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Elizabeth Holmes: Der große Bluff der Blut-Milliardärin: Wie sich ein Wunderkind als Betrügerin entpuppte

Elizabeth Holmes war die jüngste Selfmade-Milliardärin, wurde als nächster Steve Jobs gefeiert. Doch ihre vermeintlich revolutionären Bluttests erwiesen sich als Luftnummer - nun steht sie als eine der größten Betrügerinnen der Geschichte da.

Kometenhafter Aufstieg, beispielloser Fall: Elizabeth Holmes, Gründerin des Medizin-Start-ups Theranos

Kometenhafter Aufstieg, beispielloser Fall: Elizabeth Holmes, Gründerin des Medizin-Start-ups Theranos

DPA

Die Geschichte der Elizabeth Holmes ist selbst für die durchgeknallten Verhältnisse im Silicon-Valley absolut irre. Eine junge charismatische Gründerin mit einer revolutionären Erfindung, ein märchenhafter Aufstieg, begleitet von sehr viel Geld - und dann der große Knall, mit dem sich eine Neun-Milliarden-Dollar-Firma quasi wieder in Luft auflöst.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes am Mittwoch offiziell schweren Betrug vorgeworfen. Um weiteren Ermittlungen zu entgehen, zahlt Holmes eine Strafe von 500.000 Dollar, gibt jegliche Anteile an den Resten ihrer Firma ab und verpflichtet sich, in den kommenden zehn Jahren keine Managementposition in einem börsennotierten Unternehmen zu übernehmen. Die Karriere des 34-jährigen Wunderkinds ist beendet, keine vier Jahre nachdem der Hype um sie begonnen hat.

Dabei war es nicht weniger als das Versprechen einer Medizinrevolution, mit der Holmes und ihre Firma Theranos ab Ende 2014 das Silicon Valley elektrisierte. Die Studienabbrecherin aus Stanford hatte ein Wundergerät namens "Edison" entwickelt, das alle bisherigen Bluttestverfahren in den Schatten stellen sollte. Ein kleiner Pieks und ein Tropfen Blut sollten genügen, um die Probe beispielsweise auf Krankheiten zu untersuchen. Günstige Bluttests für jedermann - Theranos sollte es möglich machen.

Theranos erhält 700 Millionen Dollar

Die Investoren reagierten begeistert und rissen sich darum, beim Aufstieg des Start-ups dabei zu sein. Dass Theranos nach außen geheimnisvoll tat und keine Einblicke in die Labore gewährte, tat dem Hype keinen Abbruch. Rund 700 Millionen Dollar pumpten prominente Geldgeber wie Medienmogul Rupert Murdoch in die Firma, die Bewertung lag in der Spitze bei unglaublichen neun Milliarden Dollar.

Elizabeth Holmes avancierte zum Superstar, wurde in US-Medien bereits als nächster Steve Jobs gefeiert. Forbes führte die Anfang 30-Jährige in der Liste des Jahres 2015 als jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt - mit einem geschätzten Vermögen von 4,5 Milliarden Dollar.

Die Wende kam im Oktober 2015 durch eine Veröffentlichung des "Wall Street Journal". Insider berichteten darin, der Edison-Apparat werde wegen seiner Unzuverlässigkeit kaum eingesetzt, stattdessen analysiere Theranos die meisten Blutproben mit herkömmlichen Geräten anderer Hersteller wie Siemens. 

Auf den Aufstieg folgt der Fall

Zunächst stritt Theranos alles ab, doch die Zweifel an der Substanz des Medizinmärchens wurden immer massiver. Theranos verlor Lizenzen und Labor-Deals. Ende 2016 musste die Firma das Kerngeschäft mit den Bluttests aufgeben, da hatte Forbes das Vermögen von Elizabeth Holmes - das ja in ihrer Firma bestand - schon wieder auf Null gesetzt. Im Oktober 2017 schloss Theranos seine Labore und entließ einen großen Teil seiner Angestellten. Allein Rupert Murdoch - ironischerweise Besitzer des "Wall Street Journal", dessen Enthüllungen den Skandal öffentlich machten - soll mit seinem Theranos-Investment 100 Millionen Dollar verloren haben.

Die offiziellen Betrugsvorwürfe der US-Börsenaufsicht markieren den vorläufigen Schlussstrich unter dem beispiellosen Absturz. Laut SEC hat Holmes die Investoren nicht nur über die Wirksamkeit ihres Verfahrens getäuscht, sondern auch sonst das Blaue vom Himmel versprochen. So habe sie erklärt, mobile Theranos-Geräte würden in Kampfeinsätzen in Afghanistan sowie in Rettungshubschraubern eingesetzt, was nicht stimmte. Zudem habe sie für 2014 einen Umsatz von 100 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, aber nur 100.000 Dollar eingenommen.

Elizabeth Holmes gesteht keine Schuld ein

Offiziell hat Elizabeth Holmes keine Schuld eingestanden, davor bewahrte sie der nun eingegangene Vergleich mit der SEC. Wie lange sie selbst noch an den Erfolg ihrer Entwicklung glaubte und wann ihr bewusst wurde, dass sie ihre Versprechungen nicht würde einhalten können, weiß man nicht. Doch fest steht: Statt als Wunderkind oder neuer Steve Jobs wird sie als einer der größten Bluffs aller Zeiten in die Geschichte eingehen. 

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