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Finanzkrise: Deutsche Bank schreibt Milliarden ab

Die Deutsche Bank muss wegen der weltweiten Finanzkrise milliardenschwere Abschreibungen auf Kredite hinnehmen. Vorstandschef Josef Ackermann bezifferte die Belastung auf 2,2 Milliarden Euro im dritten Quartal.

Von Tim Bartz

Dennoch wird die Bank ihren Gewinn steigern: Man werde mit gut 1,4 Milliarden Euro netto rund 200 Millionen Euro mehr verdienen als im Vorjahreszeitraum, sagte Ackermann am Mittwoch vor Investoren in London. Mit Beteiligungsverkäufen erlöste der Konzern 600 Millionen Euro. Hauptgrund seien aber die Ergebnisse der von ihm als "stabil" bezeichneten Sparten: Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung, Privat- und Geschäftskunden. Damit gewinnen die Topmanager dieser Einheiten in der internen Rangordnung an Bedeutung. Durch ihre in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich starken Gewinnbeiträge hatten Investmentbanker zuvor ihren Einfluss auf die Konzernstrategie stark ausbauen können.

Mit Deutschlands größter Bank legt in dieser Woche nach UBS und Citigroup der dritte globale Geldkonzern die Negativfolgen der Turbulenzen offen. Investoren belohnten die Transparenz, zu der Ackermann jüngst die gesamte Branche aufgefordert hatte: Die Aktien der Deutschen Bank legten um 2,12 Prozent zu und waren damit nach dem Maschinenbaukonzern MAN zweitgrößter Gewinner im Dax. Auch UBS und Citigroup waren zu Wochenbeginn für ihre Transparenz mit steigenden Aktienkursen belohnt worden. Bis dahin hatten sich die Großbanken eine radikal neue Bewertung ihrer Kreditportfolios nicht zugetraut.

Die UBS rechnet für das dritte Quartal mit einem Verlust von bis zu 800 Millionen Schweizer Franken, die Citigroup mit einem Gewinnrückgang um 60 Prozent. Citigroup-Chef Charles Prince hat inzwischen eine radikale Überprüfung der Verlustgeschäfte angeordnet. Am Dienstag hatten Japans Finanzaufsicht und Italiens Zentralbank die Banken ihrer Länder aufgefordert, ihre Investitionen in Subprime-Kredite und außerbilanzielle Finanzierungsvehikel offenzulegen.

Ausfallrisiko sprunghaft angestiegen

Die Kursreaktionen belegen, wie sehnsüchtig Analysten und Investoren handfeste Aussagen über das Ausmaß der Finanzkrise für die Banken erwarten. Die Turbulenzen haben ihren Ursprung im US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen (Subprime), die gebündelt und verbrieft weltweit an Investoren verkauft wurden - bis vor einigen Wochen ihr Ausfallrisiko sprunghaft gestiegen war. Seitdem ist unter anderem der Geldhandel zwischen den Banken lahmgelegt und der Weiterverkauf von Krediten, die die Institute vor allem an Finanzinvestoren für Firmenkäufe ausgereicht haben, stark erschwert. Die Darlehen können nur noch mit Abschlägen und damit verlustreich weitergereicht werden.

Laut Ackermann stammen 700 Millionen Euro der Belastungen aus der Neubewertung von Kreditzusagen für Übernahmen. Die übrigen 1,5 Milliarden Euro resultieren aus dem Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten, dem Handel mit festverzinslichen Produkten und Aktien und verbrieften Immobiliendarlehen. Darunter seien allerdings keine Subprime-Kredite, sagte eine Deutsche-Bank-Sprecherin.

FTD
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