Absurder Fall
Professorin wütet in Artikel gegen KI – und nutzte zum „Schreiben“ KI

Eine Akademikerin aus Sydney nutzte AI, um über die Nutzung von KI zu schimpfen (Symbolbild)
Eine Akademikerin aus Sydney nutzte AI, um über die Nutzung von KI zu schimpfen (Symbolbild)
© mirvizitok2014769 / Imago Images

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Studierende sollten keine „Abkürzung“ beim Lernen nehmen und auf KI-Unterstützung verzichten, forderte eine australische Professorin. Den Text hatte sie mit KI-Hilfe verfasst.

Über manche Vorfälle kann man nur den Kopf schütteln. Über diesen auf jeden Fall: In Sydney wurde die Professorin Cath Ellis, Vizekanzlerin der Universität von Western Sydney und an der Hochschule für „Qualität und Integrität“ zuständig, mit dem Verfassen eines Artikels betraut. Der Text sollte als Gastbeitrag in der Zeitung „Sydney Morning Herald“ erscheinen. Sie reichte ein Meinungsstück ein, in dem sie Studierenden davon abriet, KI (Künstliche Intelligenz) zu nutzen.

Ein nachvollziehbarer Standpunkt, gerade für eine Akademikerin, der vermutlich viel daran liegt, dass junge Menschen an Hochschulen tatsächlich etwas lernen und am Ende ihres Studiums klüger sind als davor. In ihrem Artikel fordert Ellis die Studierenden auf: „Nehmt keine Abkürzungen. Lagert euer Denken nicht aus, egal wie verlockend das erscheinen mag (...) Ehrliche Mühe wird nicht unsichtbar bleiben. Sie wird hervorstechen.“ Doch mit dem Text der Professorin gab es ein Problem.

Akademikerin schimpfte in Artikel über KI

Als nämlich die Journalisten-Kollegen des australischen „Guardian“ das Meinungsstück spaßeshalber durch einen KI-Detektor prüfen ließ, wies der es direkt als KI-generiert aus. Nun können solche Programme, die Betrug durch Künstliche Intelligenz entdecken sollen, durchaus falsch liegen. Weil ChatGPT, Claude oder Perplexity immer besser werden, aber auch, weil ihr Output sich an Texten orientiert, die echte Menschen geschrieben haben. 

Die Universität von Western Sydney versuchte aber gar nicht erst, Cath Ellis mit einer solchen Entschuldigung aus der Bredouille zu holen. Stattdessen gab man direkt unumwunden zu, dass bei der Erstellung des Artikels tatsächlich KI zum Einsatz kam. 

„Um ihren Meinungsartikel zu schreiben, hat Prof. Ellis 40.000 Worte, eigenes Material, in das LLM (Large Language Model) Copilot hochgeladen. Das LLM hat ihr weitgefächertes Fachwissen zusammengefasst und ihr Prompts geliefert“, sagte ein Sprecher der Universität. „Daraus entstand die Basis der ersten Textentwürfe, die Prof. Ellis' eigene Gedanken, Ideen und Meinungen widerspiegeln, die auf mehr als einem Jahrzehnt intensiver Arbeit als globaler Vordenkerin auf diesem Gebiet beruhen.“

KI: Für Studenten nicht, für Professoren ja?

Für die Universität stellt das kein moralisches Problem dar. Die Nutzung von KI sei in diesem Fall völlig „angemessen“ gewesen, so der Sprecher der Hochschule. Die betroffene Zeitung, die den Gastbeitrag druckte, sieht das allerdings anders – schon deshalb, weil sie vorab nicht darüber informiert wurde, dass die Professorin den Text nicht komplett selbst geschrieben hatte. Und beim „Morning Herald“ gibt es, wie bei den meisten journalistischen Medien, klare Regeln zur Anwendung von KI. Und: Zur Texterstellung darf sie dort nicht eingesetzt werden.

Jordan Baker, Herausgeber des „Sydney Morning Herald“, zeigte sich wenig erfreut – und zog Konsequenzen. Der Artikel „entspreche nicht den redaktionellen Richtlinien“ und sei deshalb gelöscht worden. „Das ist völlig inakzeptabel und wird von uns weitergehend untersucht werden.“ 

Der Vorfall ist ärgerlich für die Zeitung, peinlich für die Universitätsprofessorin (oder sollte es zumindest sein) – aber besonders bitter ist er für Studierende, die sich derzeit ganz praktisch in einer Welt zurechtfinden müssen, in der Unterstützung durch KI-Modelle nur einen Klick entfernt ist und selbst auf diejenigen, die ihnen wissenschaftliches Arbeiten und Forschen beibringen sollen, einen scheinbar unwiderstehlichen Reiz ausübt. 

wt

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