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Gefallener Smartphone-Gigant: Wieso HTC in die Bedeutungslosigkeit stürzte

Auf den Smartphone-Hersteller HTC kommen schwierige Zeiten zu: Die Gewinne brechen ein, viele Mitarbeiter werden entlassen. Nun ist das Unternehmen quasi wertlos, die Zukunft ist düster. Daran ist der Konzern selbst schuld.

In der Technik-Welt können Unternehmen ganz schnell ganz groß rauskommen. Doch oft genug folgt ebenso schnell der jähe Absturz. Mahnende Beispiele dafür sind Nokia und Blackberry. Sie dominierten in Spitzenzeiten die Branche nach Belieben, spielen heute aber praktisch keine Rolle mehr. Das jüngste Opfer in dieser Reihe könnte nun HTC werden. Der taiwanesische Smartphone-Hersteller steckt seit geraumer Zeit in der Krise, nun droht der Rutsch in die Bedeutungslosigkeit.

Glaubt man der Einschätzung der Börse, ist der Smartphone-Hersteller HTC nichts mehr wert. Seit Anfang des Jahres rutscht die Aktie immer tiefer in den Keller, derzeit notiert das Unternehmen bei lächerlichen 1,5 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Unternehmen erstmals weniger wert, als die Bargeldreserven betragen. Das bedeutet: All die Fabriken, Patente und Geschäfte sind praktisch belanglos. Die Investoren scheinen längst das Vertrauen in HTC verloren zu haben. Für den Absturz gibt es mehrere Gründe.

Zu wenig Mut

HTC hat schon immer gute Handys gebaut. Nicht ohne Grund stammten die ersten Google-Smartphones von HTC. Zudem war das Unternehmen ein Pionier im Android-Bereich. Dennoch verlor HTC beständig Marktanteile an die Konkurrenz: Erst an Samsung, zuletzt an chinesische Firmen wie Xiaomi oder Huawei.

Schuld daran ist vor allem die konservative Produktstrategie: War das erste HTC One im Jahr 2013 ein echter Hingucker - für den stern war es sogar das beste Android-Handy des Jahres -, lockte die jüngste Auflage niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Dabei ist das HTC One M9 ein solides Gerät mit zeitlosem, elegantem Äußeren. Doch das Design änderte sich in drei Jahren nur minimal, und das sorgt für Langeweile in einem Markt, der sich ständig neu erfindet.

Zudem setzte HTC auf die falschen Innovationen: Zwei Jahre verbaute man eine sogenannte Ultrapixel-Kamera im Flaggschiff-Gerät. Technisch war die beeindruckend, aber leider hatte sie nur vier Megapixel - für das Jahr 2014 war das zu wenig. Die Konkurrenz zog in der Zeit mit Premium-Knipsen davon. Nicht der einzige Fehler: Beim One M8 wollte man die Kunden mit einer zweiten Kamera zur nachträglichen Schärfeverlagerung locken. Das ging nach hinten los: Bereits nach einem Jahr wurde das Feature wieder gestrichen. Am Markt hat sich diese Funktion nie durchgesetzt. Auch sonst boten die Vorzeigemodelle kein Feature, das aus dem Smartphone-Einheitsbrei wirklich herausstach.

Zu viele Geräte

HTC Desire 300, Desire 310, Desire 610 und Desire 816 - kennen Sie den Unterschied? Eben. Und das ist nur die unterste Reihe im Produktportfolio der Taiwanesen. Sattt sich auf wenige, dafür hervorragende Geräte in jeder Preisklasse zu konzentrieren, setzt HTC auf Masse statt Klasse. Und hechelt jedem Hype hinterher: Als plötzlich Selfies angesagt waren, warf man mit dem Eye flugs ein völlig überteuertes Selfie-Smartphone auf den Markt. Doch wer braucht so etwas?

Zu viel gewollt

Statt sich auf die Kernkompetenz - das Bauen guter Smartphones - zu konzentrieren, mischte HTC zuletzt in einer Vielzahl neuer Märkte mit. Das ist verständlich, denn mit Smartphones allein verdient man kaum noch Geld. Geschätzt 1,2 Cent bleiben pro Smartphone in der Kasse hängen, schätzen Analysten. Mehr Geld verdient man dagegen beim Zubehör. Doch statt diesen Bereich neuzuentwickeln, steckte man viel Geld und Zeit in die Erschließung neuer Geschäftsbereiche.

Mit der Re forderte man Actiomcam-Platzhirsch GoPro heraus, doch in der freien Wildbahn bekommt man die ungewöhnliche Periskop-Kamera nie zu Gesicht. Mit Grip wollte man im Fitnesstracker-Markt mitspielen - doch das Gerät kam nicht einmal auf den Markt. Die neue Hoffnung Vive konnte nun auf der Spielemesse Gamescom ausprobiert weden: Dahinter verbirgt sich eine Virtual-Reality-Brille, die es mit Facebooks Oculus Rift aufnehmen soll. Doch es darf bezweifelt werden, dass dieses Produkt die Wende bringen wird.

Die Prognose ist düster: Nach den wiederholt schlechten Quartalszahlen drohen weiträumige Entlassungen in allen Geschäftsbereichen. In den nächsten vier Quartalen drohen weitere Verluste.

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