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Finanzkrise: Warum die Große Depression ausbleibt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Finanzkrise als schlimmste Krise seit den 20er Jahren bezeichnet. Aber wird es diesmal wirklich wieder so schwierig? Historiker sehen gute Chancen, dass eine Neuauflage jenes Desasters verhindert werden kann - ein Vergleich zwischen 1929 und 2008.

Von Martin Kaelble, Berlin

Trotz der Entspannung an den Märkten bleibt die Sorge vor den Auswirkungen der Finanzkrise bestehen. Den zuletzt häufig bemühten Vergleich zur Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts sehen Experten jedoch skeptisch. Die FTD befragte die Wirtschaftshistoriker Harold James von der Princeton University, Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld und Albrecht Ritschl von der London School of Economics. Ihre Einschätzung: Von den damaligen Verhältnissen ist die Welt deutlich entfernt, die Unterschiede zwischen damals und heute überwiegen.

"Ohne Zweifel erleben wir die schwerste Krise seit der Großen Depression", sagte James. Wie damals hat die Krise ihren Ursprung in den USA und geht mit einer Kernschmelze im Finanzsektor einher. "Aber die Rahmenbedingungen sind heute ganz anders als 1929." Daher dürften die Folgen auch deutlich weniger extrem ausfallen, so James. "Die Notenbanken hatten damals viel weniger Spielraum bei der Krisenbekämpfung", sagte James. "Durch die damalige Golddeckung war die Geldmenge fixiert. Große Geldinjektionen hätten die Wirtschaftsordnung des Goldstandards gesprengt." Die Zentralbanken konnten dem Wirtschaftssystem daher anders als heute nicht in großen Mengen Geld zur Verfügung stellen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied: "Damals ging der Bankenkrise ein schwerer realwirtschaftlicher Abschwung voraus", sagte Abelshauser. Die deutschen Banken seien stark in der Industrie engagiert gewesen. Das zog die Banken 1931, nach zwei Jahren tiefer Rezession, in die Krise. Heute ist die Reihenfolge umgekehrt. Auch die politischen Rahmenbedingungen sind nach Ansicht der Wirtschaftshistoriker heute nicht mit den frühen 30er-Jahren zu vergleichen. "Die Staaten sind untereinander heutzutage deutlich kooperativer bei der Suche nach einer Lösung ", so Ritschl. Die Politik habe aus den Fehlern von damals gelernt.

"Die damalige Methode ähnelt sehr der momentanen Strategie"

Speziell in Deutschland sind die politischen Vorzeichen anders. Deutschland befand sich nach Ansicht von Abelshauser in einer Staatskrise. Die Sparpolitik von Reichskanzler Heinrich Brüning ab 1930 verschlimmerte die Krise. "Er befand sich jedoch in einer Zwangslage", so James. Hohe Reparationsforderungen belasteten den deutschen Staatshaushalt. Auf welch brüchigem Eis sich die politischen Entscheidungsträger bewegten, zeigt die Rettungsaktion für die Banken von 1931. Hier wurden Banken verstaatlicht und problematische Vermögenswerte aufgekauft. "Die damalige Methode ähnelt sehr der momentanen Strategie", sagte James. Und auch die Kritik erinnert an heute: "Die Regierung sah sich durch die kostspielige, steuerfinanzierte Aktion mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würde die Verluste sozialisieren, während eine privilegierte Elite profitiert. Das wurde im turbulenten Wahlkampf 1932 ein zentrales Thema", so James. Mit der Konsequenz, dass die radikalen Kräfte erstarkten. Die historische Lektion müsse daher sein, Rettungspakete so breit gestreut wie möglich zu konzipieren, um dem Vorwurf der Korruption und der Begünstigung einzelner Institute vorzubeugen. ´

Nach Ansicht von Wirtschaftshistoriker Abelshauser sollte noch eine weitere Lektion gelernt werden: "Der Bankenkrise vom Mai/Juli 1931 ist im September die Flucht aus der Weltwirtschaft gefolgt - ausgelöst durch hohe Zölle in den USA sowie Großbritanniens Aufgabe des Goldstandards und der Abschottung des Commonwealth." Diese Gefahr müsse von den Regierungen gesehen werden, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Auch in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 wurden Banken verstaatlicht. Trotzdem sehen Historiker gute Chancen, dass eine Neuauflage des Desasters diesmal verhindert werden kann. Wir geben Ihnen einen Überblick.

