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Daimler-Chrysler: Zetsche steckt in der Klemme

Gerade hatte DaimlerChrysler-Konzernchef Dieter Zetsche die Eröffnung eines neuen Werks in Peking gefeiert, da wurde die farbenfrohe Zeremonie durch schlechte Nachrichten vom anderen Ende der Welt überschattet.

Durch einen unerwartet hohen Verlust von 1,2 Milliarden Euro allein im dritten Quartal taumelt der US-Autobauer Chrysler in seine zweite große Krise nach der Fusion mit Daimler-Benz 1998. Besonders bitter für Zetsche, dem die harte Sanierung des verlustreichen US-Autobauers maßgeblich den Weg an die Konzernspitze ebnete.

Im Gespräch mit Journalisten in Peking hatte sich Zetsche, der noch vor kurzem als gefeierter Chrysler-Sanierer "Dr. Z" in amerikanischen TV-Spots Werbung für die Autos machte, die negative Entwicklung in keiner Weise anmerken lassen. Spötter meinen, nun sei die alte Ordnung wieder hergestellt: Mercedes glänzt und stütz den Konzern und Chrysler kämpft.

Schlechte Zeiten für US-Marken

Eigentlich dachte man allgemein, Chrysler sei mit einem moderneren Produktmix besser dran als die ebenfalls mit hohen Verlusten kämpfenden großen US-Wettbewerber Ford oder General Motors (GM). Doch in Wirklichkeit gelten 72 Prozent der Chrysler-Modelle, wie Zetsche selbst bestätigte, als große Spritschlucker. Bei Ford und GM machen die einst hochprofitablen schweren Wagen noch rund 65 Prozent aus. Bei den hohen Benzinpreisen wollen die Amerikaner aber lieber kleinere Autos fahren.

Eine weitere ruinöse Rabattschlacht frisst nun das Geld auf. Um den Absatz doch noch anzukurbeln, bietet Chrysler eine zinsfreie Finanzierung auf 72 Monate und Mitarbeiterpreise für alle. Hinzu kommen die hohen Zuschüsse für Gesundheitskosten, bei denen die Automobilarbeitergewerkschaft UAW im Fall von Chrysler wegen der angeblich besseren finanziellen Lage keine Zugeständnisse wie bei Ford und GM machen wollte.

Warten auf den Boom

Klar kommen jetzt neue sparsamere Modelle, doch bis die im Markt richtig angekommen sind, vergeht viel Zeit und muss massiv Geld in die Hand genommen werden. Noch jüngst hatte Zetsche seinen Nachfolger Tom LaSorda gegen Kritik verteidigt: "Tom macht einen guten Job." Beobachter fragen sich nun, wie lange diese Aussage noch gilt.

Dabei sah es schon so aus, als habe Chrysler rechtzeitig die anstehende Krise in der US-Autoindustrie gewittert, mit einem schmerzhaften Sanierungsprogramm dagegengehalten und im Gegensatz zu Ford oder GM schon aus dem Gröbsten heraus. Während sich bei den beiden Konkurrenten die Verluste auf Milliardenbeträge addierten, demonstrierte Chrysler noch stolz schwarze Zahlen. Die Krise kündigte sich aber schon an - schließlich fiel der Chrysler-Absatz in diesem Jahr bis Ende August um zehn Prozent auf rund 1,62 Millionen Fahrzeuge.

Sanierung umsonst?

Zetsche wurde in den vergangenen Jahren immer wieder - auch von den Amerikanern, wie gern betont wird - viel für die konsequente Art gelobt, mit der er bei Chrysler nach der Machtübernahme im November 2000 aufräumte und aus den roten Zahlen führte. Zusammen mit dem heutigen Volkswagen-Markenchef Wolfgang Bernhard als Vize strich er rund 30.000 Jobs und schloss sechs Fabriken. Das Schlimmste habe Chrysler hinter sich, wurde danach immer wieder bekräftigt. Der neuerliche Milliardenverlust stellt den hart erkämpften Sanierungserfolg nun in Frage.

DPA / DPA