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Erfolgreiche Twitter-Suche: Sie hatte keinen Namen, nur ein altes Foto und fand den Mann, der ihr als Kind ein Fahrrad schenkte

Mit fünf Jahren lebte Mevan in einem Flüchtlingsheim und bekam von einem Helfer ein nagelneues Fahrrad zum Geburtstag geschenkt. 24 Jahre später möchte sie sich dafür bedanken, startet eine Suchaktion via Twitter und wird binnen 24 Stunden fündig.

Eine Kinderhand betätigt eine Fahrradklingel

Eine "kleine Geste" nannte Egbert, dass er dem Flüchtlingsmädchen Mevan ein nagelneues Fahrrad zum fünften Geburtstag schenkte

Getty Images

Mevan Babakar, 29, lebte als Kind Mitte der 1990er Jahre in einem Flüchtlingscamp in der Nähe von Zwolle in den Niederlanden. Sie verbreitete am 12. August das Foto eines Mannes via Twitter, der ihr damals zum fünften Geburtstag ein nagelneues Fahrrad geschenkt hatte. Mevan wollte diesen Mann finden, sich bedanken und ihm sagen, wie viel ihr diese Geste bedeutet hat. Sie kannte seinen Namen nicht und hatte nur ein altes Foto. Mevan war mit ihren kurdischen Eltern während des Golfkriegs aus dem Irak geflohen und während ihrer fünfjährigen Flucht über die Türkei, Aserbaidschan und Russland auch in den Niederlanden gewesen, wo sie für etwa ein Jahr von 1994 bis 1995 lebten.

Es dauerte keine 24 Stunden und mithilfe von etwa 3000 Retweets hatte Mevan Erfolg: Sie fand Egbert.

Mevan und ihre Familie ließen sich schließlich in London nieder. Dort lebt die heutige IT-Managerin noch immer. Sie machte sich auf die Spuren ihrer Kindheit und kam so auf die Idee, den Mann zu suchen, der ihr als Fünfjährige ein nagelneues, knallrotes, glänzendes Fahrrad zum Geburtstag geschenkt hatte. Die niederländische "De Stentor" filmte Mevan bereits eine Stunde nach ihrem Twitter-Gesuch und ließ sie von ihrem Vorhaben, den großzügigen Mann aus dem Flüchtlingscamp zu finden, erzählen.

Mevan und Egbert trafen sich in Deutschland

Mevan hat sich direkt auf den Weg nach Deutschland gemacht, nachdem sie erfahren hatte, wo sie Egbert treffen kann. "Das ist Egbert", twitterte sie während ihres Wiedersehens. "Seit den 90er Jahren hilft er Flüchtlingen. Er hat sich so gefreut, mich zu sehen. Er war stolz, dass ich so eine starke und mutige Frau geworden bin." Er habe das Gefühl gehabt, sie sei nie weg gewesen, berichtet Mevan weiter. Egbert habe eine wunderbare Familie und züchte Orchideen. 

Eigentlich sei es doch eine viel zu kleine Geste gewesen, um so ein Fass aufzumachen, sagte Egbert über Mevans Suchaktion. Doch er freue sich, dass sie sich auf diese Weise wiedersehen konnten. "Kleine Gesten haben große Wirkungen", schreibt Mevan bei Twitter. "Die Freundlichkeit, mit der mir Egbert und seine Familie begegnet sind, begleitet und prägt mich mein Leben lang."

Während ihrer Suche hatte Mevan noch von anderen Flüchtlingen gehört, die sich an Egbert erinnerten. Für ihre Spurensuche in Zwolle hatte sie sich ein Sabbatical genommen. Dabei war sie noch auf eine weitere Person gestoßen, die ihr Leben geprägt hat: Sandra, die ihr als Kind beigebracht hatte, einen Computer zu bedienen. "Und nun bin ich IT-Manager", freut sich Mevan dankbar.

Quelle: Twitter