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Interview

Budni-Chef: Kann Budni gegen dm und Rossmann bestehen, Herr Wöhlke?

Die Hamburger Drogeriekette Budnikowsky eröffnet gemeinsam mit Edeka nun auch bundesweit Drogeriemärkte. Budni-Chef Christoph Wöhlke erklärt im stern-Interview allen Nicht-Hamburgern, wofür sein 106 Jahre altes Familienunternehmen steht.

Budni-Chef Christoph Wöhlke

Christoph Wöhlke, 40, leitet Budni gemeinsam mit seinem Vater Cord Wöhlke und seiner Schwester Julia Wöhlke

In Hamburg kennt Budni jedes Kind. Kein Wunder, schließlich ist die Drogeriekette, die eigentlich Budnikowsky heißt, schon eine Weile in der Stadt. Vor 106 Jahren machte Iwan Budnikowsky den ersten Laden auf, heute gibt es im Großraum Hamburg 185 Filialen. Der Umsatz liegt bei mehr als 400 Millionen Euro. Im Vergleich zu den nationalen Größen dm und Rossmann ist Budni aber nur ein kleiner regionaler Player, der in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stark unter Druck geriet.

Daher tritt Budni nun die Flucht nach vorne an. Die Hamburger verbündeten sich mit Edeka und gründeten ein gemeinsames Tochterunternehmen, das nicht nur Größen- und Kostenvorteile bei Einkauf und Logistik bringt, sondern auch eine bundesweite Expansion vorbereitet. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Budni-Märkte außerhalb Hamburgs eröffnet werden - voraussichtlich in Berlin. Mittelfristig ist laut Edeka geplant, 50 neue Budni-Märkte pro Jahr zu eröffnen.

Budni tritt gegen dm und Rossmann an

Was können die Kunden von der Marke Budni erwarten? Ein Gespräch mit Budni-Geschäftsführer Christoph Wöhlke, der das Familienunternehmen gemeinsam mit Vater Cord und Schwester Julia in vierter Generation führt.

Herr Wöhlke, das ganze Land ist zugepflastert mit Drogeriemärkten von dm und Rossmann, in Süddeutschland ist Müller stark verbreitet. Warum braucht es jetzt auch noch bundesweit Budni-Märkte?

Was es braucht, werden die Kunden entscheiden. Aber ich denke, dass ein gesunder Markt immer von einer guten Anzahl von Wettbewerbern profitiert. Und wir als kleines Unternehmen, das sich schon länger gegen die Großen behauptet, machen sicher einige Dinge anders.

Wie wollen Sie gegen dm und Rossmann bestehen? dm steht für Dauertiefpreise, Rossmann für günstige Sonderangebote - wofür steht Budni?

Natürlich kann man heutzutage nirgendwo mehr einen Laden aufmachen und die Leute sagen: Super, jetzt kann ich endlich ein Deo kaufen. Was uns von den anderen unterscheidet, ist zunächst mal eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte. Daraus folgt ein sehr klares Wertegerüst. Wir verstehen uns nicht nur als Unternehmen, sondern als Teil der Gesellschaft.

Was heißt das konkret? Viele Unternehmen stellen sich nach außen hin gerne als besonders verantwortlich dar, obwohl es ihnen eigentlich um Profitmaximierung geht.

Wir sind mit unseren Läden sehr stark in der Nachbarschaft verwurzelt. Wir sagen nicht: Wenn der Stadtteil zugrunde geht, gehen wir halt in den nächsten. Wir engagieren uns in lokalen Initiativen, bei Straßenfesten, wollen lebendiger Teil des Gemeinwesens sein. Jede Filiale übernimmt die Patenschaft für ein Sozialprojekt in ihrer Nachbarschaft. Letztlich bauen wir nicht auf die Bindung der Kunden an eine Marke, wie man das bei einem Turnschuh macht, sondern an die Bindung zur Filiale vor Ort.

Widerspricht dieser lokale Gedanke nicht der Idee, jetzt auch bundesweit aktiv zu werden?

Nein, den Gedanken kann man schon transportieren. Wir haben 185 Filialen in Hamburg und die sind auch sehr unterschiedlich. Eine Filiale in Wilhelmsburg funktioniert ganz anders als eine in Blankenese. Wir haben Filialen, die machen die Hälfte des Umsatzes mit Lebensmitteln, andere nur drei Prozent. In manchen Filialen verkaufen wir viel Naturkosmetik, in anderen gar keine.

Also alles etwas individueller als die durchoptimierten Discounter von dm und Rossmann?

