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Continental: Aufsichtsratschef gibt Posten ab

Im Machtkampf beim Autozulieferer Continental hat sich Großaktionär Schaeffler durchgesetzt. Nach zähem Ringen trat Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg von seinem Posten zurück. Neuer starker Mann in dem Gremium wird ein Vertrauter von Firmeneigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler.

Den Machtkampf im Kontrollgremium des Autozulieferkonzerns Conti hat Großaktionär Schaeffler für sich entschieden. Auf Druck von Schaeffler trat der Aufsichtsratschef von Continental, Hubertus von Grünberg, am Samstag von seinem Posten zurück. Das teilte Conti nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats am Samstag in Hannover mit. Von Grünberg bleibt allerdings Mitglied des Aufsichtsrats. Neuer Vorsitzender soll überraschend der bislang weitgehend unbekannte Schaeffler-Vertreter Rolf Koerfer werden. Schaeffler zieht mit insgesamt vier Vertretern in das Conti- Kontrollgremium ein - darunter auch Firmeneigentümerin Maria- Elisabeth Schaeffler.

Zugleich wollen Schaeffler und Conti die Kooperation zwischen den Automobilsparten beider Konzerne vorantreiben. Ziel sei es, in Deutschland einen "zweiten globalen Champion im Automobilzuliefergeschäft" zu schaffen, sagte Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Und das können wir jetzt." Maria-Elisabeth Schaeffler sagte: "Es ist meine feste Überzeugung, dass Schaeffler und Continental gemeinsam die wirtschaftlichen Herausforderungen erfolgreich meistern und eine große Zukunft haben werden."

Geplant ist zudem die Ausgliederung der Conti-Reifensparte. Es solle ein Prozess für eine "organisatorisch und rechtlich selbstständige" Rubber Group eingeleitet werden, unter "enger Begleitung" von Grünbergs, hieß es. Dies bedeutet faktisch eine Aufspaltung des Konzerns. Sowohl Conti als auch Schaeffler sind beide hoch verschuldet, die Finanz- und Autokrise hat sie mit voller Wucht erwischt.

Die Schaeffler-Gruppe hatte in dem seit Wochen andauernden Machtkampf um die Zukunft der Conti den Rücktritt von Grünbergs gefordert. Die Gruppe hatte von Grünberg vorgeworfen, dieser sabotiere systematisch gemeinsame Lösungen und verfolge eigene Interessen, das Vertrauen sei zerstört. Falls von Grünberg nicht zurücktrete, behalte sich die Gruppe das Recht vor, alle zehn Sitze der Anteilseigner im Aufsichtsrat neu zu besetzen.

Von Grünberg erklärte laut Mitteilung: "Ich bin sehr froh, dass wir jetzt nach intensiven Gesprächen eine Lösung gefunden haben, die im Interesse aller Beteiligten ist." Für die Erarbeitung eines unternehmerischen Konzeptes für eine selbstständige Rubber Group stehe er gerne mit meinem Rat zur Verfügung.

Der Conti-Aufsichtsrat bot der Schaeffler-Gruppe vier Mandate an, wie dies in der im Sommer 2008 nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht vereinbarten Investorenvereinbarung vorgesehen sei. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach benannte als Kandidaten Maria-Elisabeth Schaeffler, ihren Sohn Georg, Geschäftsführer Jürgen Geißinger und Koerfer als Kandidaten.

Sobald diese Aufsichtsräte vom Amtsgericht bestellt seien, werde der Aufsichtsrat zügig einen neuen Vorsitzenden wählen. Der Aufsichtsrat habe sich auf die Kandidatur von Koerfer für den Vorsitz verständigt. Dies gilt als Überraschung. Wer für die vier Schaeffler-Vertreter aus dem Aufsichtsrat ausscheidet, ist bislang nicht bekannt.

An der Conti-Aufsichtsratssitzung hatte als Gast auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder teilgenommen. Er ist Garant für die Einhaltung der im Sommer 2008 geschlossenen Investorenvereinbarung zwischen Continental und Schaeffler und hatte sich in den Konflikt eingeschaltet. Schröder erklärte nach der Sitzung laut Mitteilung: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, beide Seiten zusammen zu bringen. Gut 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit hätten damit mehr Sicherheit."

IG Metall-Bezirkschef und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine sagte, es sei von "entscheidender Bedeutung", dass beide Seiten unmissverständlich erreicht hätten, dass die Investorenvereinbarung Bestand habe. "Sämtliche Zweifel sind damit beseitigt."

Unterdessen verlässt Conti-Finanzchef Alan Hippe den Konzern. Der Aufsichtsrat entsprach Hippes Wunsch, den Vertrag mit dem 42-Jährigen vorzeitig zum 28. Februar aufzuheben. Medienberichten zufolge soll Hippe zum Stahlkonzern ThyssenKrupp wechseln. Hippe ist nach Vorstandschef Manfred Wennemer der zweite Top-Manager der Conti, der den Konzern im Zuge der Übernahmeschlacht mit der Schaeffler-Gruppe verlässt.

DPA / DPA