HOME

Vorstandsumbau: Deutsche Bank setzt Jain auf den Schleudersitz

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Kurz vor der Hauptversammlung baut der Konzern den Vorstand um. Anshu Jain ist nun unangefochtene Nummer eins, doch auch seine Position wackelt.

18 Monate Zeit hat Vorstandschefs Anshu Jain, um sein Können zu beweisen. Dnach heißt es: hopp oder topp.

18 Monate Zeit hat Vorstandschefs Anshu Jain, um sein Können zu beweisen. Dnach heißt es: hopp oder topp.

Die Distanz ist spürbar: Als Aufsichtsratschef Paul Achleitner am Donnerstag die Hauptversammlung der Deutschen Bank eröffnet, klagt er über das ramponierte Image der Bank und stellt den beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein allenfalls mittelmäßiges Zeugnis aus. Lob für die Arbeit der Doppelspitze gibt es nicht - auch nicht für Jain, den Achleitner in einem kurzfristig beschlossenen Vorstandsumbau wenige Stunden vorher zur unangefochtenen Nummer eins bei Deutschlands größtem Geldhaus gemacht hat. Die Doppelspitze mit Jürgen Fitschen ist ein Auslaufmodell. "Achleitner steht hinter Jain", sagt ein Teilnehmer der Beratungen im Aufsichtsrat.

Das mag auf den ersten Blick ein Vertrauensbeweis sein. Aber tatsächlich sitzt Jain nun auf einem Schleudersitz: hopp oder topp. "Jain hat jetzt zwölf bis 18 Monate Zeit zu liefern", heißt es bei einem Großinvestor der Bank. Der gebürtige Inder leitet nun persönlich die Neuaufstellung der Bank unter dem Schlagwort "Strategie 2020". Achleitner habe das Institut ganz auf ihn zugeschnitten. Nun muss Jain einen Schlussstrich unter die unzähligen Skandale ziehen, die bescheidener gewordenen Renditeziele erfüllen und die wütenden Aktionäre mit höheren Dividenden besänftigen. "Wenn Jain keine überzeugenden Ergebnisse präsentiert, ist er weg. Das ist seine letzte Chance."

"Plan B" ist einsatzfähig

Und wenn er sie nicht nutzt? Achleitner, den Vertraute als gewieften Strategen beschreiben, hat bereits vorgesorgt und von seinem ehemaligen Arbeitgeber Goldman Sachs Marcus Schenck zur Deutschen Bank geholt. Der 49-Jährige übernimmt nach der Hauptversammlung das wichtige Finanzressort. Schenck ist eingearbeitet, Achleitners "Plan B" damit einsatzfähig. Wenn ihm keine groben Schnitzer unterlaufen, kann Schenck nächstes Jahr eingewechselt werden und die Führung der Bank übernehmen, sind sich auch andere Großaktionäre sicher.

Er ist der Hoffnungsträger für die Bank, für Achleitner, für die Zeit nach der Doppelspitze und auch für die Zeit nach Jain. Fast unisono heißt es aus dem Eignerkreis: Schenck komme zwar auch aus dem Investmentbanking. Aber er sei nach seinem kurzen Ausflug in den Vorstand des Energieriesen E.ON auch sehr gut in der deutschen Wirtschaft verdrahtet. Und: er spricht im Gegensatz zu Jain fließend Deutsch. Mit der Allzweckwaffe Schenck wäre eine Doppelspitze obsolet. Fitschens Vertrag läuft ohnehin 2017 aus. Bei der Verteilung der wichtigen Aufgaben für die Zukunft ging er jetzt konsequenterweise leer aus.

Es geht auch um Achleitners Kopf

Drei Stunden lang hatte der Aufsichtsrat am Vorabend des Aktionärstreffens über den Vorstandsumbau beraten. Angestoßen hatte ihn Achleitner, nachdem die Enttäuschung einflussreicher Investoren über den am Ende nur "kleinen" Strategiewurf der Bank immer lauter zu vernehmen war. "Achleitner wollte wieder in die Offensive kommen", berichtet ein Insider, der bei den Gesprächen in den Doppeltürmen im Frankfurter Bankenviertel dabei war. Der 58-jährige Achleitner weiß genau: es geht inzwischen auch um seinen eigenen Kopf, schließlich war er vor drei Jahren zeitgleich mit den beiden Vorstandschefs neu angetreten. Damals machten noch gemeinsame Fotos des strahlenden Trios die Runde. Von dieser demonstrativen Geschlossenheit ist nichts mehr übrig. Inzwischen sagt Achleitner Sätze wie: "Es geht um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen."

Kathrin Jones/Reuters / Reuters