HOME

Finanzkrise: Dax verharrt tief im Minus

Nach zunächst heftigen Verlusten haben Europas Aktienmärkte ihr Minus zunächst binnen Minuten minimiert. Die Zinssenkungen der Zentralbanken rund um den Globus befeuerten die Aktienkurse. Der Effekt war jedoch recht kurzer Natur.

An den ohnehin hochnervösen Aktienmärkten ist am Mittwoch im frühen Handel Panik ausgebrochen: Der Dax stürzte in der ersten Handelsstunde um acht Prozent auf unter 4.900 Punkte ab - und damit erstmals seit 2005 unter die Marke von 5000 Punkten. Nicht nur in Frankfurt, europaweit rasten die Kurse in die Tiefe.

Dann kam die Hoffnungsmeldung: Die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank und die Bank of England senken in einer konzertierten Aktion die Zinsen. Die Börsianer jubelten - vor allem über die EZB, die bislang mit Blick auf die Inflation von Zinssenkungen Abstand genommen hatte. Der Dax erholte sich innerhalb von Minuten um 200 Punkte und lag am frühen Nachmittag nur noch mit 1,6 Prozent im Minus bei mehr als 5200 Punkten. Allerdings verpuffte der Effekt schnell: Am Handelsende lag der Dax mit 3,2 Prozent im Minus bei gerade noch 5168 Punkten.

Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen standen an der Frankfurter Börse lange Zeit nicht die Banktitel unter dem größten Druck, sondern Aktien von Unternehmen wie Daimler (minus 9,5 Prozent) oder des Dax-Neulings K+S (minus 8,7 Prozent). Einziger Wert mit einem Kursgewinn war das VW-Papier mit einem Plus von 4,4 Prozent, das schon am Vortag teilweise kräftig zugelegt hatte. "Die Märkte fangen an, eine globale Rezession einzupreisen", sagte ein Händler.

Handel in Moskau bis Freitag ausgesetzt

Nach erneut heftigen Abstürzen zu Handelsbeginn hat die Moskauer Hauptbörse den Aktienindex MICEX zunächst bis Freitag ausgesetzt. In der ersten halben Stunde nach Öffnung war der MICEX um mehr als 14 Prozent eingebrochen. Der RTS-Index verlor innerhalb von 30 Minuten mehr als 11 Prozent und wurde für eine Stunde ausgesetzt.

Zuvor hatte die die japanische Börse den schlimmsten Crash seit mehr als zwei Jahrzehnten erlebt. Der Nikkei-Index brach zwischenzeitlich um fast zehn Prozent ein, nachdem Anleger aus Furcht vor weiteren Folgen der Finanzkrise ihre Papiere massenweise abstießen. Bis zum Handelsschluss erholte sich der Index aus 225 Unternehmenswerten wieder leicht auf ein Minus von 9,4 Prozent. Damit erlebte die Börse in Tokio ihren schlimmsten Tag seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987. Damals war der Nikkei-Index bis zum Handelsschluss um 14,9 Prozent gefallen.

Das wichtigste indonesische Börsenbarometer JSX stürzte am Mittwoch um mehr als zehn Prozent ab. Die Börse in Jakarta setzte daraufhin den Handel aus. In Seoul fiel der Koreanische Aktienpreis-Index (Kospi) zeitweilig um bis zu 3,5 Prozent.

Dow Jones sackt um 5,1 Prozent ab

Zuvor hatte schon der New Yorker Aktienmarkt den fünften Tag in Folge mit deutlichen Kursverlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 5,1 Prozent bei 9447 Punkten.

Die schlechten Zahlen sind umso bedenklicher, weil US-Notenbankchef Ben Bernanke am Dienstagabend noch eine Senkung des US-Leitzinses signalisiert hatte. Die Fed müsse angesichts der Krise von "historischen Ausmaßen" überlegen, ob ihre derzeitige Geldpolitik noch passend sei, erklärte Bernanke. Einige Börsianer halten in den kommenden Tagen sogar eine koordinierte Zinssenkung der wichtigsten Notenbanken einschließlich der Europäischen Zentralbank (EZB) für wahrscheinlich.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die trüben Konjunkturdaten signalisierten, dass sich der Ausblick für die US-Wirtschaft verschlechtert habe, erklärte Bernanke bei einer Rede in Washington. Die Konjunktur werde zumindest bis Jahresende und auch Anfang 2009 nur langsam vorankommen. Mit der Finanzkrise wachse zudem das Risiko einer lang anhaltenden Wirtschaftsflaute. Gleichzeitig habe das Inflationsrisiko abgenommen.

Volkswirte rechnen mit Zinssenkung in den USA

Volkswirte waren sich einig in der Einschätzung, dass Bernanke mit seinen Äußerungen den Weg für eine Zinssenkung ebnet. "Der Fed-Chef hat gerade grünes Licht für eine Zinssenkung bei der Sitzung im Oktober gegeben, wenn nicht sogar schon davor", sagte Chris Rupkey von der Großbank Tokyo-Mitsubishi UFJ in New York. Da viele Anleger ohnehin mit einer Senkung gerechnet hatten, konnten die Äußerungen Bernankes die Stimmung an der Wall Street jedoch nicht aufheitern.

Bislang hatten Bernanke und andere Fed-Vertreter immer betont, eine Zinssenkung würde angesichts der ausgetrockneten Kreditmärkte nutzlos verpuffen. Viele Börsianer sind jedoch seit der dramatischen Zuspitzung der Krise überzeugt, dass die Fed spätestens bei ihrer regulären Sitzung am Monatsende die Zinsen senkt - viele rechnen sogar mit einer großen Zinssenkung von mindestens 50 Basispunkten. Derzeit liegt der US-Schlüsselzins bei zwei Prozent.

Reuters/DPA/DPA/Reuters

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren