HOME

Der Eon-Plan und die Folgen: Wird Strom jetzt teurer - oder billiger?

Der Energieriese Eon verkauft alle Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke. Wird der Strom jetzt teurer? Droht Kunden ein Blackout? Und wer zahlt für den Atommüll? Das sind die Folgen für Verbraucher.

Von Daniel Bakir

Eon zieht den Stecker für Atom, Kohle und Gas

Eon zieht den Stecker für Atom, Kohle und Gas

Der angekündigte Radikalumbau von Eon sorgt für große Aufregung. Der Energieriese ist mit Atomenergie, Kohle und Gas groß geworden. Nun will er alle seine Kraftwerke loswerden und sich ganz auf erneuerbare Energien und den Betrieb der Stromnetze konzentrieren. Der Grund ist einfach: Fossile Energien bekommen nicht mehr die staatliche Förderung der Vergangenheit, die Kernkraft wird komplett abgeschaltet.

Daher verabschiedet sich Eon aus diesem Bereich und geht dahin, wo die Subventionen blühen: in die grüne Energie. Aber was folgt daraus, wenn sich ein großer Versorger aus seinem Kerngeschäft verabschiedet? Müssen sich Stromkunden Sorgen machen? Wie teuer wird es für den Steuerzahler? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Droht Eon-Kunden ein Blackout?

Nein. Selbst wenn Eon alle seine Kraftwerke morgen verkaufen würde, fließt der Strom an Eon-Kunden weiter. Denn Energieversorger liefern nicht nur ihren eigenen Strom, sondern vor allem den, den sie an der Strombörse einkaufen.

Ist die Versorgungssicherheit insgesamt gefährdet?

Zum einen wird Eon weiter Strom produzieren. Zum anderen werden die Kraftwerke nicht auf einen Schlag abgeschaltet, sondern nur verkauft. Kraftwerke sollen im Zuge der Energiewende zwar immer weniger benötigt werden, aber noch viele Jahre als Reserve bereitstehen. "Bevor ein Unternehmen ein Kraftwerk abschalten darf, wird geprüft, ob es zu Versorgungsproblemen kommen kann", beruhigt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel via "Bild".

Wird Strom jetzt teurer?

"Der Verkauf der Kraftwerke hat kurzfristig keine Auswirkung auf den Strompreis", sagt Hubertus Bardt, Energieexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft. Langfristig erwartet er durch den Verkauf nur einen leichten Effekt auf die Preise, weil einige unrentable Kraftwerke geschlossen statt verkauft werden könnten. Insgesamt dürfte der Eon-Plan nur geringe Auswirkungen haben. "Die Strompreise werden steigen, aber aus anderen Gründen", sagt Bardt. Preistreiber seien höhere Preise für Kohle und Gas, die Zwangsstillegung von Kraftwerken oder ein möglicher erneuter Anstieg der Ökostrom-Umlage. Die Umlage war zuletzt gesunken, auch deshalb senken viele Stromanbieter im neuen Jahr die Preise.

Claudia Kemfert, Professorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht die Entwicklung für Stromkunden noch optimistischer: "Kurzfristig sinkt der Strompreis und könnte noch viel mehr sinken, wenn die stark gesunkenen Großhandelspreise für Strom endlich in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden würden." Auch den Eon-Plan sieht sie positiv für die Verbraucher, weil der Wettbewerb auf dem Strommarkt gestärkt werde: "Die Stromkunden könnten vom Eon-Strategiewechsel durchaus profitieren."

Müssen die Steuerzahler für den Atommüll zahlen?

Weil Eon sein Atomgeschäft loswerden will, vermuten viele, dass der Konzern sich auch vor den Entsorgungskosten des Atommülls drücken will. Kritiker wie Jürgen Trittin fürchten, dass der Staat und damit der Steuerzahler am Ende der Dumme ist. Es gibt aber auch die Gegenposition, die besagt: Wenn es Eon durch den Umbau besser geht, kann der Konzern seine Verpflichtungen leichter erfüllen. "Mit einer Neuausrichtung steigen die Chancen, dass der Konzern von selbst in der Lage sein wird, die Kosten des Atomrückbaus zu stemmen, die Rückstellungen scheinen nicht unmittelbar in Gefahr zu sein", sagt DIW-Expertin Kemfert.