HOME

Conti und Schaeffler: Gipfel berät über Staatshilfen

Staatshilfe ja oder nein? In Sachen Conti und Schaeffler ist darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Jetzt soll ein Gipfeltreffen der Ministerpräsidenten aus Bayern und Niedersachsen mit Bundeswirtschaftsminister Glos eine Entscheidung bringen. Dabei will eines der beiden Unternehmen das Steuergeld partout nicht haben.

Bund und Länder wollen bei einem Spitzentreffen in Berlin über mögliche Hilfen für die Autozulieferer Schaeffler und Continental beraten. Am Donnerstag soll es ein Treffen von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit seinen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) geben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag. Das Treffen werde in der niedersächsischen Landesvertretung in der Hauptstadt stattfinden.

Die Länder Bayern und Niedersachsen bestätigten unterdessen lediglich Gespräche mit beiden Unternehmen, aber keine Hilfszusagen. Zuvor war berichtet worden, beide Länder wollten einem neuen großen Autozulieferer, der aus Schaeffler und Conti entstehen soll, jeweils 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Ein Schaeffler-Sprecher sagte, man kommentiere die Berichte nicht.

Die Conti-Aktie brach am Montagmorgen um gut 20 Prozent ein, erholte sich dann aber wieder etwas. Am Nachmittag lag der Kurs bei 13,99 Euro und damit gut zehn Prozent niedriger als in der Vorwoche. Das Familienunternehmen Schaeffler, das mit 49,9 Prozent an Conti beteiligt ist und weitere 40 Prozent bei Banken geparkt hat, ist nicht an der Börse notiert.

Die Schaeffler Gruppe hatte insgesamt 90 Prozent der Conti Aktien überwiegend zu einem Preis von 75 Euro gekauft. Die Gruppe hatte dafür etwa 10 Milliarden Euro Kredit aufgenommen und ist daher stark vom Kursverfall der Conti-Papiere betroffen.

Unterdessen stellte die Continental AG am Montag klar, dass sie derzeit keine staatliche Unterstützung benötige. Man habe sich in Verhandlungen mit Banken einen stabilen Finanzrahmen gesichert, sagte ein Conti-Sprecher in Hannover. "Wir verfügen über eine Liquidität von 3,5 Milliarden Euro aus Barmitteln und ungenutzten Kreditlinien", betonte er.

Nach Angaben der bayrischen Staatsregierung ist eine Entscheidung über Hilfen an Schaeffler oder Conti noch nicht gefallen. "Es finden Gespräche mit dem Unternehmen statt. Es gibt aber keinerlei Vereinbarung oder Zusagen", erklärte das Wirtschaftsministerium in München. Auch der Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist "mit allen Beteiligten im Gespräch". Über den Inhalt der Gespräche sei jedoch Vertraulichkeit vereinbart worden, erklärte die Staatskanzlei.

Wulff selbst äußerte sich erneut sehr zurückhaltend über mögliche Hilfen an Conti oder Schaeffler. "Da ist viel Fantasie, Spekulation und Wunschdenken im Raum", sagte er. Zunächst müsse es ein Zukunftskonzept für die beiden Unternehmen geben, bevor man zur Frage staatlicher Hilfen Position beziehen könne.

Nach Auffassung von Analysten gingen die Kursverluste der Conti-Aktie direkt auf die Berichte über staatliche Hilfen zurück. "Wenn der Staat helfen oder einsteigen muss, ist das ein Indiz für Probleme des Unternehmens, die sich umgehend in einem sinkenden Aktienkurs widerspiegeln", sagte der bei der NordLB in Hannover für Conti zuständige Analyst Frank Schwope. Kursverluste aus dem gleichen Grund habe es bereits bei den Banken gegeben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters