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US-Strafzölle: Warum Donald Trump den Krieg um die Waschmaschine ausgerufen hat

Die Trump-Regierung verhängt Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarzellen. Weitere Attacken im Handelskrieg dürften folgen. Das ist auch für die deutsche Industrie gefährlich. Langfristig schadet Trump aber auch dem eigenen Land.

Donald Trump

US-Präsident Donald Trump kündigt neue Strafzölle an

In Sachen Kriegsgeheul steht Donald Trumps Wirtschaftsminister Wilbur Ross seinem Chef kein Stück nach. "Handelskriege werden jeden Tag ausgefochten", sagte Ross am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Jetzt besetzen die US-Truppen ihre Verteidigungsmauern." Mit diesen martialischen Worten verteidigte Trumps Wirtschaftsminister die Ankündigung der US-Regierung, künftig Strafzölle auf die Einfuhr von und Solarpaneelen zu erheben. Bei Solarzellen liegen die Zölle bei bis zu 30 Prozent, bei Waschmaschinen sogar bis zu 50 Prozent.

Die Trump-Regierung will die heimische Industrie so vor asiatischer Billigkonkurrenz schützen. Zumindest auf dem Feld der Solarindustrie dürfte das den Europäern bekannt vorkommen. Die EU erhebt selbst seit 2013 auf chinesische Solarmodule, wenn diese zu billig angeboten werden. Aber warum hat die US-Regierung nun auch die Branche der Waschmaschinen zum Schlachtfeld erhoben?

US-Hersteller fürchtet die Konkurrenz

Der Grund dafür ist einfach: Das US-Unternehmen Whirlpool, führender Hersteller von amerikanischen Waschmaschinen, hat die Regierung in Washington höchstselbst darum gebeten - und Trump nutzt die Chance, um auf seinem " First"-Feldzug einen einfachen Sieg zu verbuchen.

Whirlpool verkauft zwar selbst weltweit Waschmaschinen - in Deutschland zum Beispiel die Marke Bauknecht -, hat aber auf dem US-Heimatmarkt keine Lust mehr, sich mit der starken internationalen Konkurrenz herumzuschlagen und klagt über unzulässige Dumpingpreise. Vor allem Samsung und LG konnten in den vergangenen Jahren in den Marktanteile erobern.

2012 setzte Whirpool schon einmal Strafzölle auf Waschmaschinen aus Mexiko und Südkorea durch, doch und LG umgingen dies, indem sie die Produktion in andere Länder verlagerten. Nun sollen Trumps Truppen die unliebsame Konkurrenz mit einem wirksameren Abwehrbollwerk fernhalten. 

Auch die deutsche Industrie beobachtet Trumps Waschmaschinenkrieg mit Sorge. Nach Angaben des Zentralverbands der Elektroindustrie hat Deutschland im vergangenen Jahr Waschmaschinen im Wert von 22 Millionen Euro in die USA exportiert. Allein Bosch importierte im vergangenen Jahr eine sechsstellige Zahl von Waschmaschinen und Trocknern. "Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis und werden beobachten, wie sich diese mittelfristig auf unser Importgeschäft in die USA auswirkt", sagte ein Sprecher von Bosch dem stern. "Protektionistische Maßnahmen schaden allen Beteiligten", erklärt  Konkurrent Miele. Die Strafzölle würden "den Absatz unserer Waschmaschinen in den USA naturgemäß erschweren", größere Verwerfungen seien aber nicht zu erwarten, da Miele in den USA vor allem Kücheneinbaugeräte und Staubsauger verkaufe. 

Waschmaschinen sind nur der Anfang

Insgesamt sind Waschmaschinen für die deutsche Industrie also nur ein Nebenkriegsschauplatz. Doch schon die nächste Attacke könnte Deutschland deutlich härter treffen. Denn der deutsche Exportüberschuss gegenüber den USA und insbesondere die deutsche Stahlindustrie ist Trump ein Dorn im Auge. Namentlich nahm die US-Regierung im vergangenen Jahr bereits Salzgitter und die Dillinger Hütte ins Fadenkreuz. "Mit Sorge beobachtet die deutsche Wirtschaft den verstärkten Fokus der USA auf Handelsschutzinstrumente. Der Hang zu Protektionismus und Retorsion, bei dem die USA augenscheinlich auch Verletzungen von WTO-Regeln in Kauf nehmen, kann auch das Geschäft deutscher Unternehmen betreffen", sagte Volker Treier, Außenwirtschafts-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der DPA.

Langfristig dürfte die "America First"-Strategie auch zu Lasten der US-Verbraucher gehen. Sie müssen für moderne Produkte wie südkoreanische Waschmaschinen eben künftig mehr zahlen. Kurzfristig aber kann Trump auf die 200 Arbeitsplätze verweisen, die Whirlpool laut eigener Ankündigung nun in seinem Werk in Ohio schaffen will. Dass die Zahl angesichts von 90.000 Mitarbeitern weltweit - die Mehrzahl davon übrigens im Ausland - nicht wie ein großes Job-Wunder klingt, dürfte Trump egal sein. Denn Ohio ist wie Michigan, wo Whirlpool seinen Hauptsitz hat, ein wichtiger Swing-State, den Trump für die Wiederwahl braucht.