Finanzkrise USA planen gewaltigen Markteingriff

Die US-Regierung versucht mit aller Macht, der Finanzmarktkrise Herr zu werden. Der systematischen Teilverstaatlichung von Banken könnte laut "Wall Street Journal" eine umfassende Staatsgarantie für alle Bankeinlagen folgen - nach europäischem Vorbild. Zudem plant Washington offenbar eine vorübergehende Absicherung aller Bankschulden.

Die US-Regierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge die Garantie aller Bankschulden und zeitweise auch aller Bankeinlagen. Damit wolle die Regierung die Finanzmärkte stabilisieren, meldete das "Wall Street Journal" (WSJ) am Freitag auf seiner Internetseite. Die zwei Maßnahmen wären dem Bericht zufolge der bisher größte Staatseingriff in das US-Finanzsystem. Bereits am Donnerstag hatte die US-Regierung erklärt, eine systematische Teilverstaatlichung von Banken durch den Kauf stimmrechtsloser Aktien zu prüfen.

Auf einem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten am Freitag in Washington soll dem "WSJ" zufolge über einen Vorschlag der britischen Regierung beraten werden, wie der Bankensektor nachhaltig gestützt werden könne. London plant demnach eine Staatsgarantie für kurzfristige Bankschulden in Höhe von bis zu 250 Milliarden Pfund (312 Milliarden Euro) für die nächsten 36 Monate. Auch andere Länder sollen diesem Beispiel folgen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, sagte dazu, die US-Regierung "prüft die Idee und diskutiert sie mit den britischen Kollegen".

Die US-Regierung erwägt angesichts der immer bedrohlicheren Lage inzwischen auch eine direkte Beteiligung des Staates an Banken. Einen solchen Rettungsplan hatte zuvor bereits Großbritannien verkündet.

Der britische Premierminister Gordon Brown rief die internationale Staatengemeinschaft zur Suche nach einer globalen Lösung in der Finanzmarktkrise auf. Weltweit müssten neue Richtlinien erarbeitet werden, um das internationale Bankensystem zu reformieren, schrieb Brown in der "Times". Die Krise sei ein "globales Problem", das eine "globale Lösung" brauche. Außer dem G7-Treffen am Freitag solle es ein weiteres internationales Spitzentreffen zur weltweiten Finanzkrise geben, sagte Brown.

Der Premierminister schlug vor, andere Länder sollten dem Beispiel Großbritanniens folgen und Garantien für neue Leihgeschäfte unter Banken garantieren. Außerdem müsse die Transparenz der Finanzmärkte mit schärferen internationalen Vorschriften verbessert werden. "Erfolgreiche Marktwirtschaften beruhen auf Vertrauen in das Finanzsystem", schrieb der Premierminister. Brown bezeichnete die Finanzaufsicht auf nationaler Ebene als "unzureichend" und forderte die sofortige Einrichtung von grenzübergreifenden Institutionen.

Washington diskutiert dem "Wall Street Journal" zufolge auch eine Staatsgarantie für alle Bankeinlagen, so wie es einige europäische Länder wie Deutschland, Dänemark und Irland vorgemacht haben. "Unsere europäischen Freunde haben es getan, nun wird der Druck sehr groß werden zu folgen", sagte der Chef des amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC, William Seidman, der Zeitung. Mit einem solchen Schritt soll dem Bericht zufolge verhindert werden, dass noch mehr Bargeld von Banken, insbesondere kleinere und regionale Institute, abgezogen wird. In den vergangenen Wochen hätten Kunden ihr Erspartes auch von gesunden, lokalen Banken abgezogen, weil sie befürchteten, die Regierung bürge nur für Einlagen großer Banken im Falle einer Pleite.

Nach dem dramatischen Ausverkauf an den New Yorker Börsen kündigte US-Präsident George W. Bush derweil für Freitag eine Erklärung an. Er wolle den US-Bürgern versichern, dass alles unternommen werde, um das Finanzsystem zu stabilisieren, teilte das US-Präsidialamt nach Börsenschluss mit. Getrieben von Rezessionsängsten hatten die US-Börsen zuvor ihren freien Fall fortgesetzt und den siebten Tag in Folge mit massiven Verlusten beendet. Die drei wichtigsten Indizes schlossen auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

Auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, nannte als vorrangigstes Ziel, das Vertrauen in die weltweiten Finanzmärkte wiederherzustellen. Zudem rief er zu einer umfassenden Reform des Finanzsektors auf. Strauss-Kahn verlangte eine noch bessere internationale Zusammenarbeit, um der Krise Herr zu werden. Er sieht die Weltwirtschaft am Rande der Rezession, erwartet aber für nächstes Jahr Licht am Ende des Tunnels: "Der Beginn der Erholung kommt Ende 2009."

joe/Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker