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DAIMLERCHRYSLER: Deutschlands teuerster PKW

Wer mindestens 310 000 Euro übrig hat, kann sich bald einen Maybach in die Garage stellen - wenn sie groß genug ist. Die neue Luxuslimousine von DaimlerChrysler kommt im Herbst in zwei Versionen auf den Markt.

Deutschlands teuerster Pkw kann ab sofort bestellt werden. Wer 310.000 Euro für das 'kleine' Modell oder 360.000 Euro für die Langversion übrig hat, kann sich in einigen Monaten einen Maybach in die Garage stellen - wenn sie groß genug ist. Denn der »Maybach 57« ist 5,72 Meter und der »Maybach 62« 6,16 Meter lang, wie DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert am Donnerstag im Werk Sindelfingen erläuterte. Der Preis für das »High-End-Auto« sei durchaus fair, meinte der Mercedes-Chef.

Skepsis bei Wachstumschancen

Mit Maybach und der Kraft von Mercedes-Benz rollt ein mächtiger Konkurrent auf den Markt der Luxusautos für die Superreichen, der von den deutschen Autokonzernen beherrscht wird. Rolls Royce gehört ab 2003 zu BMW und die kaum weniger feine Marke Bentley dem Volkswagen-Konzern. Auf rund 8.000 bis 8.500 pro Jahr schätzt Autoboss Hubbert das jährliche Potenzial solcher Fahrzeuge. Und er sieht noch Platz für weiteres Wachstum: »Der Markt fragt nach Produkten wie dem Maybach«. Diese Ansicht teilt nicht jeder: Autoexperte Prof. Willi Diez beurteilt die Wachstumschancen im Luxusmarkt eher skeptisch. Wenn sich die hohen Investitionen der Hersteller rentieren sollen, müsste sich der Markt bis 2008 verdoppeln.

Hauptmarkt für Luxusautos bleibt USA

Hubbert erklärte, dass der kleine Maybach durchaus in Konkurrenz zu neuen Modellen von Rolls Royce und Bentley stehen könnte. Mit dem Maybach 62 wird allerdings ein eigenes Segment kreiert. Die Langversion hat unter anderem im Fond Liegesitze, die sich ähnlich wie in der First Class eines Jets wie zu einem Bett ausfahren lassen. Dass für den Maybach bereits 200 Vorbestellungen vorliegen, wurde von einem Sprecher nicht dementiert. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für das Luxusauto. Hier sollen 40 Prozent abgesetzt werden, gefolgt von Europa (25 Prozent) und Asien (19 Prozent).

Gut für's Image

Viel Geld wird DaimlerChrysler an dem Maybach allerdings nicht verdienen. Das Ganze ist eher eine imageträchtige Veranstaltung: »Der Maybach soll über seinen Lebenszyklus gesehen, sein Geld zurückverdienen.« Wobei Hubbert deutlich macht, dass beim Maybach die Zeit bis zum Modellwechsel mit etwa 8 bis 12 Jahren länger als bei einem normalen Pkw ausfallen wird.

Eine der exklusivsten Marken

DaimlerChrysler belebt nach 60 Jahren eine der exklusivsten deutschen Automarken. Wilhelm Maybach, langjähriger Gefährte Gottlieb Daimlers, war der geistige Vater des ersten Mercedes Typ 35 aus dem Jahr 1901. Sein Sohn Karl baute ab 1921 technisch sehr anspruchsvolle Personenwagen, von denen bis 1941 rund 1.800 gebaut wurden. Der alte Maybach galt als Auto der Könige und Weltstars. Dies könnte auch beim neuen Modell so sein. Denn bis jetzt haben bereits die Königshäuser aus Japan, Saudi-Arabien und Jordanien konkretes Interesse gezeigt.

Alles individuell, alles Handarbeit

Neue Wege geht DaimlerChrysler mit dem Vertrieb. Weltweit werden etwa 50 Maybach-Zentren gebaut - in Deutschland in Sindelfingen, Berlin und München. Hier kann und muss sich der Kunde sein Auto ganz individuell zusammenstellen - ein fertiges Maybach-Modell aus dem Katalog gibt es nicht. »Alles, was möglich ist, wird gemacht«, lautet das Credo. 300 Mitarbeiter bauen in Sindelfingen dann das Auto - weitgehend in Handarbeit. Die Jahreskapazität beträgt 1.000 Exemplare. Als Antrieb dient ein 12-Zylinder-Bi-Turbo mit 550 PS - laut Werk der leistungsstärkste PKW-Serienmotor. Am 2. Juli ist eine Premierenshow, geplant. Seine Publikumspremiere hat der Maybach Ende September auf dem Pariser Autosalon.

Frank Heidmann