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Pixel 2 und Google Home Mini: Größer, smarter - teurer: So will Google es mit Apple aufnehmen

Mit seinen Pixel-Smartphones wagte sich Google letztes Jahr erstmals in Apples Territorium der Premium-Smartphones. Jetzt hat der Internet-Riese den Nachfolger vorgestellt. Aber auch für Amazons Echo gibt es neue Konkurrenz.

Google Pixel 2 XL und Home Mini auf einem Tisch

Das Google Pixel 2 XL und der Google Home Mini 

Wenn früher Smartphones zeigte, hatten die einen klaren Nutzen: Die "Nexus" getauften Geräte sollten die Features der neuen Android-Version vorführen und Entwicklern die Arbeit erleichtern. Die Geräte waren schick, aber schlicht, die Preise verhältnismäßig niedrig. Damit war im letzten Jahr Schluss. Mit dem Pixel und dem Pixel XL stieß Google erstmals in die Premium-Liga vor - auch preislich. Jetzt hat der Konzern die beiden Nachfolger vorgestellt. Und jede Menge mehr.

Kleines Pixel ganz groß

Die wenig überraschend Pixel 2 und Pixel 2 XL getauften Smartphones unterscheiden sich auf den ersten Blick: Das Pixel 2 bringt im Gegensatz zu seinem größeren Bruder deutlich weniger Display mit. 5 Zoll Diagonale (1920 x 1080 Bildpunkte) hat Google seinem Kleinen spendiert, das große Modell kommt auf satte 6 Zoll in einer Auflösung von 2880 x 1440 Pixeln. Das Gehäuse ist indes gar nicht so viel größer. Beim sind die Display-Rahmen nach dem aktuellen Trend auf einen kleinen Rand geschrumpft, das kleine Pixel kommt mit deutlich mehr Rahmen daher.

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Der Grund für die etwas merkwürdig anmutende Entscheidung könnten schlicht die unterschiedlichen Hersteller sein: Während das Pixel 2 XL von LG gebaut wird, die mit dem LG G6 (hier bei uns im Test) und dem LG V30 bereits Smartphones mit Minirand im Programm haben, kommt das kleine Modell von HTC, die selbst im Spitzenmodell HTC U11 weiter auf breite Ränder setzen.

Starke Technik

Unter der Haube haben aber beide Modelle die gleiche Ausstattung. Beide laufen auf dem Snapdragon 835, dem schnellsten Prozessor  für Android-Smartphones. Beide sind mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher ordentlich, aber nicht üppig bestückt. Für Daten stehen 64 GB Speicher zur Verfügung, ein 128-GB-Modell gibt es jeweils ebenfalls.

Die Hauptkamera bietet 12 Megapixel, eine Doppelkamera hat Google nicht verbaut. Googles Versprechen sind allerdings vollmundig: Indem Googles Assistant jedes Einzelfoto aus mehreren schnell geschossenen Fotos errechnet, soll eine bisher nicht gekannte Bildqualität erreicht werden. Auch ein Porträtmodus mit unscharfem Hintergrund soll so möglich sein, andere Geräte brauchen dafür eine Doppelkamera. Das klingt gut. Ob die Kamera im Alltag tatsächlich die Versprechen halten kann, muss ein Test zeigen.

Beim Design orientiert sich Google stark am Vorgänger. Wieder ist die Rückseite in einen Metall- und einen Glasbereich geteilt. Wieder setzt Google auf einen Fingerabdruckscanner auf der Rückseite, auch die Stereo-Lautsprecher auf der Front sind wieder dabei. Eine Neuerung versteckt sich im Metall-Rahmen: Wie das HTC U11 lassen sich die Ränder zusammenquetschen, um den Assistant zu starten. In unserem Test des HTC-Smartphones erwies sich das weitgehend als Spielerei. Immerhin funktionierte es aber zuverlässig.

Gruseliger Zuhörer

Ein neues Feature des überarbeiteten Assistant dürfte bei den deutschen Nutzern nicht besonders gut ankommen: Das Pixel hört tatsächlich ständig zu. So soll es in der Lage sein, immer das gerade laufende Lied zu erkennen. Vorher wurde immer nur auf das Aktivierungswort "OK Google" gewartet, jetzt wird tatsächlich immer ausgewertet und das gerade im Hintergrund laufende Lied angezeigt. Google verspricht, dass dabei keine Daten an den Konzern gesendet werden und alles per Künstlicher Intelligenz (KI) direkt auf dem Gerät passiert. Das ist beeindruckend - aber auch ein bisschen unheimlich. Viele dürften die Funktion deshalb lieber abschalten.

