Einigung GDL und Bahn legen Tarifstreit bei


Elf Monate lang haben die Verhandlungsführer von Bahn und GDL um eine Einigung im Tarifkonflikt gerungen. Nun ist der Tarifvertrag unterschriftsreif. Gewerkschafter und Politiker äußern sich erleichtert, die Bahn fürchtet dagegen die Kosten des Tarifvertrags.

Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben nach elf Monaten erbitterten Streits ihre Tarifverhandlungen abgeschlossen. Das erklärten GDL-Chef Manfred Schell und das für Personal zuständige Vorstandsmitglied der Bahn, Margret Suckale, am Mittwochabend nach einer letzten sechsstündigen Verhandlungsrunde in Berlin. Gleichwohl sind zwei weitere Spitzengespräche nötig, um noch strittige Punkte unter Dach und Fach zu bringen. Die Einigung wurde allgemein mit Erleichterung aufgenommen. Schell sagte: "Der Tarifvertrag ist so weit fertig, dass das, was wir heute besprochen haben, morgen früh paraphiert werden kann."

Er umfasst die bereits mit Bahnchef Hartmut Mehdorn Anfang Januar ausgehandelten Entgelterhöhungen von acht Prozent zum 1. März von acht Prozent und zum 1. September um weitere drei Prozentpunkte sowie eine Einmalzahlung von 800 Euro. Er könne mit dem Ergebnis leben, sagte Schell und gab sich zuversichtlich, dass auch der für kommende Woche einberufene Vorstand seiner Organisation und die Tarifkommission dem zustimmen würden.

Vertrag kostet Bahn "sehr viel Kraft"

Suckale sagte: "Der Tarifvertrag steht." Die Kosten aller in den letzten Monaten mit den drei Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA abgeschlossenen Tarifvereinbarungen bezifferte sie auf 1,6 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre. Es werde die Bahn AG "sehr viel Kraft kosten", diese Kosten zu meistern. Am Donnerstag werde der Vertrag mit der GDL unterschriftsreif formuliert und später nach Billigung durch die Gremien beider Parteien endgültig unterzeichnet. Die Managerin gab sich zuversichtlich, dass die Gewerkschaften untereinander sich in der kommenden Woche auf eine Kooperationsvereinbarung einigen können, die "nachhaltig und langfristig" sei.

Neben den vereinbarten Entgeltstrukturen wird ab März 2008 auch die neue Entgeltstruktur für Lokomotivführer eingeführt. Ab 1. Februar 2009 reduziert sich darüber hinaus die wöchentliche Arbeitszeit für Lokomotivführer um eine auf 40 Stunden. Der Vertrag soll rückwirkend vom 1. Juli 2007 bis Ende Januar 2009 gelten. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee nannte die Einigung "erfreulich". Jetzt komme es darauf an, "auch die letzten Hürden aus dem Weg zu räumen".

Vorstände der Gewerkschaften kommen zusammen

Die Vorsitzenden der Transnet und der GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, begrüßten die Einigung ebenfalls. "Es ist gut, dass die GDL in die Tarifstruktur des Bahn-Konzerns zurückkehrt", erklärten sie. Die Vorstände aller Gewerkschaften müssen nun kurzfristig zusammenkommen, um die dringend nötige Kooperationsvereinbarung zwischen der Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA und der GDL auszuarbeiten. Neben diesem Spitzengespräch, das laut Schell noch nicht terminiert ist, gibt es noch zwei Hürden, die den Geltungsbereich des neuen Vertrages betreffen. Einmal sind das die Lokrangierführer. Ob sie unter den neuen vertrag fallen, ist zwischen den Gewerkschaften umstritten. Zum anderen betrifft es die seit 1. Januar eingestellten neuen Lokführer der Bahn, deren Zahl bis Ende September auf 1.350 wachsen soll. Sie werden bei der DB-Tochter DB Zeitarbeit eingestellt und nach dem Willen des Bahn-Managements je nach Arbeitsanfall wahlweise als Lokführer oder Techniker eingesetzt werden können.

AP AP

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