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EU-Kommission: Razzia bei deutschen Stromriesen

Wegen des Verdachts verbotener Preisabsprachen haben EU-Wettbewerbshüter in einer groß angelegten Aktion Büros aller führenden deutschen Stromkonzerne durchsucht. Die Unternehmen werden verdächtigt, ihre marktbeherrschende Stellung ausgenützt zu haben.

Die EU-Kommission hat erneut deutsche Stromunternehmen wegen des Verdachts von Wettbewerbsverstößen durchsucht. Davon betroffen waren die Energiekonzerne E.ON, RWE, und EnBW. Die durchsuchten Unternehmen stünden im Verdacht, ihre marktbeherrschende Position missbraucht oder andere Unternehmen behindert zu haben. Das Bundeskartellamt sei an der Durchsuchung beteiligt gewesen. Bislang gebe es nur einen Verdacht, die Schuld der durchsuchten Unternehmen sei derzeit nicht bewiesen. Die Kommission nannte keine Namen.

Ein Sprecher von E.ON Energie in München sagte, seit dem Morgen würden einzelne Unternehmen der Gruppe durchsucht. Der Konzern unterstütze die Ermittlungen, wolle aber keine näheren Angaben dazu machen. Bei RWE wurden einem Sprecher zufolge Standorte der Töchter Energy, Power und Trading in Essen und Dortmund durchsucht. Der Konzern kooperiere mit den Behörden, hieß es. Ein EnBW-Sprecher sagte in Karlsruhe, es seien Beamte im Haus gewesen. Zu Dauer und Umfang der Durchsuchung wollte er keine Angaben machen. Er äußerte sich auch nicht dazu, ob Dokumente beschlagnahmt wurden. Das Unternehmen sei mit Blick auf die Vorwürfe "gelassen" und "ruhigen Gewissens".

Bei E.ON und RWE hatte es bereits im Mai Razzien der EU-Kommission gegeben. Auch Unternehmen in Österreich, Italien, Frankreich und Belgien waren durchsucht worden. Im Fall von Wettbewerbsverstößen kann die EU-Kommission Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Diesen Rahmen hat sie allerdings noch nie ausgeschöpft. E.ON erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 56 Milliarden Euro, die Erlöse von RWE lagen bei 41 Milliarden Euro.

Reuters / Reuters