Energie Ölpreis macht vieles teurer


Der Ölpreis trifft die Wirtschaft unterschiedlich hart. Besonders stark leidet die chemische Industrie – aber auch die Luftfahrt und die Auto-Branche ist betroffen. Die Verbraucher müssen sich deshalb in bestimmten Bereichen auf weiter steigende Preise einstellen

Der Ölpreis hat zum ersten Mal die Marke von 100 Dollar je Barrel erreicht. Experten rechnen in Zukunft mit noch höheren Preisen für Rohöl. Darauf müssen sich die unterschiedlichen Industriezweige einstellen.

Chemie:

Rohöl ist der wichtigste Rohstoff in der Chemieindustrie. Diese Branche leidet also besonders unter einem Anstieg der Ölpreise. Nach Angaben des Verbandes VCI verbraucht die deutsche Chemiebranche jährlich rund 18 Millionen Tonnen Rohölprodukte. Diese dienen zu mehr als 90 Prozent als Rohstoff und nur zu gut fünf Prozent als Energielieferant. Die Frage ist, ob die Firmen höhere Preise für ihre eigenen Produkte durchsetzen und die Kosten damit an ihre Kunden weitergeben können. "Das ist uns in der Vergangenheit gelungen, und wir sind zuversichtlich, dass dies auch in der Zukunft der Fall sein wird", sagte ein Lanxess-Sprecher.

Die Rohstoffkostenentwicklung des Bayer-Konzerns werde auch nicht direkt vom Ölpreis bestimmt, sondern eher von Derivaten wie beispielsweise Benzol, erläuterte ein Sprecher. Deren Preisentwicklung verlaufe nicht völlig parallel zum Öl. Branchenprimus BASF sieht steigende Ölpreise mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Steigende Rohstoffkosten im Chemiegeschäft kann der Konzern mit höheren Gewinne seiner Öl- und Gastochter Wintershall teilweise ausgleichen.

Auto:

Die Automobilindustrie muss ebenfalls höhere Energiekosten bei der Produktion verkraften. Der hohe Ölpreis hat aber vor allem strategische Implikationen bei der Entwicklung verbrauchsarmer Fahrzeuge. "Unsere Antwort auf hohe Benzinpreise sind neue Modelle, die deutlich weniger Kraftstoff als ihre Vorgängermodelle benötigen. Schon heute brauchen Neufahrzeuge im Schnitt rund zwei Liter weniger als 1990", heißt es beim Automobilverband VDA. Angestoßen auch durch die Klimaschutz-Debatte arbeiten alle Autobauer mit Hochdruck an der Entwicklung sparsamer und emmissionsarmer Antriebstechniken.

Die Branche rechnet langfristig nicht mit einer Entspannung auf dem Energiemarkt, sondern im Gegenteil mit weiter steigenden Ölpreisen. "Daher setzen wir als VDA auch auf eine Vielzahl an technologischen Optionen, um uns langfristig aus der Abhängigkeit knapper und teurer werdender fossiler Energien zu lösen." Doch noch sind Autos mit Hybridantrieb oder mit Flüssiggas oder Erdgas betriebene Fahrzeuge selten auf Deutschlands Straßen: 2006 waren gerade ein halbes Prozent aller Neuanmeldungen Autos mit einem alternativen Antrieb.

Versorger: Auf die Stromerzeugung wirken sich die hohen Ölpreise nur indirekt aus, da weniger als fünf Prozent der Kraftwerke Öl als Brennstoff einsetzen. Schon seit den 1970ern wird Öl als zu wertvoll zum Verbrennen für die Produktion von Elektrizität angesehen. Drei Viertel des Strombedarfs decken Atom- und Kohlekraftwerke. Dennoch rechtfertigten Versorger wie Eon und RWE die jüngsten Strompreiserhöhungen mit dem steigenden Ölpreis, was jetzt Regulierer und Kartellamt auf den Plan gerufen hat.

Einen Zusammenhang gibt es aber über die Großhandelsmärkte, wo ein steigender Ölpreis über Terminkontrakte und Energiefonds auch die Preise für andere Energiequellen wie Kohle in die Höhe treibt. Der Gaspreis folgt dem von Öl sowieso durch die Ölpreisanbindung mit ungefähr sechsmonatiger Verspätung. Die jüngsten Ölpreiskapriolen werden die Gaspreise also mit Verspätungseffekt im Frühjahr nochmals treffen. Bereits seit Januar müssen viele Haushalte rund vier Prozent mehr für Erdgas und rund zehn Prozent Strom bezahlen.

Langfristig profitieren die erneuerbaren Energien (Wind, Sonne) von den Ölpreisschocks, weil sich viele Verbraucher unabhängiger von fossilen Energiequellen machen wollen.

Luftfahrt:

Fluggesellschaften sind von dem Ölpreisanstieg direkt betroffen, denn damit verteuert sich das Flugbenzin. Bei der Deutschen Lufthansa machten die Kosten für Treibstoff 2006 rund 17 Prozent des Gesamtaufwands aus.

Die Konzerne geben die steigenden Kerosinkosten aber in Form von Treibstoffzuschlägen teilweise an ihre Kunden weiter. So hob die Lufthansa den Zuschlag für Langstreckenflüge im vergangenen Jahr insgesamt drei Mal auf nunmehr 77 Euro je Fluggast an. 2004 hatte der Treibstoffzuschlag für Interkontinentalflüge noch bei sieben Euro, im September 2005 dann schon bei 52 Euro gelegen. Der Zuschlag für Lufthansa-Flüge innerhalb Europas liegt derzeit bei 14 Euro je Strecke. Aktuell sei keine weitere Erhöhung geplant, sagte ein Firmensprecher. Die Airline behalte die Entwicklung des Ölpreises jedoch in Auge. Eine konkrete Prognose für die Entwicklung des Ölpreises habe der Konzern nicht.

Reuters Reuters

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