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Domain-Streit: Kreuzfahrt-Riese Aida verklagt Online-Portal

Exakt ein Buchstabe macht den Unterschied zwischen aida.de und aidu.de aus - und das ist dem Kreuzfahrt-Riesen Aida zu wenig. Also hat das Unternehmen das Leipziger Reiseportal Aidu verklagt. Setzt sich Aida durch, haben die Leipziger ein teures Problem.

Von Gisela Südbeck

Wenn es ums Geschäft geht, hört der Spaß auf. Diese Erfahrung machen zur Zeit die Betreiber des Internet-Reisebüros "Aidu.de - Ab in den Urlaub". Ihnen flatterte jüngst eine Markenschutzklage der Aida Cruises ins Haus. Am 8. Februar entscheidet das Landgericht Köln darüber, ob zwischen den beiden Namen Verwechslungsgefahr besteht, so dass einer weichen, sprich seinen Namen aufgeben muss. Wer das sein wird, steht für den Rostocker Kreuzfahrt-Riesen außer Frage: Das Leipziger Reiseportal soll seinen Namen ändern.

Wie so viele hat auch dieser Rechtstreit eine belebte Vorgeschichte. So zumindest beschreibt es die 2002 in Leipzig gegründete und dort ansässige Unister GmbH. Die junge Firma hat 110 Festangestellte und betreibt neben den Portalen Geld.de, preisvergleich.de und drei weiteren das Reiseportal Aidu.de, nach eigenen Angaben mit 2,5 bis 3 Millionen Visits pro Monat die Nummer drei auf dem deutschen Online-Reisemarkt. Angefangen habe der Streit mit einer harmlosen Anfrage seitens der Aida Cruises im November 2005, so Unister-Sprecherin Anja Kazda. Zu dem Zeitpunkt sei das Portal Aidu.de, das sich aus den Anfangsbuchstaben des Slogans "Ab in den Urlaub" zusammenfügt, bereits zwei Jahre online gewesen.

Die heutigen Kläger hätten damals eine "gewisse Nähe" zu ihrem Namen "Aida" angeführt und die Bitte geäußert, das Logo farblich zu ändern. "Wir sind darauf eingegangen, haben Gespräche geführt und im Mai 2006 in Rostock sogar ein Kooperationskonzept vorgelegt," erklärt Anja Kazda. Dieses sei interessiert aufgenommen worden. Und nun die Klage – für die Leipziger Jungunternehmer kam diese "abrupte Kehrtwendung" nach eigenem Bekunden "völlig überraschend". Ob das tatsächlich so ist, muss vorerst dahin gestellt bleiben: Die Gegenseite verweigert mit Hinweis auf das schwebende Verfahren jedwede Stellungnahme.

Googles gegen Google

Markenschutzklagen gegen Internetportal-Betreiber sind inzwischen ein alter Hut. 1994 wurde das alte Warenzeichengesetz von 1874 durch das Markengesetz ersetzt. Der Vertrieb von immer mehr Marken in einer immer kleiner werdenden Welt, dazu eine internationale Kommunikationsplattform wie das Internet machten eine rechtliche Neuauflage nötig. Mehr denn je zählt heute ein prägnanter Name, ein originelles Logo. Und um das zu verteidigen, legen die Unternehmen harte Bandagen an, auch wenn das Kräfteverhältnis noch so ungleich erscheint.

So strengte beispielsweise der Kinderartikel-Vertreiber Googles.com im Juli 2004 eine Markenschutzklage gegen den Suchmaschinen-Giganten Google an. Googles.com verkauft seit 1997 über das Internet Kinderartikel, darunter auch Artikel mit den "Googles from Goo" Alien-Figuren. Weil der zu Google gehörende Preisvergleichsdienst Froogle auch Kinderartikel im Portfolio habe, seien die Markenrechte von Googles.com verletzt, so die Argumentation. Der Streit konnte beigelegt werden, beide Portale bestehen weiterhin.

"Müssten alles neu anpacken"

Auf eine Zukunft für sein Aidu.de hofft auch Thomas Wagner, 28-jähriger Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Leipziger Unister GmbH. Was es bedeuten würde, wenn die Kölner Richter seinem Widersacher Recht geben, mag sich Unister-Sprecherin Anja Kuzda nur ungern vorstellen. "Wir gehen durch alle Instanzen", erklärt sie kämpferisch. Und wenn die alle verloren sind? "Dann müssten wir unser Portal umbenennen. Das heißt alles neu anpacken, worin wir einen Millionenetat investiert haben. Das wäre schlimm - Aidu ist unser ganzer Stolz."

Aus ihrer Sicht ist die Argumentation der Aida Cruises gewagt, denn wer deren Namen in einer Suchmaschine eingebe, müsste nicht automatisch eine Kreuzfahrt damit verbinden, sondern könnte ja auch auf der Suche nach einem Aufführungsort der gleichnamigen Verdi-Oper sein. Hinzu komme, dass die Aussprache beider Namen verschieden sei: Ai-Du gegen A-I-Da. Außerdem verwende man stets den Zusatz "Ab in den Urlaub". "Und den Vorwurf der Aida Cruises, wir würden uns an ihren Namen anhängen, verstehen wir überhaupt nicht, denn wir haben das Vierfache an Unique Audience", erklärt Anja Kazda. Unter "Unique Audience" versteht man die Anzahl der unterschiedlichen deutschen Besucher, die das Portal innerhalb eines Monats mindestens einmal besucht haben. Laut Nielsen Netratings kam Aidu.de im November 2006 auf einen Unique-Audience-Wert von 1.002.000, Aida.de im gleichen Zeitraum auf einen Wert von 260.000. Mit Zahlen wie diesen möchte die Unister GmbH dem Rechtstreit den David-gegen-Goliath-Touch nehmen, den das Verfahren auf den ersten Blick hat - immer ist der Rostocker Kreuzfahrt-Veranstalter nicht nur das ältere, sondern auch das wesentlich größere Unternehmen.

Noch ist Aida auf Aidu zu buchen

Wie das Kölner Landgericht am 8. Februar entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund ihres Angebots können die beiden Portale auf jeden Fall schon mal nicht verwechselt werden, denn die einen sind Reise-Veranstalter, die anderen -Vermittler. Von allen Reisen, die über Aidu vermittelt werden, sind nur 1 Prozent Kreuzfahrten. Auch die von Aida? Anja Kazda: "Klar, die gibt’s bei uns auch. Bis auf weiteres…"