HOME

Bund, Land, Sparkassen: Wer blecht für die WestLB?

Rettung in letzter Sekunde oder doch die Zerschlagung? Die Existenz der WestLB steht auf dem Spiel. Krisensitzungen zwischen Bund, Land und den NRW-Sparkassen sollen das drohende Aus noch abwenden.

Die Rettung der schwer angeschlagenen WestLB droht in letzter Sekunde zu scheitern: Einen Tag vor Ablauf des Brüsseler Ultimatums zum Umbau der Bank ist völlig unklar, wer die Milliardenkosten dafür tragen soll. Der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die NRW-Sparkassen streiten darum, wer welchen Beitrag leistet. Sollten die Gespräche platzen, schlittert die WestLB auf ihre Abwicklung zu. Erstmals würde in der Finanzmarktkrise eine große deutsche Bank verschwinden.

In Krisengesprächen ringen der Bund und die WestLB-Eigentümer bis zur letzten Minute um eine Einigung. An diesem Dienstag muss in Brüssel ein neuer Sanierungsplan mit einem tragfähigen Geschäftsmodell vorgelegt werden. In die Verhandlungen hat sich auch die Bankenaufsicht eingeschaltet.

Bei einem Krisentreffen in Berlin am Sonntagabend wurde kein Durchbruch erzielt. Im Gegenteil, laut Verhandlungsteilnehmern befinden sich die Gespräche in der Sackgasse. Auch am Montag wurde mit Hochdruck nach einer Lösung gesucht.

Nach den Vorstellungen der NRW-Sparkassen soll die WestLB auf etwa ein Viertel ihrer bisherigen Größe verkleinert werden. Übrig bleiben soll eine reine Sparkassen-Zentralbank mit Mittelstandsgeschäft. Das Bieterverfahren für die komplette WestLB könnte dann auf große Teile der Landesbank wie das Auslandsgeschäft und die Projektfinanzierungen gelenkt werden. Am Start sind dem Vernehmen noch drei Finanzinvestoren. Sie haben unverbindliche Angebote für die komplette Bank abgegeben.

Allerdings ist dieser Notfallplan mit Milliardenkosten verbunden. In den Gesprächen mit dem Bund gilt insbesondere die Absicherung weiterer WestLB-Papiere als Streitpunkt. Für nicht verkäufliche Reste der Landesbank kommt die Abwicklungsanstalt infrage. Sollte diese sogenannte Bad Bank nun mit weiteren Papieren gefüllt werden, wäre eine zusätzliche Absicherung beispielsweise durch weitere Garantien erforderlich. In der Bad Bank werden sogenannte Schrottpapiere gelagert, deren einstiger Milliardenwert auf eine heute unbekannte Summe zusammengeschmolzen ist.

Die Verhandlungen zur Rettung der WestLB werden an diesem Dienstag fortgesetzt, hieß es übereinstimmend. Die WestLB muss nach den EU-Auflagen ohnehin schon um die Hälfte verkleinert werden. Außerdem muss sie bis Ende des laufenden Jahres mehrheitlich in neue Hände kommen. Jetzt soll auf jeden Fall ein Papier des Bankvorstandes vorgelegt werden, das eine weitere Verkleinerung der WestLB um 30 Prozent vorsehe, hieß es in Kreisen der Eigentümer. Außerdem werde über den laufenden Verkaufsprozess informiert.

DPA/Reuters / DPA / Reuters