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Deutsche Bank: "Das lässt die Peanuts-Affäre wieder aufleben"

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen sorgen bei der Deutschen Bank für wenig Begeisterung - Prozesse und Ermittlungen halten die Anwälte des Instituts auf Trab. Doch mehr als dies schadet ihrem Image womöglich eine symbolische Geste vor Gericht.

Seit der vergangenen Woche stehen die Deutsche Bank und ihr Vorstandssprecher Josef Ackermann im grellen Licht der Öffentlichkeit. Emotionen beherrschen das Bild im spektakulären Mannesmann-Prozess: Arrogantes Auftreten und Beleidigung des Gerichts werfen die einen Ackermann vor. Die anderen sehen durch den Prozess, der an diesem Mittwoch fortgesetzt wird, den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet. Die Börse reagiert gelassen: Der Aktienkurs der größten deutschen Bank hat sich seit dem Auftakt des Verfahrens kaum verändert.

Anwälte auf Trab

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen sorgen in den Frankfurter Zwillingstürmen für wenig Begeisterung. Neben dem Mannesmann-Prozess ist die Deutsche Bank noch in einen weiteren Rechtsstreit verwickelt, in dem sich der ehemalige Vorstandssprecher und heutige Aufsichtsratschef Rolf Breuer sich gegen schwere Vorwürfe des Ex-Medienunternehmers Leo Kirch zur Wehr setzen muss. Außerdem halten Ermittlungen der italienischen Justizbehörden im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal um den Lebensmittelkonzern Parmalat die Anwälte des Kreditinstituts auf Trab.

Doch möglicherweise schaden diese Streitigkeiten dem Image der Bank weniger als eine symbolische Geste Ackermanns im Düsseldorfer Gericht: Das "Victory-Zeichen", das der 55-jährige Schweizer lächelnd den Kameras entgegenstreckte - angeblich eine scherzhaft gemeinte Nachahmung von Popstar Michael Jackson. "Die Gestik, Mimik und Aussprüche von Ackermann waren wenig dazu angetan, ein Bild von Glaubwürdigkeit und Sympathie zu erzeugen", resümiert Christoph Fasel, Experte für Krisenkommunikation bei der Unternehmensberatung WortFreunde.

"Das lässt die Peanuts-Affäre wieder aufleben"

Ackermann habe nicht den Eindruck hinterlassen, dass er sich mit den Vorwürfen gegen ihn sachlich auseinandersetzen wolle. Sein Auftreten könnte alte Erinnerungen wecken. "Das lässt die Peanuts-Affäre wieder aufleben", meint Fasel. Mit diesem Begriff, dem "Unwort des Jahres 1994", hatte einer von Ackermanns Vorgängern, Hilmar Kopper, offene Handwerker-Rechnungen in Höhe von rund 50 Millionen DM (26 Mio Euro) nach der Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider abgetan.

Andere Beobachter lässt der Prozess kalt. "Der Markt rechnet mit einem günstigen Urteil", stellt Analyst Fabian Brunner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) fest. Das Risiko, dass Ackermann in Folge des Verfahrens abtreten müsse, werde als sehr gering eingestuft. Die Investoren interessieren sich viel mehr für die Zahlen, die die Deutsche Bank am 5. Februar für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen wird. "Da fällt für mich der Hammer", meint Brunner.

Zahlen und Psychologie

So unterschiedliche Standpunkte zeigen, dass es in der Wirtschaft auf beides ankommt: Die Zahlen auf der einen Seite und Psychologie auf der anderen. Für die Großkunden der Deutschen Bank mit ihren ebenso hoch bezahlten Managern mag der Prozess ein Anlass sei, sich demonstrativ hinter Ackermann zu stellen. Und mancher Kleinsparer wird sich vielleicht überlegen, ob er sein neues Konto lieber bei einer Volksbank als eben bei der Deutschen Bank - Werbemotto: "Leistung aus Leidenschaft" - eröffnet.

Alexander Missal / DPA