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European Homecare: Goldgrube Flüchtlingsheim: Umstrittener Betreiber macht Millionengewinn

Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen freut sich Deutschlands größter Betreiber von Flüchtlingsheimen über boomende Geschäfte. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen gesorgt.

Flüchtlingsunterkunft von European Homecare in Wolgast

Flüchtlingsunterkunft von European Homecare in Wolgast

DPA

Als 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kamen, schlug auch die Stunde der Geschäftemacher. Wer Container, Zelte oder sonstige Unterkünfte anzubieten hatte, konnte von den überforderten Kommunen gute Preise verlangen. Einer der größten Profiteure: das Essener Unternehmen European Homecare (EHC), das als Deutschlands führender Betreiber von Flüchtlingsheimen gilt.

Allein in Essen stampfte das Unternehmen zeitweise zehn Zeltdörfer mit insgesamt 4000 Plätzen aus dem Boden. Die Wohnbedingungen waren zwar zweifelhaft, doch die Kommunen bezahlten üppig: Rund 1700 erhielt European Homecare laut Handelsblatt für jeden Zeltplatz im Monat. 2015 machte die Firma einen Umsatz von 177 Millionen Euro, nach 39 Millionen im Vorjahr.

Weniger Flüchtlinge, doch das Geschäft boomt

Nun hat das Unternehmen seine Geschäftszahlen für 2016 veröffentlicht - und das Geschäft boomt weiter. Obwohl die Flüchtlingszahlen stark zurückgingen, konnte European Homecare seinen Umsatz noch einmal deutlich auf 277 Millionen Euro steigern, wie aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss hervorgeht. Der Gewinn stieg gegenüber 2015 um 6,8 Millionen auf 32,4 Millionen Euro. Drei Jahre zuvor hatte der Gewinn noch bei bescheidenen 1,4 Millionen gelegen. Das Unternehmen betrieb 2016 insgesamt 125 Einrichtungen (Vorjahr 120) in sieben Bundesländern. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 1174 auf 2700 Personen.

Immer wieder Probleme

Über die Jahre hat die Firma wiederholt mit Negativschlagzeilen zu kämpfen gehabt. Bereits 2014 sorgten Mitarbeiter einer externen Sicherheitsfirma für einen Skandal in einer Einrichtung des Unternehmens in Burbach. Sie hatten einen Flüchtling schwer misshandelt, in der Folge ermittelte die Staatsanwaltschaft auch gegen EHC-Chef Sascha Korte persönlich. Es blieb nicht der letzte Aufreger: Auch in anderen Einrichtungen des Unternehmens kam es zu Schlägereien, es gibt Berichte über Hygienemängel und unqualifiziertes Personal. Zudem sind die den Kommunen in Rechnung gestellten Preise als überhöht kritisiert worden.

Für die Zukunft rechnet European Homecare wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen mit einer "Normalisierung der Lage", das heißt mit weniger Einrichtungen und deutlich geringeren Einnahmen. Bereits im zweiten Halbjahr 2016 sei die Auslastung zurückgegangen. Dennoch äußert sich European Homecare im aktuellen Geschäftsbericht auch optimistisch. "Wir haben uns in den letzten Jahren im Markt etabliert und Expertenwissen aufgebaut. Auch wenn die Anzahl der Flüchtlinge sich zukünftig verringert, sehen wir durchaus Chancen, uns auch zukünftig in diesem Umfeld zu behaupten." 

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