Brandenburger Bierstreit "Schwarzer Abt" besiegt deutsches Reinheitsgebot


Das Bundesverwaltungsgericht hat den seit mehr als zehn Jahren schwelenden Brandenburger Bierstreit beendet. Mit dem Urteil endet jedoch auch der größte Stolz der deutschen Bierbrauer.

Bier ist für die Deutschen eine ernste Sache, vor allem eine Sache mit Tradition. Seit rund 500 Jahren besteht Bier aus Deutschland aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Und sonst nicht. Bis heute. Der dritte Senat des in Leipzig ansässigen Gerichts kippte am Donnerstag das deutsche Reinheitsgebot von 1516.

Der Brauer Helmut Fritsche dürfe sein Produkt "Schwarzer Abt" unter der Bezeichnung Bier herstellen und verkaufen, urteilten die Richter. Eine dementsprechende Genehmigung sei zu erteilen, hieß es. Sie änderten damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt/Oder ab. Fritsche versüßt seinen untergäriges Bier "Schwarze Abt" mit einer Prise Zuckersirup nach der Filterung. Bisher ein klarer Verstoß gegen das Reinheitsgebot. Bier durfte sich der Abt nie nennen.

Das Frankfurter Verwaltungsgericht hatte mit Hinweis auf dieses Vorgehen die Zulassung des Getränks als besonderes Bier abgelehnt. Eine Genehmigung dazu komme nur in Betracht, wenn dem Getränk beispielsweise Gewürze zugesetzt würden. Zucker sei jedoch ein typischer Malzersatzstoff, dessen Verwendung untersagt sei, wolle man ein Getränk als Bier anbieten.

Die Bundesrichter änderten das Urteil der Frankfurter Richter ab und gaben der Klage des Brauers statt. Das deutsche Reinheitsgebot, so die Richter, diene nicht dem Gesundheitsschutz der Verbraucher, sondern vielmehr der Traditionspflege und einem bestimmten Produktionsniveau. Über Ausnahmen müsse großzügig entschieden werden. Da der "Schwarze Abt" ohne Ersatzstoffe gebraut werde, müsse dem Brauer eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Mit dem Zusatz von Zucker aus Geschmacksgründen sei das Getränk als so genanntes "besonderes Bier" im Sinne des Gesetzes anzusehen.

Aktenzeichen: Bundesverwaltungsgericht 3 C 5.04

AP AP

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