Finanzkrise Die ersten Bänder stehen still


Autobauer drosseln ihre Produktion, Unternehmen haben Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen, die Konjunkturaussichten sind düster: Die internationale Finanzkrise erschüttert nicht mehr nur das Börsenparkett. Ihre Folgen machen jetzt auch deutschen Unternehmen zu schaffen.

Die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise sind für die deutschen Unternehmen immer deutlicher spürbar. Die Autohersteller Opel, Mercedes-Benz, BMW, Ford sowie die VW-Töchter Seat und Skoda kündigten am Dienstag Produktionsstopps in mehreren Werken an. Zudem weisen die Ergebnisse der Herbstbefragung des Deutschen Mittelstands-Barometers (DMB) auf eine deutliche Abkühlung der Konjunktur hin. Uneins sind sich die Experten in der Frage, ob die Krise zu einer Kreditklemme für die Unternehmen führen werde. Während der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet, dass die Kreditbedingungen schwierig werden, sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag derzeit noch keine Anzeichen für eine solche Entwicklung.

Autobauer fahren Produktion zurück

Dagegen spüren die deutschen Autobauer die Auswirkungen der Krise inzwischen sehr konkret. Opel-Sprecher Andreas Krömer sagte am Dienstag, dass der schwächelnde Absatzmarkt dazu zwinge, die Produktion zu drosseln. Der Rüsselsheimer Autobauer kündigte daher einen dreiwöchigen Produktionsstopp im Werk im thüringischen Eisenach an. Auch im Bochumer Opel-Werk werden die Bänder vorübergehend still stehen. "Wir spüren die Auswirkungen der der Finanzkrise", so Krömer. "Die Menschen halten ihr Geld fest und geben weniger für Autos aus." Betriebsbedingte Kündigungen seien bei der GM-Tochter jedoch nicht geplant. Auch die übrigen Hersteller planen ihren Angaben zufolge bisher keine Massenentlassungen.

Im größten inländischen Mercedes-Werk in Sindelfingen beginnen die Weihnachtsferien in diesem Jahr deutlich früher. Dort stehen die Bänder schon ab 17. Dezember still, ein Termin zur Wiederaufnahme im Januar ist noch nicht bekannt, hieß es. Der Daimler-Konzern fühlt sich allerdings angesichts hoher Barreserven für Krisenzeiten gut gerüstet. Ford entlässt an seinem Standort in Saarlouis, wo die Modelle Focus, C-Max und Kuga gebaut werden, 204 Zeitarbeiter zwei Monate früher als geplant. BMW will insgesamt rund 20.000 Autos weniger als geplant bauen und das Geschäft eher in Richtung der absatzstärkeren Märkte in China und Russland orientieren.

Geschäfte im Mittelstand noch gut

Während die Autobauer die Krise bereits direkt spüren, ist die Lage der mittelständischen Unternehmen noch relativ gut. Dabei handelt es sich nach Einschätzung von Experten jedoch um eine Galgenfrist. Rund 140 befragte Experten prognostizierten dem Mittelstand eine deutliche Verschlechterung. Die Finanzkrise werde dazu in erheblichem Maße beitragen, besagt die DMB-Herbstbefragung.

Für die kommenden zwölf Monate rechnet nur noch jeder zehnte Experte damit, dass Mittelständler neue Arbeitsplätze schaffen. Die Hälfte erwartet keine Veränderung, und etwa 38 Prozent gehen sogar von einer Verringerung der Arbeitsplätze im Mittelstand aus. Somit würde sich die Krise den Ergebnissen der DMB-Befragung zufolge auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen.

Krise sogar ein Segen?

Uneins sind sich die großen Industrieverbände, ob die Unternehmen zusätzlich dadurch belastet werden, dass sie in eine Kreditklemme geraten werden. "Es wird für die Unternehmen schwieriger und teurer werden, Kredite zu bekommen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, der "Financial Times Deutschland". Das Exportwachstum werde deutlich nachlassen.

Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), sieht hingegen in der Entwicklung in der Bankenbranche sogar eine Chance etwa für mittelständische Unternehmen. Dass Misstrauen der Banken untereinander werde dazu führen, dass die Insitute dafür verstärkt auf den Mittelstand als Kunden zurückgreifen würden. Kreditabsagen habe es bisher kaum gegeben, sagte Treier. Es werde als Konsequenz aus der Krise jedoch stärker auf die Bonität der Kreditnehmer geachtet.

Lob für Krisenmanagement

Den Umgang der Bundesregierung mit der Finanzkrise haben die Wirtschaftsverbände indes gegen Kritik verteidigt. Es sei richtig, die Banken mit in die Verantwortung zu nehmen, sagte Treier der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Schnappauf betonte, er kenne aus der Industrie keine Kritik an der Bundesregierung. "Der Staat muss handeln und diese schwere Krise in den Griff bekommen. Das ist das Gebot der Stunde."

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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