Was war der Auslöser?

1929/1931 Den Auftakt bildete ein Börsencrash in den USA am 24. Oktober 1929. Der Dow Jones Industrial Average Index fiel von seinem Eröffnungswert von 305,85 Punkten auf ein Tief von 272,32. Zu Börsenschluss lag er bei 299,47 Punkten. Auf die Börsenpanik folgte ein realwirtschaftlicher Abschwung. Die Ursachen für die Panik sind bis heute allerdings kaum geklärt. Einige Historiker sehen den weltweiten Preisverfall auf den Agrar- und Rohstoffmärkten, eine erhebliche Überproduktion und kreditfinanzierte Massenspekulation in den 20er-Jahren als Hintergründe für die Krise, die auf den Börsencrash folgte.

2007/ 2008

Die aktuelle Krise hat ihren Ursprung in Darlehen an US-Häuserbauer mit geringer Kreditwürdigkeit. Die Forderungen aus den sogenannten Subprime-Krediten wurden von den Hypothekenbanken weiterverkauft. Damit verteilten sich die riskanten Papiere auf das globale Finanzsystem. Als die US-Zinsen ab 2004 stiegen, nahm die Zahl der Zwangsversteigerungen rapide zu. Der US-Immobilienmarkt kollabierte. Und nun entpuppte sich das riskante System der verbrieften Subprime-Kredite als Krebsgeschwür für die Finanzbranche. Ab dem Frühsommer 2007 mussten immer mehr Finanzinstitute hohe Beträge abschreiben.

Eskalation der Krise

1929/1931 Auf den Börsencrash 1929 folgten vier Jahre Rezession in den USA und in weiten Teilen der Welt. Der wirklich schwere Schlag kam dabei erst mit der Bankenkrise in den USA und Europa, die 1930/1931 auf die realwirtschaftliche Krise folgte. Die schlechten Bedingungen für die Unternehmen hatten ein Austrocknen des Kreditmarkts zur Folge gehabt, woran einige Banken schließlich kollabierten. Einige wirtschaftspolitische Entscheidungen nach 1929 verschlimmerten außerdem nach Ansicht von Historikern die Situation – wie zum Beispiel das Festhalten am Goldstandard oder die Deflations- und Sparpolitik ab 1930 in Deutschland.

2007/ 2008

Ab 2007 entpuppten sich immer größere Abschreibungen bei den Finanzinstituten, Hypothekenfinanzierer und Hedge-Fonds gingen pleite. Die Verunsicherung in der Finanzbranche wuchs, die Banken vertrauten einander nicht mehr. Die Notenbanken pumpten dreistellige Milliardenbeträge in den Geldmarkt. Innerhalb weniger Monate kollabierten 2008 dann die großen US-Institute Bear Stearns, Lehman Brothers, Fannie Mae und Freddie Mac. Die Vertrauenskrise eskalierte. Die Banken liehen sich aus Misstrauen untereinander kaum noch Geld, der Interbankenmarkt trocknete aus. Die Bankenkrise war nun endgültig da. Ausgang ungewiss.

Wirtschaftliche Folgen

1929/1931 Zwischen 1929 und 1932 fiel das jährliche Bruttoinlandsprodukt der USA um mehr als ein Drittel von 103,1 auf 58 Milliarden Dollar. Die Arbeitslosigkeit lag 1933 bei 25 Prozent. Mehr als 5000 Banken gingen bankrott. In Deutschland, wo die Krise bereits 1928 begann, lag die Arbeitslosenquote 1932 sogar bei 30,8 Prozent. Zudem herrschte Deflation: Zwischen 1929 und 1931 fielen die Preise um mehr als 25 Prozent.

2007/2008

Das ganze Ausmaß der Krise ist derzeit noch schwer abzuschätzen, die Folgen für die Realwirtschaft ungewiss. Der Internationale Währungsfonds sieht in seinem halbjährlichen Weltwirtschaftsausblick die wichtigsten Industrieländer in oder nah an einer Rezession. Damit droht erstmals seit dem Ölschock Anfang der 80er Jahre ein synchroner weltweiter Abschwung.

