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Datenschützer alarmiert: Daimler verlangt angeblich Blutproben von Jobsuchenden

Neuer Datenskandal - oder bloße Vorsichtsmaßnahme eines besorgten Unternehmens? Der Autobauer Daimler ist ins Gerede gekommen, weil er von Jobsuchenden offenbar noch vor der Einstellung Bluttests verlangt hat. Das berichtet der Radiosender NDR Info. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, dennoch haben sich Datenschützer eingeschaltet.

Daimler hat Vorwürfe zurückgewiesen, bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern fragwürdige Methoden anzuwenden. Der Norddeutsche Rundfunk berichtete am Mittwoch, Jobsuchende müssten schon während des Bewerbungsverfahrens bei dem Autobauer Blutproben abgeben. Dem Sender NDR Info liegen eigenen Angaben zufolge Unterlagen vor, wonach Bewerbern Blut abgenommen wurde, obwohl es noch keine Zusage für eine Arbeitsstelle gab.

Eine Daimler-Sprecherin sagte, zu Beginn des Bewerbungsverfahrens - zum Beispiel im Rahmen von Assessment Centern - würden weder Blut- noch Gesundheitstests gemacht. Dies erfolge erst bei den Einstellungsuntersuchungen, die vor oder nach einer endgültigen Zusage für die Stelle gemacht würden. Dabei werde untersucht, ob der Bewerber für die Stelle geeignet sei. "Das sind die üblichen Einstellungsuntersuchungen", sagte die Sprecherin.

Daimler: Tests nur nach der Einstellung

Die Tests werden ihren Angaben zufolge beim werksärztlichen Dienst gemacht. Dieser teile der Personalabteilung anschließend mit, ob der Bewerber geeignet oder nicht geeignet sei. "Befunde und Diagnosen werden nicht weitergegeben." Diese würden direkt mit den Jobsuchenden besprochen. Der Arbeitgeber habe aber eine Fürsorgepflicht. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel Diabetes habe, müsse auf geregelte Schicht- und Arbeitszeiten geachtet werden.

Inzwischen haben sich auch Datenschützer in den Fall eingeschaltet. "Daimler wurde umgehend von uns aufgefordert, sich zu äußern", sagte ein Sprecher der zuständigen baden-württembergischen Aufsichtsbehörde für Datenschutz am Mittwoch. Dazu, ob solche Test grundsätzlich zulässig sind, wollte er sich nicht äußern. Die Fälle sollten einzeln geprüft werden, sagte der Sprecher.

Rüge von Datenschützern

Gleichzeitig zu den jetzt erhobenen Vorwürfen wurde bekannt, dass sich das schwäbische Unternehmen wegen der unzulässigen Speicherung von Krankendaten von Mitarbeitern eine Rüge der baden-württembergischen Datenschutzbehörde eingefangen hat. Das Innenministerium teilte am Mittwoch in Stuttgart mit, die Verstöße gegen den Datenschutz im Werk Bremen im Frühjahr seien "erheblich" und daher zu beanstanden. Ein Bußgeld sei nur deshalb nicht verhängt worden, da Sachbeweise nicht mehr vorgelegen hätten und zum Teil bereits vor den amtlichen Untersuchungen gelöscht worden seien.

Die Behörde kritisierte insbesondere, dass Mitarbeiter-Daten und Angaben über ihren Gesundheitszustand ohne Einwilligung der Betroffenen erhoben wurden. Sogar Führungskräfte, denen die betroffenen Mitarbeiter nicht unterstanden, hätten darauf Zugriff gehabt.

Bereits im Januar war der Stuttgarter Autobauer vom baden-württembergischen Datenschutzbeauftragten wegen rechtswidriger Speicherung und Weitergabe von Gesundheitsakten der Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gerügt worden.

DPA / DPA