Deutsche Börse AG Börsen-Chefs unterliegen im Machtkampf


Einer der heftigsten Machtkämpfe in der deutschen Unternehmensgeschichte ist beendet. Börsen-Chef Werner Seifert räumt sofort seinen Posten. Ein weiterer Spitzenmanager folgt später.

Es war ein langer und teilweise sehr persönlicher Konflikt, für den sich die Führungsspitze der Deutschen Börse am Montag bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates rechtfertigen musste - und schließlich die Konsequenzen zog. Vorstandschef Werner Seifert verlasse das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, Aufsichtsratschef Rolf Breuer werde zum Jahresende ausscheiden, teilte die Deutsche Börse in Frankfurt nach der Sitzung mit.

Machtkampf mit persönlicher Note

Der Kampf um die Macht in dem Dax-Unternehmen tobt seit langem. Anlass war die versuchte Übernahme der Londoner Börse (London Stock Exchange/LSE). Im Mai 2000 stellte die Deutsche Börse erstmals Pläne zu einer "Mega-Fusion" der beiden Handelsplätze vor. Es folgte ein jahrelanges Gerangel mit Offerten und Gegenofferten.

Die Anteilseigner der Deutschen Börse um den britischen Hedgefonds TCI zogen schließlich die Notbremse. Sie erzwangen im März 2005 den Abbruch der Fusionspläne. Anschließend hatten sie den Rücktritt von einigen Aufsichtsräten sowie dem Chef des Kontrollgremiums gefordert.

Die gescheiterte Übernahme hatte zu einem bissigen Konflikt zwischen Seifert und TCI-Chef Chris Hohn geführt. Seifert hatte in einem per Pressemitteilung veröffentlichten Brief den Hedge-Fonds und Großaktionären schwere Vorwürfe gemacht. Die Antwort Hohns kam prompt und Provozierend.

Im letzten Satz seines Briefes heißt es: "Als ein Angestellter des Unternehmens, der nach meinem Wissen nie eine einzige Aktie von dem Unternehmen gekauft hat, sind ihre Interessen aus ökonomischen Perspektive am wenigsten auf die der Aktionäre ausgerichtet." Sätze und Briefwechsel wie diese sind bislang ohne Beispiel in der deutschen Unternehmensgeschichte und zeigen wie sehr der Machtkampf auf die persönliche Ebene gezogen worden war.

"Dieses Unternehmen war nirgendwo, als ich kam"

Vermutlich ist dies auch der Grund, warum Seifert eher das Ruder herumgerissen hat, als eigentlich nötig gewesen wäre. Ursprünglich hätte er bis zur Hauptversammlung an 25. Mai Zeit gehabt, seine Pläne und Position zu retten. Statt auf persönlichen Briefwechsel wollte der Börsenchef bis dahin auf Fakten setzen. Er wollte vor allem die positiven Zahlen für sich sprechen lassen. Doch Kritiker hatten diesen Plan schon längst als vergebens eingeschätzt. Seifert habe sich während der Übernahmeschlacht zu hitzig gegeben und sich zu sehr von Hohn provozieren lassen.

Seifert selbst sah das anders. Zwölf Jahre hatte er an der Spitze des Börsenetreibers gestanden. Nach seiner eigenen Ansicht zwölf höchst erfolgreiche Jahre. "Dieses Unternehmen war nirgendwo, als ich kam", sagte er einmal in einem Interview.

Aufsichtsratschef Rolf Breuer hatte Seifert als Einziger noch den Rücken gestärkt. Nun muss er quasi als letzte Amtshandlung das Kontrollgremium und den Vorstand an die neue Eigentümerstruktur „anpassen“.

AP/DPA AP DPA

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