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Burnout vorbeugen Bei VW haben Blackberrys Feierabend


Endlich ist der Arbeitstag geschafft, jetzt kann Weihnachten kommen. Aber halt - da blinkt noch etwas?! Volkswagen sorgt ab sofort dafür, dass Mitarbeiter mit Dienst-Blackberrys nach Feierabend nicht mehr auf die Dinger schauen müssen.
Von Chris Bryant, Frankfurt

Ein rotes Licht am Blackberry zeigt, dass da noch eine E-Mail wartet. Könnte dringend sein. Also müssen das Abendessen oder der Plausch mit Freunden warten.

Fließende Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit? Ständige Erreichbarkeit? Dem Betriebsrat bei Volkswagen geht das zu weit. Die Arbeitnehmervertretung hat erwirkt, dass bei Firmen-Blackberrys künftig nach Feierabend die E-Mail-Funktion abgeschaltet wird. Telefonate sind mit dem Gerät weiter möglich.

Die Betriebsvereinbarung betrifft über 1100 VW-Mitarbeiter, die einen Firmen-Blackberry besitzen und für die ein Tarifvertrag gilt. 30 Minuten nach Ende der Gleitzeit wird der Server von VW keine Mails mehr an das Handy senden. Die Funkstille wird erst eine halbe Stunde vor Beginn des nächsten Arbeitstags aufgehoben.

"Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation bergen auch Gefahren", sagte VW-Betriebsrat Heinz-Joachim Thust der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung". Ob andere deutsche Konzerne mit starker Gewerkschaftspräsenz ähnliche Schritte planen, ist nicht bekannt. Thust sagte, die Vereinbarung sei bislang sehr positiv aufgenommen worden.

Kampf gegen das Burnout-Syndrom

Ein Sprecher des VW-Betriebsrats sagte, die Regelung betreffe nicht das obere Management oder außertariflich bezahlte Mitarbeiter.

Mit dem Abkommen will der VW-Betriebsrat auf die bundesweit geführten Debatten über das zur Volkskrankheit werdende Burnout-Syndrom reagieren. Smartphones wie der Blackberry sorgen für ständige Erreichbarkeit und erhöhen damit die Belastung der Arbeitnehmer.

Blackberrys galten früher vor allem als Spielzeug von ehrgeizigen Führungskräften und Bankern, die überall und zu jeder Zeit E-Mails empfangen und senden wollten. Inzwischen haben sich die Smartphones zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt gemausert - und machen angeblich so abhängig, dass Blackberrys spaßhaft auch als "Crackberrys" bezeichnet werden, ein Wortspiel, das die Geräte mit der Droge Crack in Verbindung bringt. Für viele Angestellte jedoch ist der Besitz eines Blackberrys gleichbedeutend mit dem Zwang, ständig erreichbar zu sein.

Die Belegschaft von Volkswagen hat ein sehr geschäftiges Jahr hinter sich. Der Automobilbauer steht auf dem Sprung, zum weltgrößten Pkw-Konzern aufzusteigen - vorbei an Toyota und General Motors. Auf eine per E-Mail übermittelte Bitte um Stellungnahme reagierte Thust am späten Donnerstag nicht. Sein Blackberry war womöglich aus.

FTD

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