Ja, wir fühlen uns als Zusammenschluss von Einzelläden, nicht als Kette. Deshalb passt auch die Kooperation mit der Edeka, wo der Einzelunternehmer vor Ort das Geschäft sehr stark prägt. Ich glaube nicht, dass das Topmanagement in der Zentrale dem Filialleiter sagen muss, wie er seinen Job machen soll, sondern eher umgekehrt.

Aber wie unterscheidet sich das Produktangebot von den anderen Drogerien?

Wir bieten das größte Sortiment im Wettbewerb an. Dazu kommt, dass wir sehr viele Lebensmittel verkaufen. Wir sind zum Beispiel der größte Bio-Händler Hamburgs. Auch vegane Produkte sind bei uns ein großes Thema.

Wie viele Produkte gibt es denn? Und wie stark unterscheidet sich das Sortiment von Laden zu Laden?

Das Sortiment wird für jede Filiale separat zusammengestellt. Im Schnitt haben wir in einer Filiale 11.000 Produkte aus einem Gesamtsortiment von 25.000 Produkten. Die Varianz ist da sehr hoch. Wir wollen Vielfalt im Regal und nicht nur Einerlei.

Dafür ist es bei Budni etwas teurer?

Wir sind sicher kein Preisführer. Aber man wird immer einen guten Mix aus Preis und Leistung bei uns finden. So geben wir auch mitunter kleineren Marken und Startups eine Chance, hatten zum Beispiel mit als erste Bionade und Fritz-Kola im Sortiment – und damit ein spannendes Angebot für unsere Kunden. Daneben spielt auch Beratung eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund setzen wir – anders als die Mitbewerber – auf deutlich mehr Mitarbeiter im Laden. Damit die Kunden immer einen Ansprechpartner finden.

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Werden die Mitarbeiter auch besser bezahlt als bei der Konkurrenz?

Nein, ich glaube, da geben sich alle in der Branche nicht viel. Aber wir setzen Zeitarbeit nur im Ausnahmefall ein, wenn wir gar nicht anders können, zum Beispiel bei Krankheit. Und wir schätzen auch ältere Mitarbeiter, setzen sie nach ihren Fähigkeiten ein, anders als manche andere Unternehmen das machen, die ab einem bestimmten Alter keine Verwendung mehr für die Mitarbeiter haben.

Gibt es bei Budni ein Bestseller-Produkt?

Ja, den gelben Schwamm (lacht).

Und welche Produkte werden am häufigsten geklaut?

Das sind zum einen Produkte, die einen hohen Wiederverkaufswert auf Ebay und Flohmärkten haben - Kosmetik, Rasierklingen, elektrische Zahnbürsten bis hin zum 5-Euro-Shampoo. Dazu kommt die Gruppe der peinlichen Produkte: Kondome, Schwangerschaftstests, Vibratoren.

dm hat mit Balea die wahrscheinlich beliebteste Eigenmarke der Branche. Wie wichtig ist für Budni das Geschäft mit Eigenmarken?

Eigenmarken werden für den Handel insgesamt immer wichtiger. Das ist auch eine der Herausforderungen, die wir alleine nicht mehr bewältigen konnten. Derzeit haben wir etwa 1000 Eigenmarkenprodukte und damit deutlich weniger als zum Beispiel dm. Noch, denn hier werden wir zusammen mit der Edeka aktiv.

Sie setzen auf Bio, vegane Produkte und soziale Verantwortung. Wie sieht es bei Budni mit dem Thema Müllvermeidung und Verzicht auf Mikroplastik aus?

Wir sind überzeugt, dass das wichtig und richtig ist, aber wir können den Kunden nicht bevormunden. Wir haben zum Beispiel in einigen Filialen Abfüllstationen eingerichtet, an denen man verpackungsfrei einkaufen kann. Die werden leider kaum genutzt.

Warum gehen Sie nicht voran und verzichten auf Produkte, in denen schädliches Mikroplastik enthalten ist?

Wir haben eine kleine Gruppe von sehr aufgeklärten Kunden, denen bieten wir auch mikroplastikfreie Alternativen. Aber die meisten Menschen haben sich noch nicht mit der Thematik auseinander gesetzt und kaufen was geboten wird. Bei uns oder eben der Konkurrenz. Daher gibt es nur eine Lösung: den gesetzlichen Weg. Das Verbieten von Mikroplastik. Lieber heute als morgen.

Abschließende Frage: Sie teilen sich die Geschäftsführung mit Ihrem Vater und Ihrer Schwester. Hat man da je Feierabend oder diskutiert man ständig im Familienkreis weiter?

Das ist schon herausfordernd, weil es ja auch Familienmitglieder gibt, die mit dem Unternehmen gar nichts zu tun haben. Daher haben wir die Regel: Wenn man sich privat trifft, trifft man sich privat. Und führt nicht die Diskussionen aus der Firma am Wochenende bei der Familienfeier weiter. 

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