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BP-Chef Tony Hayward vor Abgang: 14 Millionen Euro und sein Leben zurück

Auf dem Höhepunkt der Ölpest-Krise wollte Tony Hayward "mein Leben zurück". Nun bekommt er es wohl - und einen zweistelligen Millionenbetrag obendrauf. Das melden zumindest britische Medien über den bevorstehenden Abgang des BP-Chefs.

Nach vermurkstem Krisenmanagement und verbalen Ausrutschern steht der umstrittene BP-Chef Tony Hayward offenbar kurz vor seiner Ablösung. Kreisen zufolge soll der 53-Jährige aber im Konzern bleiben: Er werde ab Oktober einen Posten bei TNK-BP erhalten, einem Joint Venture in Russland, hieß es am Montag. Hayward, der auf dem Höhepunkt der Krise erklärt hatte, er wolle "sein Leben zurück", wird der Wechsel britischen Medienberichten zufolge mit 14 Millionen Euro versüßt.

Der Vorstand des britischen Ölkonzerns traf sich am Montag in London, um über die Personalie zu beraten. Hayward selbst stieg nach der Sitzung in einen silbernen Lexus und brauste davon, ohne mit der wartenden Presse zu sprechen. Die BP-Aktie schnellte am Montagmittag in New York in Erwartung einer Ankündigung fast fünf Prozent nach oben. In London schloss sie um 4,6 Prozent höher bei 416,95 Pence.

Dienstag schlägt die Stunde der Wahrheit

Vor Markteröffnung in London erklärte der Konzern in einer Börsenmitteilung, noch keine endgültige Entscheidung zum Wechsel an der Führungsspitze getroffen zu haben. Auch stünden die Belastungen durch die Ölpest noch nicht fest.

Am Dienstag veröffentlicht BP die Bilanz für das zweite Quartal. Es ist einer der entscheidenden Momente der Firmengeschichte. Die BP-Chefs müssen am Dienstag zeigen, dass das Unternehmen die Ölkatastrophe durchstehen kann. "Wenn ihnen das nicht gelingt, werden Zweifel am Überleben der Gruppe als unabhängigem Unternehmen aufkommen", meint die "Financial Times". ExxonMobil könnte dann womöglich mit einem feindlichen Übernahmeversuch aus der Deckung kommen.

Es wird allgemein erwartet, dass der Schadenersatz bereits in die Halbjahresbilanz einfließen wird. Analysten rechnen mit vorläufigen Rückstellungen bis zu 30 Milliarden Dollar (rund 23 Milliarden Euro). Vergangene Woche hatte das Unternehmen die bislang aufgelaufenen Kosten mit annähernd vier Milliarden Dollar beziffert, aber eingeräumt, dass eine Gesamtsumme noch nicht abzusehen sei.

Saftige Abfindung

Die "Financial Times" berichtet, der Konzernchef werde im Amt bleiben, so lange an einer dauerhaften Abdichtung des Öllecks mittels Entlastungsbohrungen gearbeitet wird. Am Wochenende soll bereits über die Bedingungen des Abgangs verhandelt worden sein. Laut einem Bericht der "Times" geht Hayward mit Abfindungen und Pensionszahlungen in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Pfund (14 Millionen Euro). Ein BP-Sprecher hatte noch am Sonntag erklärt, der Konzernchef genieße weiterhin das Vertrauen des Aufsichtsrats.

Dass BP Hayward, der wegen seines miserablen Krisenmanagements und diverser unglücklicher Aussagen heftig kritisiert wurde und für die Öffentlichkeit zum Gesicht der Ölpest geworden ist, loswerden muss, gilt unter Experten als ausgemacht.

joe/APN/DPA / DPA