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ENERGIEVERSORGER: E.ON will britisches TXU-Geschäft übernehmen

Der Energieversorger E.ON steht nach Informationen aus dem Unternehmen nahe stehenden Kreisen kurz vor der Übernahme des britischen Geschäfts vom texanischen Energieunternehmen TXU.

Der Energieversorger E.ON steht nach Informationen aus dem Unternehmen nahe stehenden Kreisen kurz vor der Übernahme des britischen Geschäfts vom texanischen Energieunternehmen TXU.

Eigene Tochter zu schwach

E.ON habe vor allem starkes Interesse an den Kunden von TXU in Großbritannien, da die eigene Tochter Powergen im Endkundengeschäft vergleichsweise schwach sei, hieß es in den Kreisen am Montag. In der Düsseldorfer E.ON-Zentrale sagte ein Sprecher, man kommentiere dies nicht. E.ON verfolgt eine internationale Wachstumsstrategie. Den Fokus legt die Konzernleitung dabei auf den US-amerikanischen Markt.

E.ON, die auf dem britischen Markt mit der im Sommer übernommenen Powergen Plc vertreten ist, hat den Angaben zufolge heimische Unternehmen ausgestochen. Interesse an den zum Kauf stehenden TXU-Aktivitäten in Großbritannien hatte beispielsweise der Versorger Scottish & Southern Energy Plc gezeigt. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass die finanzstarke E.ON einen höhren Preis als andere Wettbewerber geboten hat.

Überkapazitäten auf britsichen Markt

Die in Dallas beheimatete TXU hatte in Reaktion auf fallende Gewinne und schwindendes Vertrauen ihrer Investoren drastische Kostensenkungen angekündigt. Davon betroffen ist vor allem das europäische Geschäft, auf dessen Schwäche TXU seine aktuell problematische Lage zum größten Teil zurückführt. Im britischen Strommarkt sind die Großhandelspreise infolge von Überkapazitäten zuletzt stark unter Druck geraten.

Die E.ON-Aktie zog am Montag nach Bekanntwerden der E.ON-Pläne um über drei Prozent an und notierte am späten Vormittag in einem nur behaupteten Gesamtmarkt mit 45,60 Euro um gut zwei Prozent höher.

Analysten urteilen positiv

Die geplante Übernahme der britischen TXU-Aktivitäten beurteilten Analysten durchweg positiv. »Das ist auf jeden Fall strategisch sinnvoll«, sagte Stephan Wulf vom Bankhaus Sal Oppenheim. Powergen sei in Großbritannien bislang zu einseitig auf die Stromerzeugung ausgerichtet. Insgesamt sei die Übernahme für E.ON leicht finanzierbar, hieß es. In der Branche wird für das Endkundengeschäft ein Betrag von 1,5 Milliarden Pfund (rund 2,4 Milliarden Euro) genannt. Hinzu kämen noch die von TXU betriebenen Kraftwerke.

E.ON hatte zuletzt seinen Finanzierungsspielraum, der sich aus Barmitteln, Krediten und Anleihen zusammensetzt, auf bis zu 40 Milliarden Euro beziffert. Erst in der vorigen Woche hat Deutschlands größter Energiekonzern angekündigt, mit zahlreichen Banken eine neue Kreditlinie über bis zu 15 Milliarden Euro aushandeln zu wollen.

TXU-Bekenntnis zu deutschen Aktivitäten

Der in Dallas ansässige TXU-Konzern hat bislang vor allem seine britischen Geschäfte auf die Verkaufsliste gesetzt. Eine Trennung von den deutschen Beteiligungen sei nicht Teil der gegenwärtigen Verhandlungen, hatte ein Unternehmenssprecher noch Ende voriger Woche gegenüber Reuters erklärt. TXU, die bislang in Deutschland als finanzstarker Energiekonzern galt, hält Beteiligungen an den Stadtwerken Braunschweig und Kiel. Außerdem gehört der Berliner Energiehändler Ares zum deutschen TXU-Portfolio.