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Daimler-Chrysler: Schrempp muss gehen

Nach zehn Jahren muss Jürgen Schrempp seinen Posten als Vorstandschef des Stuttgarter Autobauers Daimler-Chrysler vorzeitig abgeben. Schon Anfang 2006 wird Dieter Zetsche, bisher Chef der US-Tochter Chrysler, die Führung übernehmen.

Eine Aufsichtsratssitzung mit Folgen: Der bisherige Daimler-Chrysler-Topmanager Dieter Zetsche soll zum 1. Januar 2006 Nachfolger des amtierenden Vorstandsvorsitzenden des Autobauers, Jürgen Schrempp, werden. Der 52-jährige Zetsche leitet gegenwärtig die US-Sparte des deutsch-amerikanischen Autobauers, das Geschäft von Chrysler. Sein Nachfolger soll der 51-jährige Kanadier Thomas LaSorda werden, bisher Chief Operating Offiver unter Zetsche. Chrysler-Manager Eric Ridenour soll den Posten des Chrysler-COO übernehmen.

Schrempps Schritt kam überraschend, Branchenkenner hatten eher damit gerechnet, dass er im Jahr 2007 ausscheiden könnte. Der Vertrag von Schrempp läuft noch bis April 2008. Grund für das vorzeitige Ausscheiden soll die schlechte Geschäftsentwicklung des Konzerns sein. Wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte, verzichte Schrempp auf die Auszahlung seines Vertrages. Als Mitfavorit auf den Schrempp-Posten hatte auch Mercedes-Chef Eckhard Cordes gegolten.

Gerüchte um Kopper-Rücktritt falsch

Aufsichtsratschef Hilmar Kopper erklärte, dass Schrempp und der Aufsichtsrats sich einig seien, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen sei. Die Beschlüsse seien im Aufsichtsrat einstimmig gefasst worden. "Die Bilanz des Konzerns ist gesund und die Cash-Flow-Entwicklung stabil. Die Ergebnisprognose des Daimler-Chrysler-Konzerns für dieses Jahr steht. Mit deutlichen Ergebnisverbesserungen ist ab dem Jahr 2006 zu rechnen", betonte Kopper. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef werde seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender wie geplant bis April 2007 erfüllen, hieß es in Kreisen.

Der designierte Daimler-Chrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche will an der mit der Arbeitnehmervertretung vereinbarten Beschäftigungssicherung festhalten. Wie Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Donnerstag in Stuttgart mitteilte, habe Zetsche im Vorstand die Zukunftssicherung 2012 mit beschlossen und jetzt bekräftigt, dass selbstverständlich auch unter seiner Führung die getroffenen Vereinbarungen mit dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gelten. In den letzten Tagen gab es Presseberichte, dass Daimler-Chrysler in Deutschland bis zu 5.000 Mitarbeiter in Deutschland zu viel an Bord haben soll.

Verdienste von Schrempp gewürdigt

Klemm, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns ist, würdigte die Verdienste von Schrempp. Er habe seit seinem Amtsantritt im Jahr 1995 aus einem "diversifizierten Technologiekonzern" wieder ein auf die Produktion von PKW und Nutzfahrzeugen konzentriertes Unternehmen gemacht. Mit der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler habe er die Weichen für die Zukunft des Unternehmens gestellt.

Die Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung sei nie konfliktfrei gewesen. Jürgen Schrempps öffentliches Bekenntnis zur Konzentration auf den Shareholder Value sei von der Arbeitnehmerseite nie mitgetragen worden. Dennoch sei die Zusammenarbeit geprägt von dem gemeinsamen Willen gewesen, sich zu verständigen und einen Ausgleich der Interessen zu finden. Schrempp habe sich auch stets offen zum deutschen Mitbestimmungsmodell bekannt. Die Arbeitnehmervertreter erwarteten nun eine ebenso konstruktive Zusammenarbeit mit seinem designierten Nachfolger Dieter Zetsche, erklärte Klemm. Die Betriebsräte hätten Zetsche in verschiedenen Funktionen in praktisch allen Unternehmensteilen kennen gelernt. Zetsche stehe für Kontinuität im Unternehmen.

Aktie legte kräftig zu

Angesichts der Nachrichten aus Stuttgart feierte die Daimler-Chrylser-Aktie an der Börse ein regelrechtes Feuerwerk: Das Papier legte am Morgen um fast sieben Prozent zu. Bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Umbaus der Führungsebene legte die Aktien des Autobauers auf Grund der Gerüchte um mehr als sechs Prozent zu.

Gleichzeitig legte der Autokonzern am Donnerstag überraschend gute Zahlen für das zweite Quartal vor. Mercedes-Benz bleibt aber das Sorgenkind bei Daimler-Chrysler. Hier betrug der operative Gewinn im zweiten Quartal nur zwölf Millionen Euro. Hintergrund seien Sanierungskosten für die defizitäre Kleinwagenmarke Smart, teilte das Unternehmen mit. Im Mercedes-Ergebnis seien weitere Aufwendungen in Höhe von 311 Millionen Euro enthalten.

Smart-Zahlen belasten Gesamtergebnis

Der Gesamtkonzern erzielte im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 2,1 Milliarden Euro), lag damit aber deutlich über den Erwartungen der Analysten. Ohne die Belastungen bei Smart hätte der operative Gewinn zwei Milliarden Euro erreicht, heißt es. Die US-Sparte Chrysler steigerte den operativen Gewinn auf 544 Millionen Euro gegenüber 521 Millionen Euro im Vorjahr. Auch das Nutzfahrzeuggeschäft entwickelte sich gut. Das Geschäftsfeld konnte seinen Gewinn um 12 Prozent auf 524 Millionen Euro steigern.

DPA/Reuters / DPA / Reuters