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Bundeskartellamt: Gaskunden blockieren Homepage

Das Bundeskartellamt hat einen bundesweiten Vergleich der Gaspreise auf seine Internetseite gestellt. Während Gasversorger die Tabelle kritisieren, waren die Verbraucher begeistert - für das Kartellamt schon zu begeistert.

Von Max Borowski

Um zehn Uhr hatten die Mitarbeiter die Tabelle auf die Internetseite gestellt. "Dann haben wir unsere Presseerklärung rausgegeben", berichtete Christine Maahs, die beim Bundeskartellamt für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Zwei Stunden später ging gar nichts mehr". Die Internetseite war überlastet, und auch die Telefone in der Bonner Zentrale des Kartellamts standen seitdem nicht mehr still.

Ansturm läßt Seite zusammenbrechen

Grund für den Ausnahmezustand beim Amt ist ein Preisvergleich von mehr als 700 deutschen Gasanbietern, den die Wettbewerbshüter auf ihrer Internetseite veröffentlichten. Der große Ansturm der Verbraucher ließ die Seite zusammenbrechen. "Zur Zeit kommt niemand auf unsere Homepage", sagte Maahs.

Der Vergleich legte Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Gasversorgern bis zu 59 Prozent offen. Das Fazit von Kartellamtspräsident Ulf Böge ist eindeutig: "Im Gasbereich kommt der Wettbewerb trotz der Liberalisierung nur schleppend in Gang." Die hohen Preise unterstrichen die Bedeutung der Preiskontrollen durch die Wettbewerbsbehörden, sagte Böge.

Verbraucheransturm überrascht Kartellamt

Mit einem solchen Ansturm auf die Ergebnisse des Preisvergleichs hatten die Mitarbeiter des Kartellamts nicht gerechnet - zumal sie für die privaten Verbraucher kaum direkten Nutzen haben. Es handele sich um eine Stichtagserhebung der Gaspreise, die das Bundeskartellamt gemeinsam mit den zuständigen Landesbehörden am 15. November vergenommen habe, erklärte Maahs: "Wir wollten uns vor allem selbst einen Überblick verschaffen." Es handle sich nicht um eine Suchmaschine, mit der jeder den für ihn günstigsten Gastarif finden könne. "Das müssen die Verbraucher schon selber machen."

Entsprechende Tarifrechner, die die Gaspreise je nach Wohnort und individuellem Verbrauch vergleichen, gibt es bereits seit längerer Zeit im Internet. In Ihrer Untersuchung listen die Wettbewerbshüter die Preise von 739 Anbietern für Privatkunden jeweils für Abnahmemengen von 7000, 20.000, 35.000 und 60.000 Kilowattstunden pro Jahr auf. Die meisten Gasversorger bieten ihre Tarife jedoch nur lokal an.

Preisunterschiede sind enorm

Die größten Preisunterschiede gibt es bei einem geringen Verbrauch von 7000 Kilowattstunden, was etwa dem Bedarf einer Gastherme entspricht. Günstigster Anbieter sind die Stadtwerke Soltau mit 381 Euro. Die Gasversorgung Blaubeuren nimmt für die gleiche Menge 605,86 Euro. Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden reicht die Spanne von 972 Euro bei den Städtischen Werken Magdeburg bis 1392,80 Euro bei der bayerischen Inngas.

Auch wenn kein Verbraucher etwa aus Bayern zu den Stadtwerken in Magdeburg wechseln könne, "gibt der Vergleich doch ein Gefühl, wo der eigene Anbieter steht", sagte Maahs. Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft reagierte verwundert auf die Vergleichsliste. Seit dem Stichtag 15. November habe es zum 1. Dezember und zum 1. Januar 2007 Gaspreisänderungen gegeben, sagte ein Sprecher. Diese seien in der Tabelle nicht berücksichtigt.

FTD
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