Politische Folgen

1929/1931 Die politischen Folgen der Weltwirtschaftskrise waren weitreichend. Historiker sehen in der Großen Depression einen zentralen Grund für die Erstarkung der extremen politischen Kräfte in Deutschland und damit für das spätere Ausbrechen des Zweiten Weltkriegs. Als Reaktion auf die Krise entwickelte John Maynard Keynes seine Gedanken dazu, wie sich Massenarbeitslosigkeit verhindern lässt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte Weltwirtschaftsordnung von Bretton Woods wurde zudem auf Grundlage der Lektionen aus der Weltwirtschaftkrise konzipiert und sollte die Wiederholung einer solchen Krise verhindern.

2007/2008

Da die wirtschaftlichen Folgen noch nicht absehbar sind, bleiben auch die politischen Konsequenzen der Krise unklar. Einige Entwicklungen sagen Wirtschaftshistoriker jedoch schon jetzt voraus. So rechnen sie mit einer Renaissance der Kooperation zwischen Staaten untereinander sowie zwischen Regierungen und Unternehmen. Zudem zeichnet sich schon jetzt eine stärkere Tendenz zur Reregulierung ab, das Vertrauen in die Marktwirtschaft sinkt Umfragen zufolge. Der frisch gekürte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman fordert jetzt eine Neuauflage des US-amerikanischen New Deals von 1933, um die ungleiche Einkommensverteilung zu bekämpfen.

Internationale Kooperation

1929/1931 Es gab keinen Internationalen Währungsfonds, keine Weltbank, keine G7 und keine Europäische Union. Stattdessen herrschte ausgeprägtes Misstrauen zwischen Regierungen und Notenbanken, was eine notwendige internationale Koordination der Hilfsmaßnahmen blockierte und so die Krise verschärfte. Die Regierungen reagierten ab 1930 mit Abschottung und Protektionismus.

2007/2008

Die Länder kooperieren heute sehr viel stärker als während der Weltwirtschaftskrise. Heute ist das Krisenmanagement geprägt von gemeinsamen Beratungen – und das nicht nur auf europäischer Ebene, wie das G7- und G20-Treffen am vergangenen Wochenende zeigten. Bei der Bankenrettung sucht man nach Ansicht von Historiker Harold James allerdings weiterhin zu stark nach nationalen Lösungen.

Instrumente im Krisenmanagement der Politik

1929/1931 In den USA gab es unter Präsident Hoover zunächst nur zaghafte Spontanhilfen in Form von Finanzspritzen an Banken und Unternehmen. Die Notenbanken hatten wenig Handlungsspielraum. Erst unter Präsident Roosevelt wurde das Krisenmanagement ab 1933 deutlich entschlossener: Ein Bankennotstandsgesetz wurde ausgerufen, der Glass-Steagall Act von 1933 etablierte eine staatliche Einlagensicherung. Die staatliche Kontrolle von Banken und Erhöhung der Sozialausgaben im sogenannten New Deal zeigten im Laufe der 30er-Jahre Wirkung. In Deutschland wurde das Krisenmanagement durch die schwierigen politischen Bedingungen erschwert. Brünings Deflations- und Sparpolitik ab 1930 verschlimmerte die Krise. Entschlossener reagierte die Regierung auf die Bankenkrise 1931. Nach dem Bankansturm privater Anleger wurden Bankfeiertage ausgerufen, an denen kein Geld abgehoben werden konnte. Fast alle großen Geschäftsbanken wurden verstaatlicht, problematische Assets vom Staat aufgekauft.

2007/2008

Im Januar 2008 legte die US-Regierung ein 146 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket auf, die Fed ließ parallel die Zinsen purzeln. In Deutschland blieben solche Konjunkturpakete bisher aus. Die Europäische Zentralbank sträubte sich lange gegen eine immer deutlicher von vielen Ökonomen geforderte Zinssenkung. Nach der Zuspitzung der Bankenkrise im Herbst schnürte die US-Regierung ein 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket, um durch den Aufkauf fauler Kredite angeschlagene Banken zu retten. Großbritannien ging kurz darauf mit der geplanten Teilverstaatlichung der wichtigsten Banken noch einen Schritt weiter. Auch Deutschland und andere europäische Staaten folgten mit staatlichen Garantien für Interbankenkredite, Geldspritzen, Staatsbeteiligungen an Banken sowie der Übernahme problematischer Vermögenswerte. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief zuvor eine staatliche Garantie für die deutschen Spareinlagen aus. Die wichtigsten Zentralbanken weltweit senkten in einer konzertierten Aktion die Zinsen.

FTD
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(