Pixel 2 und Pixel 2 XL kommen am 19. Oktober auf den Markt und kosten ab 799 Euro beziehungsweise 939 Euro. Einen Test finden Sie in Kürze auf stern.de.

Ob Google es mit diesen Smartphones mit dem X aufnehmen kann, wird vor allem an der Kamera hängen. Das Design ist wenig aufregend, der Displayrand immer noch deutlicher als bei Apples kommendem Edel-Gerät. Auch der Prozessor des Pixel ist langsamer, wie erste Vergleiche mit dem iPhone 8 zeigen. Letztes Jahr war die Pixel-Kamera eine der besten des Jahres. Will Google wieder ganz vorne mitspielen, wird es wohl nur mit einer noch besseren Knipse klappen. Angesicht des happigen Preises sollte man das aber auch erwarten können.

Ein Kleiner und ein Großer für Zuhause

Bei der zweiten Produktgruppe des Abends schießt Google vor allem gegen Amazon. Der Google Home Mini ist die Antwort auf Echo Dot. Der kleine Lautsprecher erinnert an einen Puck aus Stoff und beherbergt wie der große Home Googles Assistant. Der Sound ist angesichts des winzigen Gehäuses in Ordnung, wer häufig Musik darüber hören möchte, sollte aber wohl lieber zum Großen greifen. Der Home Mini erscheint am 19. Oktober und kostet 59 Euro. Wer besseren Sound will, nimmt stattdessen den Google Home Max. Der größte Home-Lautsprecher ist lauter und basslastiger als die anderen beiden Modelle. Praktisch: Mehrere der Lautsprecher kann man zu Stereo- und Multirrom-Systemen verbinden.

Um den Klang zu verbessern, soll er dank "Smart Sound" den Klang an den Raum anpassen. Dazu misst er das Feedback der Wände und passt sich mit Künstlicher Intelligenz an den Raum an. Zudem soll er sich auch an den Alltag anpassen, etwa am Morgen leiser Musik spielen und aufdrehen, wenn die Waschmaschine läuft. Der Google Assistant darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Der Google Home Max erscheint im Dezember in den USA und kostet 399 Dollar.

Laptop für die USA

Und einen Laptop hatte Google ebenfalls im Programm. Das Pixelbook sieht den Smartphones extrem ähnlich. Das Ultrabook ist eine Edelvariante von Googles Chromebooks, lässt sich aber auch zum Tablet umklappen. Je nach Bedarf kann ein i5- oder ein i7-Prozessor von Intel sowie bis zu 16 GB Arbeitsspeicher verbaut werden. Als Betriebssystem ist das Online-abhängige Chrome OS installiert. Der mit installierte Assistant kann mit Sprache und der Tastatur oder man nutzt einen speziellen Stift, der dann etwa markierte Wörter erkennt und zum Kontext passende Aktionen bereitstellt. Der Stift kostet allerdings 99 Dollar extra - zu den 999 Dollar Grundpreis. In Deutschland soll es den Laptop vorerst nicht geben.

Einmal alles, bitte

Weil man schon mal dabei war, hat Google noch gleich neue Kopfhörer mit dem Google Assistant ("Google Pixel Buds"), eine neue Brille für Virtuelle Realität ("Daydream") und eine Kamera ("Clips") vorgestellt. Die Kamera ist sicher am spannendsten. Die kleine Knipse ist eine Mischung aus Action-Cam und Gürtelclip und soll automatisch die besten Momente aus dem Familienalltag, von der Geburtstagsfeier und so weiter einfangen. Wieder ist der Assistant an Bord. Die für die Berechnungen genutzte KI soll komplett auf der Kamera laufen und keine Daten an Google schicken. Wie gut das tatsächlich klappt, muss man wohl ausprobieren. Nach Deutschland soll es die Kamera aber leider nicht schaffen.

Google tischt auf

Mit den Neuvorstellungen hat Google sich so breit aufgestellt wie nie. Der echte Star ist aber nicht die Hardware, sondern der darauf installierte Google Assistant. Der funktioniert auf Deutsch aber leider nach wie vor nicht ganz so spektakulär, wie in den englischsprachigen Präsentationen. Ob die Geräte ihre relativ hohen Preise hierzulande im Alltag rechtfertigen können, müssen sie deshalb erst noch beweisen. Sie erfahren es bald in den Tests auf stern.de. 

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