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"Prince’s Foundation": Geldwäsche-Skandal: Was hat Prinz Charles damit zu tun?

Ein neuer Geldwäsche-Skandal schreibt Schlagzeilen. Offenbar sind nicht nur quasi-erwartbare Verdächtige darin verwickelt. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles soll über eine seiner Stiftungen involviert sein. 

Neuer Geldwäsche-Skandal: Prinz Charles, der einnehmende Prinz

Der britische Thronfolger Prinz Charles

DPA

Bislang galten die sogenannten "Panama Papers", die 2015 der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt und dort ausgewertet wurden, als das bisher größte Daten-Leak in Sachen Geldwäsche über Offshore-Briefkastenfirmen.

Nun gibt es einen neuen Geldwäsche-Skandal, in den offenbar nicht nur quasi-erwartbare Verdächtige wie osteuropäische Oligarchen und Buddies von Russlands Präsident Wladimir Putin verwickelt sind, sondern unter anderem auch der britische Fußball-Verein FC Chelsea und über eine seiner Wohltätigkeitsorganisationen sogar der britische Thronfolger Prinz Charles.

Wie der "Troika Waschsalon" funktionieren soll

Das nach der auch involvierten größten russischen Investment-Bank "Troika Dialog" passend "Troika Laundromat" ("Troika Waschsalon") genannte Geldwäschesystem funktionierte nach Angaben des US-Forschungszentrum Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center (TraCCC) so: Russisches Geld (im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro in den Jahren 2006 bis 2013) aus sowohl legalen wie auch illegalen Quellen wurde über ein Netzwerk von rund 70 Offshore-Briefkastenfirmen und zwei Banken in Litauen nach West-Europa geleitet.

Dort floss es in diverse Kanäle, auch zu deutschen Instituten wie der Citigroup, den Raiffeisen Banken und der Deutschen Bank. In vielen Fällen wurde es derart verschleiert und steuerfrei nach Europa geschafft, zum Kauf von Luxus-Immobilien oder Yachten ausgegeben oder ging an europäischen Elite-Internate für das Schulgeld des Oligarchen-Nachwuchses.

Und in einem besonders brisanten Fall landeten in drei Tranchen in den Jahren 2009, 2010 und 2011 insgesamt gut 177.000 Euro in Schottland: Bei der "Prince’s Foundation", einer 1986 vom Prinzen von Wales gegründeten Stiftung, die unter anderem die Ausbildung junger Leute und die Erhaltung historischer Bausubstanz fördert.

Welche Rolle spielen Prinz Charles und seine Stiftung?

Konkret floss eine Zuwendung des aus Armenien stammenden ehemaligen Troika Bank-Direktors Ruben Karlenowitsch Wardanjan in Renovierungsarbeiten von Dumfries House in der schottischen Grafschaft Ayrshire, das dem Prinzen teilweise als einer seiner fünf Wohnsitze dient und in Nebengebäuden Seminarräume der Stiftung beherbergt. Pikant daran ist vor allem, dass Charles das historische Anwesen 2007 im Eiltempo mithilfe eines Kredites über umgerechnet 23 Millionen Euro erworben hatte, um den Verkauf an einen Investor und damit den ziemlich sicheren Abriss zu verhindern.

Die Kaufsumme von insgesamt 52 Millionen Euro, die komplett über die Foundation lief, hatte ein derartiges Loch in dessen Kasse gerissen, dass in der Folge sowohl in Dumfries House als auch in Windsor Castle Fundraising-Dinner für Wardanjan und andere spendierbereite ausländische "Wohltäter" veranstaltet wurden. Bei solchen Events zahlen reiche Geschäftsleute gerne schon mal Summen mit bis zu fünf Nullen hinten, damit sie oder ihre Gattinnen einen Abend neben dem Sohn der Queen oder seiner Frau sitzen dürfen. Für diese nicht sehr royale Vorgehensweise ist der Thronfolger in der Vergangenheit schon öfter kritisiert worden, im Fall von Dumfries House hat er auf diese Art immerhin eine Summe von 1,7 Millionen Euro eingenommen, Dank der Großzügigkeit von Wardanjan und einigen anderen russichen Geldgeben.

Ein bitterer Beigeschmack

Ruben Wardanjans Anteil kam damals allerdings eben nicht von seinem eigenen Bankkonto, sondern von einer Briefkastenfirma namens Quantus Divison Ltd. mit Sitz auf den britischen Virgin Islands, so steht es in den Troika Laundromat-Papieren.

Die Verantwortlichen bei der Prince's Foundation wunderten sich angeblich nicht darüber, da es üblich sei, dass Spendengelder von Firmen in irgendwelchen Steuerparadiesen überwiesen würden, so ein Sprecher. Und überhaupt habe Seine Königliche Hoheit keine Kenntnis von den Details der finanziellen Abwicklung gehabt: "Die Wohltätigkeitsorganisationen des Prince of Wales agieren bezüglicher sämtlicher Fundraising-Entscheidungen unabhängig vom Prinzen selbst", teilte das Büro des Thronfolgers der britischen Zeitung "The Guardian" auf Anfrage dazu mit.

Justiziabel war die prinzliche Spendenaffäre also nicht, aber ein unangenehmer Beigeschmack bleibt trotz allem. Es gibt das gute, alte Motto "Noblesse oblige - Adel verpflichtet" – doch sicher auch zu unangreifbar korrektem Verhalten in finanziellen Dingen!?

Gerade feierte der Prinz von Wales in London das 50. Jubiläum seiner offiziellen Einsetzung als Thronfolger. Bis es bei ihm zum würdigen Nachfolger seiner unumstritten integren Mutter Elisabeth II. reicht, muss er aber offenbar auch nach einem halben Jahrhundert in der Thronfolger-Lehre noch einiges lernen.

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