehmen. Durch den Verkauf von Vermögenswerten in den kommenden zwei Jahren sollen weitere 20 Milliarden Dollar eingenommen werden.

BP hatte bereits der Zahlung von 20 Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds für die Opfer der Ölpest zugestimmt. Analysten warnten jedoch davor, dass die Kosten der Umweltkatastrophe am Ende auf bis zu 100 Milliarden Dollar anschwellen könnten.

zen/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker