Douglas Der Weihnachtsmann


Seine Gaben werden auch dieses Jahr millionenfach unterm Tannenbaum liegen: Wie Henning Kreke, Eigentümer des Lifestylekonzerns Douglas, die Deutschen zum Kaufen verführt.

Der Weihnachtsmann trägt eine violette Krawatte zum Nadelstreifenanzug. Er hat blaue Augen, Gel im welligen Haar und eine dicke Uhr am Handgelenk. Sein Schreibtisch steht in einem unscheinbaren Bürogebäude in einem Industriegebiet in Hagen, dahinter führt die Autobahn nach Köln.

Der Weihnachtsmann aus dem Ruhrgebiet heißt Henning Kreke und ist Chef der Douglas Holding AG. Er entscheidet, was bei den Deutschen unterm Weihnachtsbaum liegt. Denn egal, ob Frau oder Mann, alt oder jung - Millionen Kunden, die jetzt Weihnachtsgeschenke kaufen, landen in Krekes Läden.

Zum Douglas-Konzern gehören nicht nur die gleichnamigen Parfümerien - über 400 Geschäfte in Deutschland -, sondern auch die Thalia-Buchläden und die Schmuckkette Christ. Parfüm, Bücher, Uhren und Schmuck stehen auf der Liste der Geschenke traditionell ganz oben - gefolgt von Süßigkeiten und Kleidung. Auch daran verdient das Hagener Familienunternehmen: mit den Süßwarenläden Hussel, den Damenmode-Filialen von Appelrath-Cüpper und dem Herrenausstatter Pohland.

Gehobene Produkte attraktiv verkaufen

Weihnachten ist die Hochzeit in Krekes feinem Imperium: 20 Prozent des Jahresumsatzes von 2,4 Milliarden Euro erzielt Douglas im Dezember. Selbst Heiligabend wird von einem Teil der Bevölkerung noch zum Einkaufen genutzt. "Am 24. Dezember sind bei uns fast nur Männer in den Läden", sagt Kreke. Von den Umsatzeinbrüchen des Handels beim Weihnachtsgeschäft blieb Douglas weitgehend verschont.

Der Konzern ist Marktführer in Deutschland bei Parfüm, Schmuck, Büchern und Süßigkeiten. "Das Unternehmen hat eine klare Strategie: Lifestyle", sagt Christian Bruns, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim. In Deutschland gibt es keinen Einzelhändler, der gehobene Produkte für Kunden so attraktiv verkauft. Ähnlichen Geschäftserfolg haben nur noch die Discounter.

Damit Douglas auch diese Weihnachten wieder vorne liegt, reist Kreke von Filiale zu Filiale, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass alles bereit ist für den Ansturm der Kunden. Bis ins Detail. Bei seinem Besuch in der Parfümerie in der Hagener Fußgängerzone weist er stolz auf die neuen Halogenspots hin, die jeden Winkel ausleuchten, und auf ein neues Nagelstudio. "Wir wollen nicht der klassische Filialist sein, bei dem man denkt: Hast du einen gesehen, hast du alle gesehen", sagt Kreke. Ein hoher Anspruch, den längst nicht alle Läden einlösen, die Unterschiede liegen schon sehr im Detail. Kreke: "Wir wollen den Zeitgeist treffen, aber nicht überziehen." So gibt es in diesem Jahr neben den klassischen Weihnachtsfarben auch Papier und Schleifen in Türkis - mehr Wagemut ist nicht drin.

So richtig daneben lag er bisher nur mit dem Douglas-Werbespruch "Come in and find out" - von vielen verspottet als "Komm rein und finde wieder raus". Seit vergangenem Jahr heißt es nun bieder, aber verständlich: "Douglas macht das Leben schöner."

"Schon morgens am Frühstückstisch wurde übers Geschäft gesprochen"

Eine Devise, die seit mehr als 180 Jahren gilt. 1821 richtete der schottische Einwanderer John Sharp Douglas in Hamburg eine Seifenfabrik mit Ladengeschäft ein. Verkaufsschlager waren damals Mandelseife und Vaselineprodukte. Die Seifenfabrik schloss, die Parfümerie überstand zwei Weltkriege, bis in den Siebzigern der Chef der Schokofirma Hussel, Jörn Kreke - Vater von Henning Kreke -, die damals sechs Hamburger Parfümeriefilialen übernahm. Die Idee, die Süßwarenkette zum Lifestylekonzern umzubauen, passte Anfang der 70er Jahre noch auf eine Serviette. Die bekritzelte Jörn Kreke zusammen mit zwei Managern "nur so zum Spaß". Inzwischen ist Douglas in 17 Ländern mit 872 Parfümerien vertreten, knapp 19.000 Menschen arbeiten europaweit für das Unternehmen, und das Vermögen der Familie wird auf 400 Millionen Euro geschätzt.

Henning Kreke, der heutige Chef, ist mit dem Verkaufen groß geworden. "Schon morgens am Frühstückstisch wurde bei uns übers Geschäft gesprochen", erzählt er. "Ich wollte immer in den Einzelhandel." Nachdem er in Texas Betriebswirtschaft studiert hatte, stieg er bei seinem Vater ein. Er wirkt deutlich jünger als 40, vor allem, wenn er lacht. Kaum zu glauben, dass seine älteste Tochter schon zwölf geworden ist.

Seit er vor vier Jahren das Geschäft übernahm, setzt er eigene Duftmarken. Kreke junior verkaufte die Billigschmuckläden Goldmeister. Jetzt muss er die angestaubte Herrenmarke Pohland sanieren. In Frankfurt auf der Zeil hat er ein "House of Beauty" eröffnet, wo Parfüm und Mode unter einem Dach angeboten werden. In den Parfümerien sollen in Zukunft Haarpflegeprodukte angeboten werden und Friseursalons eröffnen.

Viele Verkäuferinnen sind mit einer Erfolgsprämie am Umsatz beteiligt

Kreke ist ein Familienmensch, mit seiner amerikanischen Frau und den vier Kindern lebt er auf einem Bauernhof außerhalb von Hagen. Er spricht viel von Werten und Verantwortung. Und er hält sich selbst für einen guten Chef. Seine Angestellten will Henning Kreke "begeistern" - damit sie die Kunden begeistern.

Er glaubt so sehr an das Gute in seinem Unternehmen, dass er einen Betriebsrat für überflüssig hält. "Wir konnten bisher keinen installieren, die Notwendigkeit wird scheinbar nicht erkannt", sagt Malene Volkers von der Gewerkschaft Verdi, die bei Douglas im Aufsichtsrat sitzt. Kreke sagt dazu: "Ich habe das Gefühl, dass die Mitarbeiter sich bei uns wohl fühlen und wissen, dass wir in ihrem Sinne entscheiden." Nur bei den Buchhändlern, die 2001 durch den Kauf der Buchhandelskette Thalia dazukamen, gibt es Betriebsräte.

Auch den Eindruck, in seinen Filialen würden nur Frauen unter 30 arbeiten, weist Kreke zurück: "Wir legen Wert auf einen guten Mix aus reiferen und jüngeren Mitarbeiterinnen - alles andere wäre bei unserer Kundschaft unglaubwürdig." Auch wenn ihr wegen der fehlenden Betriebsräte nicht wohl ist, "gibt es bei Douglas weniger zu beanstanden als in anderen Handelsketten", sagt Gewerkschafterin Volkers. Denn der Konzern zahlt offensichtlich nach Tarif und beschäftigt zum großen Teil Vollzeitkräfte - eine Ausnahme im Einzelhandel. Viele Verkäuferinnen sind mit einer Erfolgsprämie am Umsatz beteiligt. Wie hoch die ist, will Kreke nicht sagen. Aber darauf, dass das Weihnachtsgeld auch in diesem Jahr in voller Höhe gezahlt wird, ist er stolz.

Jedes Jahr kommen neue Filialen hinzu

Kreke verdient im Jahr 875.000 Euro Gehalt. Das ist weniger, als sein Vorstandsvize Claus Mingers, 59, bekommt. Kreke findet das in Ordnung, schließlich habe Mingers in 35 Jahren viel fürs Unternehmen geleistet: "Ich stehe erst am Anfang meiner Karriere. Und das Gehalt kann sich bei guter Entwicklung noch etwas verändern."

Doch die ist auch bei Douglas keine Selbstverständlichkeit. Von dem börsennotierten Unternehmen - die Familie hält 35 Prozent der Aktien, Familie Oetker weitere 12 Prozent - verlangt der Aktienmarkt permanentes Wachstum. Das gelingt dem Edel-Krämerladen derzeit vor allem bei den Parfümerien im Ausland. In Deutschland kommt das Wachstum eher von den Büchern und vom Schmuck, weniger von den Duftläden. Unterm Strich legte Douglas, anders als viele andere Einzelhändler, in diesem Jahr abermals zu. Jedes Jahr kommen neue Filialen hinzu.

"Wir gehen dahin, wo der Kunde ist", sagt Henning Kreke, der schon als Zehnjähriger gern vor Schaufenstern stand. Will der Kunde nicht in die Fußgängerzone, geht Douglas auch in Shoppingcenter auf der grünen Wiese. Der Konzern ist der größte Kunde von ECE, Marktführer beim Bau von Einkaufszentren in Europa. Chef ist der Versandhausnachkomme Alexander Otto. Jeden siebten Mietvertrag schließt ECE mit einer Douglas-Tochter ab. Deshalb ähneln viele Shoppingcenter einander so sehr. "Die Parfümerien liegen an zentralen Orten, wo besonders viele Kunden vorbeikommen, am besten im Umfeld von Mode und Schmuck", sagt Klaus Striebich, Geschäftsführer für Vermietungen bei ECE. "Buchläden werden dagegen von den Kunden direkt angesteuert."

"Wie bekomme ich beispielsweise Christ-Kunden zu Thalia?"

Es stört Kreke nicht, dass die meisten Kunden nicht wissen, welche Ketten zu seinem Unternehmen gehören. "Unsere Geschäftsführer sollen das tun, was für ihre Marke gut ist, und weniger darüber nachdenken: Wie bekomme ich beispielsweise Christ-Kunden zu Thalia?"

Dass aber alles doch zusammengehört, das lernt ein Kreke von klein auf. Sein achtjähriger Sohn Christopher, so erzählt er, habe ihm neulich gesagt: "Ich will vielleicht auch mal das machen, was du machst, Daddy: Parfüm, Bücher und Schmuck verkaufen." Da hat sich Henning Kreke gefreut.

Catrin Boldebuck print

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