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Dosenpfand: Alles klar jetzt?

Schlüssiger und verständlicher für Verbraucher soll die Sache mit dem Einweg-Pfand werden. Deshalb ersann das Bundeskabinett hat eine Novelle zur Verpackungsordnung. Ob der Verbraucher sich jetzt besser orientieren kann, darf allerdings bezweifelt werden.

Die Regelungen für das umstrittene Dosenpfand sollen überschaubarer werden. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorgelegte neue Verpackungsverordnung. Damit soll das Durcheinander beim derzeitigen Pfand auf Dosen und Einwegflaschen beseitigt werden. Die neuen Regelungen zum Dosenpfand schaffen nach den Worten von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) Rechts- und Investitionssicherheit für die Wirtschaft. Für den Verbraucher werde das Pfand "schlüssiger und verständlicher", sagte Trittin in Berlin.

Künftig muss im wesentlichen auf alle Dosen und Einwegflaschen aus Plastik oder Glas ein Pfand in Höhe von generell 25 Cent gezahlt werden. Damit fallen zum Beispiel auch "Modedrinks" mit einem geringen Alkoholanteil oder Säfte ohne Kohlensäure, die in Einweg- Glasflaschen verkauft werden, unter die Pfandpflicht. Vom Einweg-Pfand befreit bleiben dagegen Weinflaschen sowie der Getränkekarton (TetraPak).

Neue Regelungen im Überblick

Was?Wie?
Pfandhöhe:Das Einweg-Pfand beträgt weiterhin 25 Cent und bei mehr als 1,5 Litern 50 Cent.
Bier/Wasser/Säfte: Pfand muss künftig auf Einweg-Verpackungen gezahlt werden, die als ökologisch nachteilig eingestuft werden. Das sind im wesentlichen Dosen und Einwegflaschen aus Plastik oder Glas. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie Bier, Mineralwasser, Saft, Erfrischungsgetränke oder "Modedrinks" enthalten. Denn das Einweg- Pfand wird abhängig von der Verpackungsart erhoben. Als umweltfreundlich gelten Getränkekartons (TetraPak) und Schlauchbeutel für Milch. Für diese Verpackungen gilt: Pfandfrei. Ein Saft in der Einweg-Glasflasche wird also künftig bepfandet, ein Saft im TetraPak aber nicht.
Wein/Sekt/Spirituosen:Komplett ausgenommen vom Einweg-Pfand werden Wein- und Sektflaschen sowie Schnaps und andere Spirituosen.
Milch:Trinkmilch bleibt weitgehend vom Einweg-Pfand befreit, weil sie in Deutschland hauptsächlich in umweltfreundlichen Kartonverpackungen und Schlauchbeuteln verkauft. Auf Milch in Plastikflaschen wird aber Pfand erhoben. Damit soll ein Vordringen der Plastikflasche auf dem Milchmarkt verhindert werden.
Milchprodukte:Einweg-Verpackungen mit Dickmilch, Buttermilch und Milchmischgetränken bleiben pfandfrei. Generell gilt, dass die Pfandpflicht bei Milcherzeugnissen auf solche Produkte begrenzt wird, deren Milchanteil unter 50 Prozent liegt. Für Säfte und andere Getränke mit einem nur geringen Anteil von Milch oder Molke wird daher Pfand fällig, es sei denn sie werden im umweltfreundlichen TetraPak angeboten.
Sonstiges:Bestimmte diätetische Lebensmittel wie Babynahrung im Glas sind vom Pfand befreit. Auf das Fünf-Liter-Partyfass mit Bier muss ein Pfand von 50 Cent gezahlt werden.

Problem Rücknahmesystem noch nicht gelöst

Die neue Verordnung muss noch Bundestag und Bundesrat passieren und soll im Herbst in Kraft treten. Aber auch mit dieser Novelle sind nicht alle Probleme beim Dosenpfand beseitigt. Denn für Einweg-Leergut existiert im Gegensatz zum Mehrweg-System kein bundesweites Rücknahmesystem. Grund ist der Boykott von Teilen des Handels. Eigentlich hatte sich der Handel verpflichtet, bis Anfang Oktober ein nationales Rücknahme-System aufzubauen. Dann wurde diese Zusage aber aufgekündigt. Unter der Führung des Kiosk-Belieferers Lekkerland-Tobaccoland soll nun bis Herbst ein weitgehend flächendeckendes Rücknahmesystem entstehen.