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Kampf um Smartphone-Kunden Blackberrys Schwäche, Microsofts Chance


Microsoft ist mit seinen Programmen in Unternehmen fest verankert. Doch im Geschäft mit Smartphones kommt der Softwarekonzern bei Profi-Kunden bisher nicht voran. Die Allianz mit Nokia soll das ändern - und der Rückfall des Blackberry-Rivalen RIM.
Von Annika Graf

Microsoft wird im Smartphone-Geschäft das Werben um Firmenkunden verstärken. Neue Handys und zusätzliche Funktionen für Geschäftsleute sollen das Betriebssystem Windows Phone voranbringen. "Wir begreifen die Schwäche von RIM als große Chance im Geschäftskundenbereich", sagt Microsoft-Manager Achim Berg der "Financial Times Deutschland". Der Deutsche verantwortet weltweit die Vermarktung von Windows Phone 7. Microsoft werde Kunden, die die Software beruflich nutzen, in den nächsten Updates mit zusätzlichen Funktionen versorgen, so Berg. Bislang ist der Hersteller Research In Motion (RIM) mit den Blackberrys bei Firmenkunden sehr beliebt.

Ein Schub bei Geschäftskunden könnte Microsoft den lang erwarteten Anschluss im Smartphone-Geschäft bringen. Und Erfolg im Handymarkt ist wichtig: So verkauft Konkurrent Apple aufgrund der Popularität des Handys iPhone seit Jahren stetig mehr Computer. Zudem bremst der Erfolg des Tablet-Rechners iPad den Verkauf von Computern mit Microsofts Windows Betriebssystem.

Schwacher Start

Der Start des Handybetriebssystems Windows Phone 7 vor fast genau einem Jahr verlief dagegen schlecht. Microsoft veröffentlichte zuletzt keine aktuellen Verkaufszahlen, doch Konzernchef Steve Ballmer musste wegen des ausbleibenden Erfolgs auf einen Teil seines Bonusgehalts verzichten. Im zweiten Quartal wurden laut des Marktforschers Gartner weltweit nur 1,7 Millionen Smartphones mit Windows-Software verkauft, dagegen 12,7 Millionen Blackberrys.

Berg ist überzeugt, dass Windows Phone 7 sich jedoch zuerst bei Privatnutzern einen Namen machen muss. "Um bei Geschäftskunden erfolgreich zu sein, muss man erst im Consumer Bereich gewinnen", sagt der Microsoft-Manager.

Große Hoffnungen ruhen auf der Kooperation mit Nokia. Der Handyhersteller wird aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch auf seiner Hausmesse das erste Nokia-Microsoft-Handy vorstellen. Der Partner Microsoft spielt seine Software zwar nicht nur auf Nokia-Handys, sondern auch auf die Geräte von Samsung, HTC und LG. Mit dem finnischen Marktführer verbindet Microsoft jedoch eine exklusive Allianz.

Netzbetreiber und Hardwarepartner enttäuscht

Bislang sind Netzbetreiber wie auch Hardwarepartner enttäuscht von den Telefonen mit Microsoft Betriebssystem. "Ehrlich gesagt hatten wir mehr erwartet", beschwerte sich kürzlich der Orange-Manager Yves Maitre, der bei dem französischen Netzbetreiber für den Handyeinkauf verantwortlich ist. Im zweiten Quartal 2011 schrumpfte Microsofts Anteil am Smartphone-Geschäft laut Gartner im Jahresvergleich von 4,9 Prozent auf aktuell 1,6 Prozent.

Dabei ist die Gelegenheit für eine Attacke im Geschäftskundenmarkt günstig: Apples iPhone und iPad erfreuen sich zwar bei Managern größter Beliebtheit, IT-Abteilungen stöhnen aber über die schwer zu integrierenden Geräte. Auch Googles Android sehen sie mit Skepsis. Sie fürchten, dass die frei verfügbare Software zu viele Angriffspunkte für Hacker bietet. Die Blackberrys gelten in vielen Unternehmen immer noch als Gerät der Wahl, doch die jüngsten Server-Ausfälle bei den Blackberry-E-Mail-Diensten haben am Image gekratzt.

IT-Abteilungen kennen ihr Windows

Die IT-Abteilungen der Firmen haben Erfahrung mit Windows-Software. Im Gegensatz zu den Geräten von Apple, können sie Microsoft-Software einfacher integrieren. "Apple hat einen klaren Fokus auf den Endkunden und nicht auf die IT-Abteilung", sagt Oliver Tuszik, Chef des IT-Dienstleisters Computacenter, der für den Apple-Händler Gravis Unternehmen mit iPhones und iPads versorgt.

Der IT-Konzern aus Redmond ist der mit Abstand größte Anbieter von Unternehmenssoftware - eine nicht zu unterschätzende Basis. Groß ist daher die Nachfrage nach Microsofts Büro- und Serversoftware für Firmenkunden. Im gerade abgelaufenen ersten Geschäftsquartal (Ende September) steigerte der US-Konzern seinen Umsatz dank der Erlöse aus der Business-Sparte und des Servergeschäfts im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 17,4 Mrd. Dollar. Der Gewinn stieg leicht auf 5,7 Mrd. Dollar.

Apps für Business-Kunden

Nun soll Microsofts Smartphone-Software fit für die Geschäftswelt werden. Von den aktuell mehr als 30.000 Zusatzprogrammen, sogenannte Apps, hätten etwa 6000 eine klare Ausrichtung auf Geschäftskunden, sagt eine Sprecherin. Außerdem entwickelt Microsoft eigenen Angaben zufolge mit SAP eine App für die Unternehmenssoftware Business By Design. Bereits von Beginn an waren Geschäfts-Anwendungen wie E-Mail- und Kalender-Funktionen sowie Programme zum Lesen von Dokumenten in Windows Phone 7 integriert. Eine größere Zahl von Funktionen und Spezialsoftware könnte Microsoft speziell im Vergleich mit RIM Vorteile bringen.

Microsoft-Finanzchef Peter Klein jedenfalls hat ein klares Ziel: "Mit Nokia, Samsung und anderen Geräten, die auf den Markt kommen, sind wir sicher, dass wir die Nummer drei unter den Smartphone-Systemen werden", sagte Klein vergangene Woche. Bislang rangiert Microsoft auf Platz sechs.

Den ersten Schritt will Microsoft diese Woche machen: "Wir setzen massiv auf Nokia", sagte Berg. Nokia beherrscht trotz sinkender Stückzahlen immer noch jeweils ein Fünftel des weltweiten Handy- und Smartphone-Marktes. Für die Jagd auf RIM, Apple und Google würde Berg anfangs die Hälfte reichen. "Sobald man einen Marktanteil von zehn Prozent hat, gibt es einen viralen Effekt, die Leute empfehlen das System von selbst weiter."

FTD

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