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Verdacht auf Steuerhinterziehung: Ermittler bei Liechtenstein-Prinz

Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen ein Mitglied der liechtensteinischen Fürstenfamilie wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Nach Informationen der FTD wirft die Behörde Prinz Max vor, Steuern in Deutschland hinterzogen haben.

Der zweitgeborene Sohn von Fürst Hans-Adam II. lebt mit seiner Familie in München. Ein Sprecher von Prinz Max von und zu Liechtenstein bestätigte der FTD am Donnerstag einen Fall. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte der Prinz mit: "Der Sachverhalt wird derzeit in Kooperation mit den Steuerbehörden geklärt. Sollte sich herausstellen, dass ich dem deutschen Staat Steuern schulde, werde ich entsprechenden Forderungen umgehend nachkommen."

Prinz Max ist der zweite Prominente, gegen den im Liechtensteiner Steuerskandal ermittelt wird. Der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel ist inzwischen verurteilt. Wie Zumwinkel tauchte Prinz Max auf einer Liste mit rund 800 Namen auf, die ein ehemaliger Mitarbeiter der Liechtensteiner LGT Bank für 4,3 Mio. Euro an den Bundesnachrichtendienst verkauft hatte. Der 39-jährige Fürstensohn selbst ist seit 2006 Chef der LGT Group.

Das Steuerverfahren gegen Prinz Max ist politisch brisant: Erst vergangenes Wochenende hatte Fürst Hans-Adam II. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wegen des Datenkaufs erneut scharf attackiert. Der Minister verstoße gegen Grundprinzipien des Rechtsstaats und gegen internationale Verträge, sagte der Fürst in einem Interview. Auch Erbprinz Alois, der ältere Bruder von Max, griff in der Vergangenheit zu drastischen Worten. Im Februar vergangenen Jahres warf er Berlin "Hehlerei im großen Stil" vor. Prinz Max hielt sich stets bedeckt.

Steinbrück hatte zuvor mehrfach Liechtenstein für die Erlaubnis von Stiftungskonstruktionen kritisiert. Das Geld für den Kauf der CD mit Daten von LGT-Kunden im Jahr 2007 war aus dem Etat des Bundesfinanzministeriums bezahlt worden.

Unmittelbar nach der erneuten verbalen Attacke des liechtensteinischen Fürsten wurde jetzt bekannt, dass Prinz Max bereits Anfang Dezember vergangenen Jahres in München von Ermittlern aufgesucht wurde. Auch das Auswärtige Amt hatte seine schützende Hand nicht über den Angehörigen eines ausländischen Fürstenhauses gehalten. Ein Sprecher bestätigte gegenüber der FTD, dass das Ministerium Mitte November auf offizielle Anfrage der Steuerfahnder überprüft habe, ob Prinz Max diplomatischer Immunität unterliege. Der Prinz sei nicht im Besitz eines Diplomatenausweises, unterstehe also voll der deutschen Gerichtsbarkeit, sagte der Sprecher.

Dem Prinzen wird vorgeworfen, Geld, das ihm aus einer Familienstiftung zugeflossen ist, nicht versteuert zu haben. Bei der Auszahlung aus einer Stiftung fällt in Deutschland Schenkungsteuer an, die der Beschenkte leisten muss. Wie hoch die mutmaßlich unterschlagene Summe ist, ist nicht bekannt - sie soll aber nicht unerheblich sein.

"Ich habe meinen Wohnsitz bewusst in Deutschland gewählt und bezahle hier Steuern in bedeutendem Ausmaß", teilte Prinz Max der FTD mit. "Meine Steuerpflichten nicht zu erfüllen war nie meine Absicht." Der Prinz war vor einigen Jahren nach München gezogen, wo er seit 2003 das Deutschlandbüro von JP Morgan Partners leitete.

Ein Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft wollte den Stand der Ermittlungen nicht kommentieren. Zu Einzelpersonen in Steuerstrafsachen würden vor der Eröffnung einer Hauptverhandlung grundsätzlich keine Angaben gemacht.

Erst vor wenigen Tagen hatte Prinz Max in einem Zeitungsinterview gesagt: "Banken können nicht die Steuerehrlichkeit ihrer Kunden garantieren, weder in Liechtenstein noch sonst wo."

FTD