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Schockierende Bilanz HTC stürzt ab wie nie - ist der Konzern noch zu retten?

HTC 10 Absturz
Ob das im April vorgestellte HTC 10 den kriselnden Konzern noch retten kann?
© Reuters
Ganz schlechte Zahlen bei HTC: Kaum Einnahmen, dafür aber Verluste in ungeahnter Höhe. Schafft der einstige Smartphone-Pionier noch einmal die Kurve?

Bevor Apple mit dem iPhone auf den Markt kam, dominierten vor allem zwei Firmen den Smartphone-Markt: Blackberry und HTC. Blackberry ist längst abgedrängt, nun droht auch HTC der endgültige Absturz. Die aktuellen Geschäftszahlen sind schlicht schockierend. Kann sich der Pionier noch retten?

Um 64 Prozent sind die Verkäufe im Vergleich zum letzten Jahr eingebrochen, gerade einmal 400 Millionen Euro konnte HTC in den ersten drei Monaten des Jahres einnehmen. Dafür brauchte Branchen-Primus Apple im selben Zeitraum knapp einen Tag - und musste sich Versagen vorwerfen lassen. Das Schlimmste: Während Apple immer noch fette Gewinne macht, rutscht HTC immer weiter in die Miesen: 130 Millionen Euro Verluste brachte das letzte Quartal. Und trotzdem gibt man sich optimistisch.

Keine Killer-Produkte in der Pipeline

Mit dem HTC 10 (demnächst bei uns im Test) will sich HTC aus der Krise holen, auch die Virtual-Reality-Brille HTC Vive soll bares Geld in die Kassen spülen. Allzu sehr sollte sich das Unternehmen darauf allerdings nicht verlassen. Denn das HTC 10 ist zwar ein technisch und optisch extrem gelungenes Smartphone, Verkäufe wie das iPhone 6s oder das Samsung Galaxy S7 (hier unser Test) kann HTC aber nicht einkalkulieren. Dafür ist die Marke in den letzten Jahren einfach nicht mehr sexy genug.

Auch die HTC Vive hat wohl nicht das Potenzial zum Rettungsanker. Die VR-Brille ist zwar technisch die stärkste und bekommt auch regelmäßig die besten Chancen am Markt attestiert. Doch da ist noch ein winziger Haken: Der VR-Markt existiert de Facto noch gar nicht. Bis sich reihenweise Kunden die 700 Euro teuren Brillen zulegen, dürften noch Jahre vergehen. Zumal man zusätzlich einen PC benötigt, der selbst in der Minimal-Ausstattung teurer ausfällt als die Brille selbst. Bis dahin könnte es für HTC zu spät sein.

Woher soll die Rettung für HTC kommen?

Die Krise ist hausgemacht. Den letzten Top-Geräten fehlte der Mut zur Innovation, zudem verzettelte man sich mit einer stetigen Flut an neuen, belanglosen Mittelklasse-Smartphones - die dann auch prompt keiner haben wollte. Dazu kamen völlig überzogene Preisvorstellungen. Kein Wunder, dass die Börse HTC längst abgeschrieben hat. Schon im Sommer war HTC an der Börse weniger wert, als die Summe des gesammelten Kapitals. Die Aktionäre haben das Vertrauen in die Zukunft verloren.

Wenn sich der Konzern noch retten will, muss er sich also schleunigst etwas anderes einfallen lassen. Falls es dafür nicht zu spät ist. Denn um die Delle aufzufangen, werden die tollen Produkte HTC 10 und Vive vielleicht noch ausreichen. Um den Konzern aber ganz aus der Krise zu bringen, müsste noch deutlich mehr passieren. Und danach sieht es aktuell nicht aus.


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